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	<title>Spannendes Archive - Stephan Heider</title>
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		<title>Die verbotene Frau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 10:33:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Knapp zwei Jahrzehnte hatte er die Gier im Griff. Mittlerweile konnte er sich einen glücklich verheirateten Musik-Professor nennen mit makelloser</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/die-verbotene-frau/">Die verbotene Frau</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<p>Knapp zwei Jahrzehnte hatte er die Gier im Griff. Mittlerweile konnte er sich einen glücklich verheirateten Musik-Professor nennen mit makelloser Karriere. Vom Straßenkünstler zum Orchesterleiter. Sein Studium hatte Simon sich zusammengetingelt und es in jungen Jahren dabei auch ordentlich krachen lassen. Die Jazz-Abende, die er damals in diversen Bars mühelos improvisiert hatte, waren ein Geheimtipp zu ihrer Zeit. Das Talent war Simon in die Wiege gelegt, die Brutalität wahrscheinlich auch. </p>



<p>Sein Vater war ein strenger Klavierlehrer und jähzorniger Ehemann. Man sagte ihm gewisse Dinge nach, die sich in den Privatstunden, vorzugsweise mit jungen Mädchen abgespielt haben sollen. Er war eines Nachts auf dem Heimweg aus der Weinschänke kopfüber in den Bach gefallen und elend ersoffen, obwohl bei Flachwasser nur wenige Zentimeter das Bachbett füllten. Eine Untersuchung des Vorfalls war vom Polizeichef und vom Staatsanwalt nicht angeordnet worden, da es sich um einen Unfall handelte, wie sie der Presse bekannt gaben. </p>



<p>Die Töchter der beiden Männer mussten jedoch nach seinem tragischen Tod nach einem neuen Klavierlehrer Ausschau halten.</p>



<p>Simon sah Charlotte zum ersten Mal, als er beim Vorspielen der Neu-Talente zufällig durch den Proberaum schlenderte. Sofort lief ihm ein Schauer über den Rücken. Normalerweise tauchten hier überwiegend Langweiler auf, doch diese junge Wilde erregte mehr als seine Aufmerksamkeit. Er blieb stehen und schob seine Lesebrille auf die Stirn. Die Bügel drückten dabei die wilden angegrauten Locken aus dem gebräunten Gesicht des Mittvierzigers. Simon hatte nichts von seinem attraktiven Charme eingebüßt, ganz im Gegenteil. </p>



<p>Charlotte hatte die Augen geschlossen und saß breitbeinig auf dem Hocker gegenüber dem Komitee. Den Rock des feingeblümten Sommerkleidchens hatte sie über ihre Knie hochgeschoben, damit sie das Cello ganz nah an sich heranziehen konnte. Sie hexte sinnlich Bachs Cello Suite No. 1 über den Bogen auf die Saiten und warf dabei wild ihre blonden Locken von rechts nach links. Simon merkte sofort, dass Charlotte, wie er selbst, über ein absolutes Gehör verfügte. Er stellte sich vor, wie Charlotte schwitzend unter ihm den Kopf hin und her warf, während er sie hart rannahm. Die Gier nach Macht war zurück. Sie mit einer Musik zu bespielen, die sie vielleicht nicht mochte. Strebend nach seiner persönlichen Perfektion ein sperriges Instrument zu bändigen, obwohl es nicht gestimmt war. </p>



<p>Er schüttelte sich kurz aus seinem Tagtraum und zwang sich, an neutrale Szenarien zu denken, so wie er es in der Therapie gelernt hatte. Vor zwanzig Jahren war er einmal zu weit gegangen und hatte ein Mädchen, das nur mit ihm reden wollte, mit K.O.-Tropfen gefügig gemacht. Das war der Wendepunkt in seinem Leben. Er war doch keine Bestie. Elke hatte er nie weh getan. Seine Frau hielt ihn für einen fürsorