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	<title>Nachdenkliches Archive - Stephan Heider</title>
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	<title>Nachdenkliches Archive - Stephan Heider</title>
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		<title>Stille Fahrt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 09:27:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>​Da stand es. Lea stieg auf ihr Fahrrad, so wie jeden Tag, um loszufahren und ihre Freunde und Familie um</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/stille-fahrt/">Stille Fahrt</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<p>​Da stand es. Lea stieg auf ihr Fahrrad, so wie jeden Tag, um loszufahren und ihre Freunde und Familie um Verzeihung zu bitten. </p>



<p>Der Herbstwind fegte die braunen Locken kreuz und quer durch ihr Gesicht, während sie sich mühte, voranzukommen. </p>



<p>Gestern hatte niemand mit ihr gesprochen. Sie wollte nicht aufgeben, weil es ihr so elend weh tat. So weh, als hätte man ihr das Herz herausgerissen. Ihre beste Freundin Juliette stand am Rand der Straße an der Haltestelle, um den Schulbus in die Stadt zu nehmen. </p>



<p>„Jules, bitte rede doch mit mir. Es tut mir leid, ich wollte das doch nicht!“ </p>



<p>Juliette starrte mit gesenktem Kopf ihren zu Boden fallenden Tränen hinterher. </p>



<p>„Verdammt nochmal, Lea. Warum hast du das getan? Ich hasse dich dafür.“ Juliette schluchzte und verlor augenscheinlich die Fassung, bevor Lea überhaupt ein weiteres Wort an sie richten konnte. </p>



<p>Sie merkte, dass sie bei ihrer besten Freundin heute nichts erreichen konnte und entschloss sich weiterzuradeln. Sie würde es morgen wieder versuchen. Der hübsche Teenager, den ihre Eltern gern Backfisch nannten, mitunter weil sie eine eklatante Ähnlichkeit mit einer berühmten deutschen Schwimmerin in jungen Jahren hatte und ebenso liebenswert kodderschnauzig war, glitt allmählich ab in eine lähmende Zeitträgheit.</p>



<p> Schon so oft hatte sie versucht ihren Fehler zu erklären, dass die Tageswiederholungen ihrer Mühen ihr vorkamen wie die letzte Reise eines alten Wals, der leise durch den Ozean irrte.</p>



<p>​Als sie das Haus ihrer Eltern erreichte, lag die Sonne im Arm des Mittags. Der Hof schmiegte sich irreal schön in die Wogen der milden Hügel.</p>



<p>Ihre Mutter kochte allein hinter der Butzenscheibe, so wie es in Leas Erinnerung fest verankert war. Das Klopfen ignorierte die gekrümmte Frau. Mit steinerner Miene rührte sie abwesend in den dampfenden Töpfen. </p>



<p>Lea merkte, dass sie sich wieder einmal mit den Gedanken in einer ferneren, schöneren Welt aufhielt. Viel zu weit weg, um mit Lea zu sprechen. Die Depression zerrte sie so gut wie täglich dort hin. </p>



<p>„Schon gut, Mama. Ich komme morgen wieder.“</p>



<p>​Die Sonne senkte sich hinter den Bäumen zur Nachtruhe, als Lea die Werkstatt ihres Vaters erreichte. Zu spät, um ein klärendes Gespräch mit ihm zu beginnen, zumal der Tischlermeister an der Drechselbank seinen Gehörschutz trug. </p>



<p>Lea hob vorsichtig die Hand und winkte ihm sanft zu, bevor sie ging. Ihr Vater achtete es nicht.</p>



<p>​Lea fuhr weinend zurück und verzweifelte, dass sie es heute wieder nicht geschafft hatte, sich bei ihren Liebsten zu entschuldigen. Sich zu entschuldigen dafür, dass sie vor zwei Monaten weggegangen war, ohne sich zu verabschieden.</p>



<p>Sie lehnte das schneeweiße Fahrrad mit den vielen Blumen im Körbchen wieder an den Baum an der Landstraße. Dorthin, wo ihre Lieben es zu ihrem Gedenken hingestellt hatten, nachdem die Unfallstelle von der Polizei freigegeben worden war. </p>



<p>Lea ging und wusste, dass sie irgendwann loslassen und ihren Tod akzeptieren musste. Wenn ihre Lieben ihr verzeihen könnten, wäre es leichter für sie. </p>



<p>Für das Mädchen mit den braunen Locken und ihrem weißen Geisterrad.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/stille-fahrt/">Stille Fahrt</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>Angel und Kaiman</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2026 21:23:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/angel-und-kaiman/">Angel und Kaiman</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<p>Eigentlich hatte er heute gar nicht gezielt Ausschau nach jemandem gehalten, den er quälen und umbringen konnte. Dennoch war der Trieb immer da, ganz knapp unter der Oberfläche, wie ein lauernder Kaiman in einem südamerikanischen Wasserloch. </p>



<p>Das Mädchen lief am Straßenrand auf dem Gehweg der einfachen Wohnsiedlung und leuchtete mit einer engelsgleichen Aura, so dass sie selbst aus einer Stadionfüllung herausgestrahlt hätte. </p>



<p>„Hallo junge Dame, darf ich dich etwas fragen?“, sprach er sie durch das heruntergelassene Seitenfenster an, nachdem er seinen Wagen auf Schritttempo abgebremst und auf ihre Höhe herangefahren war. </p>



<p>„Guten Morgen“, antwortete das Mädchen mit einem lieblichen Lächeln, das ihm die Erregung eines Jägers kurz vor einem sicheren Abschuss ins kranke Gehirn trieb. </p>



<p>„Ich darf mich nicht von Menschen ansprechen lassen, die ich nicht kenne“, ergänzte das kleine Mädchen ihren freundlichen Gruß. </p>



<p>„Und das ist auch genau richtig. Aber was ist, wenn jemand deine Hilfe benötigt?“ Der Kaiman hielt seinen Wagen an und das Mädchen blieb stehen. „Wie heißt du denn überhaupt?“ </p>



<p>Das Mädchen sah sich um, niemand war in der Nähe, der ihre Unvorsichtigkeit hätte rügen können. „Angel.“ Ihre großen, dunklen Augen blitzten stolz. </p>



<p>„Na, das ist aber mal ein richtig schöner Name“, erwiderte der gerissene Kaiman. </p>



<p>„Ich weiß! Das ist das englische Wort für Engel.“ Selbstbewusst stemmte die Kleine ihre Hände in die Hüften. </p>



<p>Die Lust, dieses nahezu perfekte Geschöpf zu beschädigen, schäumte in ihm fast unbeherrschbar hoch und er musste sich zügeln nicht voreilig durch das Fenster nach dem Mädchen zu greifen. </p>



<p>„Also pass auf, es ist so! Ich habe eine kleine Tochter und die ist seit gestern verschwunden und darum fahre ich jetzt in der Siedlung hin und her und suche sie. Sie ist in deinem Alter und vielleicht kennst du sie ja von der Schule“, log der Kaiman. „Ich habe hier ein Foto im Handschuhfach.“ Er beugte sich hinüber und stieß die Beifahrertür ein wenig auf. Sollte das Mädchen an den Wagen herantreten, würde er es an den Kleidern packen und in den Innenraum ziehen können. Angel überlegte kurz und tat dann etwas, was es ihm überraschend einfach machte.</p>



<p>„Ja okay, das verstehe ich. Dann ist es vielleicht besser, wenn ich mitfahre und auch Ausschau halte. Dann finden wir sie bestimmt schneller. “Der Kaiman konnte sein Glück kaum fassen. Weder die kleine Ines noch der kleine Jason waren freiwillig zu ihm eingestiegen. Beide musste er minutenlang zu quatschen, bis sie nahe genug kamen, um sie zu schnappen, in sein Haus zu verschleppen, ihnen weh zu tun und ihre Leichen im Wald zu verscharren. Und dieses schönste Kind von allen hier war so treuselig, tatsächlich freiwillig zu einem gesuchten Kindesentführer, nein, Kindermörder ins Auto zu steigen. Und keine Menschenseele auf der Straße, was ihm schon fast komisch vorkam. Halleluja, was für ein verdammter Glückstag. </p>



<p>Angel hüpfte ins Auto, als wäre es das selbstverständlichste der Welt und fragte noch nicht einmal nach dem Foto. „Weißt du was, Angel, ich glaube, ich fahre mal schnell zu Hause vorbei. Vielleicht ist sie ja mittlerweile dort angekommen.“ Das Mädchen nickte zustimmend. Einige Minuten später fuhr das automatische Garagentor auf, als er auf die Einfahrt seines Hauses abbog. Er ließ den Wagen in die Garage rollen. Das Mädchen blieb ruhig und machte nicht den Eindruck, dass ihr der Vorgang merkwürdig vorkäme.Der Kaiman überlegte, ob er alles, was er bräuchte, um Angel ruhigzustellen und zu fixieren, an seinen Platz geräumt hatte, denn er war eigentlich gar nicht auf Besuch vorbereitet.</p>



<p>„Kann ich dann auch mal das Zimmer von Ihrer Tochter sehen?“, fragte Angel interessiert und folgte dem Kaiman vollkommen arglos durch die Verbindungstür der Garage in sein Haus.           Ihm kam ein Gedanke, der ihn kurz zusammenzucken ließ. Konnte das Mädchen ein Lockvogel sein und gleich ein Sondereinsatzkommando das Haus stürmen? Hatte er in seiner Erregung die Verfolger nicht bemerkt? Darum war vielleicht auch die Straße so leer. Er sollte sich sicher fühlen, wenn sie ihm die Falle stellten. </p>



<p>„Warte kurz“, wies er das Mädchen an und ging nach draußen. Vom Tor aus warf er einen Blick nach rechts und links in die Straße. Nichts. Keine Menschenseele. Er wartete einige Minuten, bis seine Verunsicherung wich und er zurück ins Haus zu Angel ging, die sich nicht vom Fleck bewegt hatte. Der Kaiman wog sich wieder in Sicherheit, jetzt konnte er endlich sein wahres Gesicht zeigen. Die hässliche Mörderfratze, in die schon Ines und Jason starr vor Angst blicken mussten, bevor sie starben. Die Bullen würden die Leichen nie finden, egal wie lange sie suchen würden. Und damit waren die beiden Kinder erst einmal nur vermisst. In seiner abartigen Fantasie genoss er die quälende Ungewissheit ihrer Familien über das Schicksal der verschwundenen Kinder.</p>



<p>Er schlug die Haustür zu und drehte den Schlüssel. Noch mit dem Rücken zu Angel, sprach er in einer ganz anderen, furchteinflößenden Tonart.</p>



<p>„Du hättest niemals in mein Auto einsteigen dürfen, du kleines unartiges Miststück. Dafür werde ich dich furchtbar bestrafen müssen.“ Er zog den Schlüssel ab und drehte sich langsam zu dem Mädchen um.</p>



<p>Dann strömte ihm das Eis in die Adern und sein Herz setzte zwei Schläge aus. Einen Schlag für Ines und einen weiteren für Jason, die plötzlich neben Angel standen, lächelnd und völlig intakt, als hätte der Kaiman sich nie an ihnen vergriffen. Nur Angels Gesicht war zu einer teuflisch verzerrten Maske verhärtet. Er schrie und schnellte panisch herum, um die Haustür wieder aufzuschließen. Bei dem Versuch brach der Schlüssel ab und er sank verzweifelt auf die Knie. Angel stand sofort über ihm und hauchte ihm leise mit kaltem Atem ins Ohr: „Wo hast du die Kinder begraben?“ Der Kaiman hob kurz den Blick, Ines und Jason waren wieder verschwunden. Er zitterte und brachte die Worte kaum heraus: „Am Weiher im Königsforst, dreihundert Meter südlich vom Bootssteg.“ Angel flüsterte leise: „Du hättest mich niemals in dein Auto einsteigen lassen dürfen, du kleines unartiges Miststück. Dafür werde ich dich furchtbar bestrafen müssen.“</p>



<p>„Wer zum Teufel bist du?“, bebte seine Stimme. Das kleine, blonde Mädchen antwortete plötzlich mit der tiefen, gefrierbeißenden Stimme eines Höllendämons: „DEIN TOD!“</p>



<p>Als Ines und Jason gefunden und vier Wochen später beerdigt wurden, konnten ihre Mütter unter der Last des Schmerzes ihren Frieden finden und blieben von einem seelenzerreißenden Gerichtsprozess, der die Leiden ihrer geliebten Kinder offenbart hätte, verschont. </p>



<p>Vom Kaiman erfuhren sie nichts. Er starb würdelos in seinem Haus in Kot und Urin. Die Gerichtsmediziner fanden nicht heraus, warum dieser schockierte Ausdruck von Angst in seinem Gesicht stehen blieb. Sein Herz setzte einfach aus. Der Körper war unversehrt, wie die Obduktion ergab. Dennoch wies der exorbitant hohe Adrenalingehalt in seinem Blut, gepaart mit seinem Gesichtsausdruck, darauf hin, dass ihn irgendetwas zu Tode verängstigt haben musste.</p>



<p>Das gleiche Phänomen, wie schon bei einigen anderen, die unter dem Verdacht standen, sich an Kindern vergangen zu haben.</p>



<p>Auf einer fernen jenseitigen Blumenwiese tobten hunderte ausgelassene Kinder im goldenen Licht der untergehenden Sonne. Eines davon verharrte kurz und nachdenklich. Angel fragte sich, wann sie endlich auch ihren eigenen Mörder zur Strecke bringen würde.</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/angel-und-kaiman/">Angel und Kaiman</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>Wonderwoman Deluxe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2026 08:59:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es war schon wieder Abend. Zeit für ihr Tagebuch. Ein Ritual, das ihr Sicherheit gab. Bevor Klara den heutigen Tag</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/wonderwoman-deluxe/">Wonderwoman Deluxe</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Es war schon wieder Abend. Zeit für ihr Tagebuch. Ein Ritual, das ihr Sicherheit gab. Bevor Klara den heutigen Tag beschrieb, lächelte sie noch einmal verschmitzt über den gestrigen Eintrag in ihr geliebtes Tagebuch.</p>



<p>„Das Treffen mit Johannes war wunderschön. Ein wirklich interessanter Mann. Er lässt mich unbeschwert lachen. Es kommt mir vor, als würde ich ihn schon ewig kennen. Ich mag seine warmen Hände, wenn sie zur Begrüßung die meinen umschließen und mir das Gefühl von Geborgenheit geben. Der Blick in seine dunkelbraunen Augen fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen, in mein gewohntes Umfeld. In meine Räume, in denen ich sicher bin. Auf meine Couch mit Tee und Wolldecke. Wir haben uns für morgen wieder verabredet. An gleicher Stelle im Park. Ich bin aufgeregt und mein Bauch kribbelt, wenn ich daran denke. Hoffentlich kann ich schlafen, denn ich möchte hübsch aussehen für Johannes.“ </p>



<p>Klaras Herz zersprang fast vor Glück und sie seufzte gedankenverloren, als die Geschehnisse aus ihrem Tagebuch vor ihrem inneren Auge noch einmal abliefen, wie ein romantischer Film, in dem sie die weibliche Hauptrolle spielte. </p>



<p>Als Julia nach ein paar Minuten der Abwesenheit nach Hause kam und leise die Tür zu Klaras Zimmer öffnete, war die Szene, die sie vorfand, dieselbe wie gestern. Ihre demente Mutter war auf der Couch eingeschlafen. Sie lächelte zufrieden und ihr geliebtes Tagebuch lag auf ihrem Bauch. Julia zog es sanft aus den Händen der alten Frau und setzte sich hin, um mit viel Liebe den Eintrag für heute zu schreiben. Denn auch morgen würde sie wieder ein paar Minuten brauchen, um mit dem Rad zum Friedhof zu fahren und Johannes Grab zu gießen. </p>



<p>Das Grab ihres Vaters.</p>
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		<title>DOWN</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 May 2026 16:06:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Worte plätscherten unverständlich, wie ein grauer Regen, auf seinen gekrümmten Körper in der Bahnhofshalle. In seiner Lautstärke zunehmend, schnitt sich</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/down/">DOWN</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Worte plätscherten unverständlich, wie ein grauer Regen, auf seinen gekrümmten Körper in der Bahnhofshalle. In seiner Lautstärke zunehmend, schnitt sich ein Name durch den diffusen Wortnebel in seinen hämmernden Schädel, der unter dem Druck des Geschehenen zu bersten drohte. </p>



<p>Es war sein Name. „Fabio… Fabio… Fabio…!“ </p>



<p>Dann war er schmerzfrei. Saß auf der Bank, die er so liebte. Der Sommernachmittag im Hochmoor war traumhaft schön und seine nackten Zehen spielten mit dem warmen Holz des Wandersteges, der sich an dieser Stelle gabelte. Der grazile Fuß Isabellas, die neben ihm saß, kitzelte mit seinen rot lackierten Nägeln an seiner Wade. </p>



<p>Isabella, dieses wunderbare Geschöpf aus Schönheit und Selbstzweifeln. Sie war auf einem guten Weg das zweite Bein auf den Boden des Lebens zu bringen. Die Heidepflanzen leuchteten farbenfroh, wie ein weicher Teppich aus Glückseligkeit. </p>



<p>„Fabio… Fabio…!“ Warum weinte Isabella? Wieder stachen die Schmerzen in seinen Kopf und die Kälte der harten Fliesen kroch in ihn hinein, um seinen Körper unrhythmisch zu schütteln. Hektisch gerufene Fragmente drangen zu ihm durch. </p>



<p>„Legt ihm doch eine Decke…“, </p>



<p>„Wo sind die feigen Schweine“, </p>



<p>„Verdammt, wo bleibt denn der Rettungswagen?“</p>



<p>Er erinnerte sich, dass ihn etwas traf und er zu Boden ging. Warum nur war er mit Isabella am Bahnhof. Oh Gott. Die schweren Stiefel. Der behinderte Junge. Der Spott. </p>



<p>Ja, sie wollten Isabellas Schwester abholen, die aus ihrem Auslandsjahr zurückkam. Ansonsten würden sie sich doch nie in der Bahnhofshalle aufhalten. </p>



<p>„Lass die Typen“, </p>



<p>Isabella hatte Angst. </p>



<p>„Das sind doch nur Kids“, erinnerte er sich an seine beruhigenden Worte. </p>



<p>Im Moor: Isabella drückte sich an ihn und zeigte auf die sinkende Sonne. </p>



<p>„Ich liebe dich, Fabio. Du hast mich erst zum Leben erweckt. Ohne dich wäre ich total kaputt.“</p>



<p>Fabio sah sie lange an. Er lächelte, stand auf und lief über den Steg, den sie sonst nicht gingen. Der Steg, der nicht nach Hause führte. Er ging allein, ohne ihr anzubieten mitzukommen. Isabella blickte ihm verloren nach. </p>



<p>Zitternd sah er in ihr verweintes Gesicht und wollte ihr zuflüstern, dass sie es allein schaffen würde. Sein Atem reichte nicht. Er las in ihren Augen, dass sie ihm noch etwas sagen wollte.</p>



<p> Fabio starb auf den Fliesen der Bahnhofshalle, weil er eine Gruppe Jugendliche zurechtgewiesen hatte, die einen jungen Mann mit Down-Syndrom umkreisten und verspotteten. Sie traten ihm ins Gesicht, als er bereits am Boden lag. </p>



<p>Der hilflose Schrei Isabellas schallt bis heute durch das Gebäude, wenn man nur genau hinhört. Manche sagen, es wäre nur der Wind, der durch die Ritzen pfeift. </p>



<p>Als Fabio jr. geboren wurde, war sein Vater bereits sechs Monate tot und seine Mörder zu geringen Strafen verurteilt. Er kam mit Trisomie 21 zur Welt. Und mit dem großen Herz seines Vaters. </p>



<p>Wenn Isabella ihn heute ansieht, denkt sie dankbar an die Bank im Hochmoor und den Teppich aus Glückseligkeit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/down/">DOWN</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>WIR SEHEN UNS</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 18:18:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kurioserweise trat ich gerade vor den Parkscheinautomaten, um die anderthalb Stunden zu bezahlen, die ich am Bett meines sterbenden Freundes</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/wir-sehen-uns/">WIR SEHEN UNS</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Kurioserweise trat ich gerade vor den Parkscheinautomaten, um die anderthalb Stunden zu bezahlen, die ich am Bett meines sterbenden Freundes verbracht hatte. Wir weinten und ich habe ihm den Rücken gerieben, der vom Dauerliegen juckte. Vorsichtig um die Lungendrainage herum. Dann schauten wir ein altes Fotoalbum an, so eines mit Fotoecken und Schwarzweiß-Bildern mit breitem Rahmen, auf denen er im vorderen Teil des Albums heiratete und weiter hinten vom Strand winkte. Vor fünfzig Jahren. Sein Mund stand beim Atmen offen und die zu groß gewordenen Zähne hervor. Die Sauerstoffmaschine pumpte zuverlässig ihre Arbeit in seine Nase. Ich verabschiedete mich ziemlich befangen, was sollte ich auch sagen. </p>



<p>2,50 Euro war es dem Automaten wert, dass mein Auto neunzig Minuten gewartet hatte, während ich einen Sterbenden tröstete. Im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten. Der Schweißausbruch war schon da, als ich den Fünfeuroschein zitternd in den Schlitz des Abrechners schob. Hätte ich überlebt, würde ich sicher behaupten, ein Fragezeichen auf dem Display gesehen zu haben, sinnbildlich für meine persönliche Frage nach dem Sinn all dessen. </p>



<p>Ich ging davon aus, gleich bei Kaffee und Keksen zu Hause zu sitzen und nun war ich schneller tot als mein Freund da oben in seinem intelligenten Pflegebett. </p>



<p>Die Frau hinter mir am Parkscheinautomat wusste nichts Besseres, als zu kreischen, nachdem mich mein Kammerflimmern zu Boden gedrückt hatte. Ich hatte noch nicht einmal das Wechselgeld entnommen, immerhin 2,50 Euro für den nächsten Besuch hier. Ich gebe der Frau keine Schuld, sie verfügte über keine Erste Hilfe Routine. Ich selbst hätte sie gehabt, aber die Frau ist ja nicht umgefallen, sondern ich. </p>



<p>Nur drücken hätte gereicht. Vier Minuten auf meinen Brustkorb. Dann waren die Profis da. Sie wusste es leider nicht, wie viel zu viele Menschen in Deutschland. Beide Arme gestreckt, mit dem Handballen tief in den Brustkorb hinein. Hundert Mal pro Minute. Das ist exakt der Takt von „Stayin‘ Alive“[,.] „Atemlos“ und, was ich besonders gelungen finde, „Highway toHell“[,.] Also für jeden Musikgeschmack etwas dabei. </p>



<p>Nichts, was kaputt gehen kann außer ein paar Rippen. Nur Mut, Frau, du brauchst keinen Kurs, mach einfach. Wir kennen uns nicht, aber ich brauche dich jetzt. Ihr Mut beschränkte sich aufs Schreien und ich starb unnötig am Fuße des Parkscheinautomaten. </p>



<p>Als mein Freund wenig später hinüberkam, war er ziemlich überrascht, dass ich schon auf ihn wartete. Schließlich war ich gerade erst quietschfidel mit den Worten: „Wir sehen uns“ aus seinem Sterbezimmer marschiert. Er kam auf mich zu, nahm mich in den Arm und drückte mich lange. Dann schob er mich eine Armlänge weit weg, sah mich an und sagte lächelnd: „Später, mein Freund.“ Seine Hände legten sich sanft auf mein Gesicht und seine Daumen schoben vorsichtig meine Augenlider hoch, die zuvor geschlossen waren, obwohl ich ihn klar gesehen hatte. Dann war mein Freund verschwunden und ich starrte an eine weiße Zimmerdecke. </p>



<p>Zwei Tage später standen sie mit feuchten Augen an meinem Krankenbett. Die kreischende Frau und der Ersthelfer, der sie am Parkscheinautomat gehört hatte und unverzüglich mein Herz massierte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/wir-sehen-uns/">WIR SEHEN UNS</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>Hannah</title>
		<link>https://stephan-heider.de/hannah/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 14:14:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ihre Seele ächzte unter der Last dieses Fehlers, den sie vor sechzehn Jahren gemacht hatte. Sie stützte tapfer ihre Mutter,</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/hannah/">Hannah</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ihre Seele ächzte unter der Last dieses Fehlers, den sie vor sechzehn Jahren gemacht hatte. Sie stützte tapfer ihre Mutter, deren Körper unter den Weinkrämpfen bebte, so wie jedes Jahr an diesem Ort.</p>



<p>„Geboren um zu Leben“ sang der Graf vom Band und schnitt damit gnadenlos die fragile Schutzhaut von der seelischen Wunde, die niemals heilen würde. In den ersten drei Jahren kam er noch persönlich zur Trauerfeier, um bei den Angehörigen zu sein. Es war ihm eine Herzensangelegenheit. </p>



<p>Die Gedenkstätte mit Hannahs Namen und denen der anderen Opfer war herausragend gepflegt. Niemals würden die Eltern und Geschwister sie aufgeben, auch wenn die Stadt sich noch so sehr bemühte, den Hinterbliebenen einen anderen Ort schmackhaft zu machen, um endlich mit der Bebauung des ansonsten herunter gekommenen Geländes zu beginnen. </p>



<p>Hannah und Katrin, die Zwillinge, hätten in diesem Jahr ausgelassen ihren vierunddreißigsten Geburtstag gefeiert. Wenn Hannah nicht tot wäre. Erdrückt am Fuße dieser Treppe.</p>



<p>Eigentlich war Hannah die Vernünftige der beiden und Katrin das verrückte Huhn, das nur Unfug im Kopf hatte. Wie konnte das Schicksal so grausam sein, dass ausgerechnet Katrin Kopfschmerzen hatte, am 24. Juli 2010. </p>



<p>Wäre es andersherum gewesen, würden beide Mädchen noch leben, denn niemals hätte ihre Mutter Katrin allein zur Loveparade gehen lassen. Aber bei Hannah gab es keinen Grund nein zu sagen, sie war die Vernunft in Person. </p>



<p>Seit Hannahs Tod hatte sich das geändert. </p>



<p>„Ach Katrin“, sagte ihre Mutter irgendwann einmal, „Du bist so schnell erwachsen geworden. Kaum wieder zu erkennen. Aus dem unzähmbaren Teenie ist über Nacht eine grundvernünftige und umsichtige Frau geworden. Das hätte ich nie erwartet. Es tut mir so leid, dass es so gekommen ist.“ </p>



<p>Wie sollte Hannah jemals ihrer Mutter erklären, dass sie vor sechzehn Jahren, am Morgen des 24. Juli die Rollen mit Katrin getauscht hatte, weil sie sie darum gebeten hatte. Katrin wollte doch so gerne zur Loveparade.</p>



<p>Als sie es ihr kurz nach dem Unglück gebeichtet hatte, erlitt ihre Mutter eine Hirnblutung, der ein mehrwöchiges Koma und eine monatelange Rekonvaleszenz folgten. An die Stunden vor der Hirnblutung und Hannahs Geständnis konnte sie sich danach nicht mehr erinnern.</p>



<p>Immer wenn ihre Mutter sie lange nachdenklich ansah, betete Hannah inständig, dass es für immer so blieb.</p>
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		<title>Mein feiges Spieglein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 13:54:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ach, Spieglein klein, ich bin recht fein, so verlässlich und auch ehrlich. Ach, Spieglein klein, du bist so rein, sehr</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/mein-feiges-spieglein/">Mein feiges Spieglein</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<p>Ach, Spieglein klein, ich bin recht fein, so verlässlich und auch ehrlich. </p>



<p>Ach, Spieglein klein, du bist so rein, sehr gut zu mir und nicht gefährlich. </p>



<p>Ach, Spieglein klar, wie bin ich rar, so selten wie die edlen Weine. </p>



<p>Ach, Spieglein klar, bist für mich da, für mich allein und sonst für keine. </p>



<p>Ach, Spieglein Gold, ich bin so hold, du siehst in mir niemals das Schlechte. </p>



<p>Ach, Spieglein Gold, hast nie gewollt, dass ich geh mit mir ins Rechte. </p>



<p>Mein Spieglein, es ist deine Kunst, aus dir schauen andere töricht raus. Spiegelst mich in voller Gunst, und blendest meine Fehler aus.</p>



<p>Doch euer Spieglein zeigt mich hässlich, malt unverschämt ein fieses Schwein. Ach, Spieglein mein, nur du verlässlich, schau selbstverliebt in dich hinein. </p>



<p>Ach, Spieglein dein, du machst mich irr, die Fratze drin kann ich nicht sein. Ich greif nach dir, so rasend wirr, und schlage deine Scheibe ein. </p>



<p>Dein Spieglein nun entzwei zerbricht, die Splitter überall verteilt. Zerschneiden deine Zuversicht, tiefe Wunde, die nicht heilt. </p>



<p>Im Nachhinein tut es mir leid, nicht in dich geblickt zu haben. Ich glaub, es ist nun an der Zeit, mein Selbstbild mal zu hinterfragen. </p>



<p>Ach, eignes Spieglein, bist glasklar, doch gerne du die Wahrheit biegst. Der fremde Spiegel spricht oft wahr, wenn du mir in die Tasche lügst. </p>



<p>Ach, Spieglein mein, ich muss erkunden, viele Bilder muss man schauen. Ich glaub, ich habe dich erfunden, um selbst mich übers Ohr zu hauen. </p>



<p>Ach, Spieglein dein, was sag ich dir, in deiner Tiefe klaffen Kerben. Jetzt steh ich ganz alleine hier, zu meinen Füßen, deine Scherben. </p>



<p>Ach, Spieglein dein, vermiss dich sehr, niemand sagt mir mehr die Wahrheit. Es gibt kein andres Spieglein mehr, das reflektieren kann mit Klarheit.</p>



<p>Dein Schliff, versteh nun wie er ist, ach du mein verklärter Spiegel. Selbstgerecht und feig und trist, nur Kristall mit Egosiegel. </p>



<p>Und die Moral von der Geschicht, ein Spiegel nie die Wahrheit spricht. Für ein Bild von mir komplett, brauch ich ein Spiegelkabinett. </p>



<p>Wer scheubeklappt in seinen starrt, und nicht nutzt Vielspiegelei. In eigner Herrlichkeit verharrt, stirbt dummschlau wie ein Spiegel-Ei.</p>
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		<title>In meiner Hand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 20:23:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Milos Fingerspitzen lagen entspannt auf dem, von Flöten und Geigen gekitzelten Paukenfell. Sie tasteten Ennio Morricones „Once Upon a Time</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/in-meiner-hand/">In meiner Hand</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<p></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p></p>



<p>Milos Fingerspitzen lagen entspannt auf dem, von Flöten und Geigen gekitzelten Paukenfell. Sie tasteten Ennio Morricones „Once Upon a Time in America“, das leise aus dem Lautsprecher in der umgebauten Trommel klang. </p>



<p>Das selbstgebaute Konstrukt sorgte dafür, dass Milos die Musik fühlen und sich mental aus der Jetzt-Welt nehmen konnte. </p>



<p>Seine linke Hand lag bewegungslos zu seinen Füßen unterhalb des Lehnstuhls. Mit ihr am Arm wollte es ihm nicht gelingen in Verbindung mit seiner Erinnerung zu treten. Genau aus diesem Grund hatte er sie sich vor einer Stunde abgenommen und achtlos hingeschmissen, ohne mit der Wimper zu zucken. Er sah auf den rosafarbenen Stumpf am Ende seines Arms und dachte nach. </p>



<p>Die Klassifizierung auf der berühmten persönlichen Skala von eins „belanglos“ bis zehn „undenkbar“ fiel bei der Frage </p>



<p>„Wie empfindest du das Töten von Lebewesen?“</p>



<p> vielen Menschen leicht, solange es sich um möglichst kleine und eklige Insekten handelte. Die unbarmherzige Ausrottung von Wespen oder Spinnen auf Knopfdruck war ihm als reizvolle Idee mancher Phobiker auch schon zu Ohren gekommen. Auf der Stufe Eins die Schädlinge. Ein emotionsfreies Kinderspiel sie zu zerquetschen. Und auf der Stufe Zehn die Menschen. Undenkbar, einem von ihnen das Leben zu nehmen. </p>



<p>Milos fragte sich, woher der Irrglaube kam und dachte über den Moment nach, als sich seine persönliche Werte-Skala von jetzt auf gleich umgekehrt hatte.</p>



<p>Der Moment als Amelie ihm vom Arm gerissen wurde, lag seinem Gedächtnis nur als schwarz gefärbter Piepton vor. Die Bilder endeten kurz vor der Explosion und setzten erst wieder im Krankenhaus ein. </p>



<p>Ihre kleine Kinderhand in Seiner kehrte als Phantomgefühl zurück, sobald er sich in diese Ruhe begab. Die Plastikhand, die sie ihm angestückelt hatten, konnte er in diesem Moment weiß Gott nicht gebrauchen. </p>



<p>Tröstlich, dass Amelie die Hand ihres Vaters hielt und mitnahm, als sie starb. Das Phantomgefühl war für ihn vielleicht sogar intensiver und verblasste nicht im Laufe der Zeit. Das konnte nur ein Gehirn leisten. Keine Hand konnte das. Keine Hand, die an ihm geblieben wäre und nie wieder etwas anderes hätte anfassen dürfen, um die letzte Berührung seines kleinen Mädchens zu konservieren. </p>



<p>Deshalb war er mit der Prothese im Reinen. </p>



<p>Judith kam von links ins Wohnzimmer, die Seite auf der Milos taub war. Das Gehör war ihm mit seiner Hand weggesprengt worden, als Amelie auf die Landmine trat. </p>



<p>Judith lächelte mitfühlend, als sie hinter dem Lehnstuhl um ihren Lebensgefährten herumging und ihm leise ins gute Ohr flüsterte: </p>



<p>„Gehst du wieder mit Amelie spazieren?“</p>



<p>Milos lächelte die Frau, die seine Werte-Skala wieder auf zehn für alles Leben justierte, liebevoll an. </p>



<p>Dann sah der alt gewordene Mann wieder auf den Armstumpf, an dem er die Hand seiner Tochter immer noch genau so fühlen konnte, wie in ihrem letzten Moment vor drei Jahrzehnten.</p>



<p>Lebendig &#8211; Warm &#8211; Vereint. </p>



<p>Das Gefühl, dass ihn seither Tag für Tag am leben hielt.</p>



<p>„Ja, so wie jeden Abend“, antwortete er.</p>



<p>Seine Stimme klang mild.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/in-meiner-hand/">In meiner Hand</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>Mondschatten</title>
		<link>https://stephan-heider.de/mondschatten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Oct 2025 18:10:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Monika war müde vom Tag. Das Büro, die neue Selbstständigkeit zehrte sie aus. Einerseits lebte sie ihren Traum, andererseits fraß</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/mondschatten/">Mondschatten</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Monika war müde vom Tag. Das Büro, die neue Selbstständigkeit zehrte sie aus. Einerseits lebte sie ihren Traum, andererseits fraß das Geschäft sie mit Haut und Haaren. Obwohl sie von zu Hause arbeitete, rieb sie sich auf. </p>



<p>Der Tod ihrer Mutter Elisabeth kam so unerwartet. Sie sollte helfen und war die ersten Jahre fest eingeplant, so lange bis Monika sich eine Hilfe leisten könnte. Morgens im Büro und nachmittags sollte sie für die kleine Brie da sein. Das war ihr Plan. Der Tod hatte jedoch seinen eigenen Plan für Elisabeth.</p>



<p>Das Landhaus in der Toskana, das ihr Mann hinterlassen hatte, kostete zusätzliche Arbeit, die Monika im Moment noch nicht an einen Gärtner vergeben konnte. Ins Immobiliengeschäft einzusteigen, hier in der Region als Anfänger war nicht nur leichtsinnig, sondern nahezu irrsinnig. Viel zu viele einheimische Makler hatten etwas dagegen.</p>



<p>„Mami, ich habe heute Oma gesehen“, zwitscherte Brie aufgeregt, als Monika sie nach dem Abendessen zu Bett brachte.</p>



<p>„Ach Liebling, du weißt doch, dass Oma gestorben ist und wir sie nicht mehr sehen können.“ Monika war zu müde, um die Bedürfnisse eines trauernden Kindes zu bedienen. </p>



<p>„Sie geht durch den Rosengang&#8230; jeden Abend“, Bries Augen strahlten voller Glück. „Ja, Brie, das war früher. Oma liebte den abendlichen Spaziergang durch den Rosengarten. Aber nun ist sie im Himmel.“</p>



<p>Bries Miene wurde ernst. „Weißt du noch, wie Oma schritt? Sie ist es.“</p>



<p>„Okay, mein Schatz, du hast sicher recht.“ Monika hatte gerade nicht den Nerv mit Brie über die Endlichkeit des Lebens zu diskutieren. </p>



<p>Irgendwann in der Nacht schreckte Monika aus dem Schlaf. Ein Gedanke ließ ihr keine Ruhe. Was hatte Brie gesagt? „Weißt du noch, wie Oma schritt?“ Wie zum Teufel kam sie nur darauf, das Präteritum, also die einfache Vergangenheit, zu wählen? Das war sowohl für sie als auch für jedes andere Kind ungewöhnlich. Kinder sprachen im Perfekt&#8230; der Erzählform. Also hätte sie gesagt: „Weißt du noch, wie Oma durch den Rosengang geschritten ist?“, wäre es plausibel, wobei das Wort „schreiten“ auch keine Kindersprache ist. So sprach höchstens Elisabeth, ihre Mutter.</p>



<p>Monika sprang aus dem Bett und huschte zum Fenster. Im Vollmond lag der Rosengang, durch den drei Schatten auf und ab gingen. Der einer eleganten älteren Dame, der eines stattlichen Mannes und an dessen Hand ein kleines Mädchen. </p>



<p>Monika erkannte, dass Brie recht hatte. Sie stürmte zur Schlafzimmertür, um zu Brie zu gelangen, sei es auch nur um ihr schlafendes Kind liebevoll zu betrachten. Ihre Zimmertür war verschlossen, ohne dass ein Schlüssel steckte. Monika dachte nach, wieso sie sich eingeschlossen hatte, als das Türschloss aufschnappte. Eine Frau in weißer Schwesterntracht stand in der Tür und fuhr Monika schroff an: „Ich habe Ihnen gestern schon gesagt, dass Ihr Mann, Ihre Mutter und Ihre Tochter bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Monika, Sie sind auch nicht in der Toskana, sondern in der Klinik ‚Gute Hoffnung‘ im bayrischen Wald. Verdammt nochmal, wie oft soll das noch so gehen?“ </p>



<p>Monika erinnerte sich kurz, brach zusammen und weinte sich aus der Realität in einen fortwährenden Wachtraum. Ein schöner Traum, der ihre unerträglichen Schmerzen fraß.</p>



<p></p>
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		<title>Achtsam</title>
		<link>https://stephan-heider.de/achtsam/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jul 2025 21:32:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dass sie der unerwartete Tod ihrer Tochter so dermaßen aus der Bahn warf, lag in erster Linie an der Abruptheit</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/achtsam/">Achtsam</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Dass sie der unerwartete Tod ihrer Tochter so dermaßen aus der Bahn warf, lag in erster Linie an der Abruptheit ihres Todes. Aber viel mehr noch an der Tatsache, dass Meret am Morgen des Unfalls dem pubertierenden Teenager hinterher geschrien hatte: </p>



<p>„ICH HASSE DICH!“ </p>



<p>Der Streit war nichtig. Ihre letzten Worte an Pina waren es nicht. Sie waren so bedeutsam, wie der Sicherungsbolzen einer Guillotine, den Meret beiläufig und unbedacht hinausgezogen hatte, während Pinas Kopf darin steckte. </p>



<p>Meret schrie wieder heiser in ihr Kissen, nachdem der Nachtalb ihre aufbäumende Kehle zugeritten hatte, bis sie in Schweiß und Tränen aufwachte, wie jede Nacht. Auch acht Wochen danach. </p>



<p>Und wie jede Nacht versprach sie sich erneut, sich heute ausbluten zu lassen oder zumindest vom Dach zu springen. Meret war in der Hölle, obwohl sie noch lebte.</p>



<p>„ICH HASSE DICH!“, schallte ihre Stimme über die erwachende Straße der Siedlung und überschlug sich dabei. Nachbarn blieben stehen und schauten kopfschüttelnd hoch zu ihrem Küchenfenster. Der Moment, als die Zeit wenige Sekunden stehen blieb. Pina war auf ihr Rad gestiegen und drehte sich noch einmal um. Ihre Augen antworteten stumm: „Mama, ich liebe dich, aber kann gerade nicht reden. Wir klären das heute Abend.“ </p>



<p>Meret fuhr ein Schwert durchs Herz, als Pina sich wortlos abwandte und zur Schule aufbrach, in der sie nie ankam. Diese Szene lief für sie in einer Endlosschleife ab.</p>



<p>„Wenn man lebendig ins Fegefeuer geraten kann“, dachte sie. Ihr Blick verschwamm und sie fand sich erneut schreiend am Küchenfenster wieder.</p>



<p>„ICH HASSE DICH!“</p>



<p>Das waren ernsthaft die letzten Worte an ihr Kind. Das Kind, dass sie so liebte. Eine dumme, emotionale Sekunde, in der die Nerven einer sorgenvollen Mutter durchgingen und zum ersten Mal die Worte in den Tag nicht waren: </p>



<p>„Hab dich lieb, pass auf dich auf.“ </p>



<p>Meret hasste sich so sehr für diese eine Schwäche, dass sie ihre tränenden Augen nicht mehr schloss, in der Hoffnung, dass sie ihr aus den Höhlen brennen würden.</p>



<p>Die sanfte und kühle Berührung ihrer Lider empfand sie angenehm wohltuend und weckte ihre Aufmerksamkeit. Die Berührung duftete nach Pina, zart und frisch. Meret glitt durch einen Tunnel, an dessen Ende ein diffuses Licht wartete. Sie nahm eine Stimme und ein sich langsam formendes Wort wahr.</p>



<p>„Mama&#8230;. Mama“ &#8230; ein Schluchzen.</p>



<p>Meret schlug ihre brennenden Augen auf, die Pina acht Wochen mit Salbe gepflegt hatte. Ein wunderschöner Traum, Pina saß seitlich auf ihrem Bett. „Pina, bin ich endlich tot?“</p>



<p>„Oh nein, Mami, Gott sei Dank nicht. Du hattest einen Unfall und warst acht Wochen im Koma.“ Pina brach weinend auf ihrer geliebten Mutter zusammen.</p>



<p>„Es tut mir so leid, Mami, dass wir im Streit auseinander gegangen sind. Das passiert niemals wieder.“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/achtsam/">Achtsam</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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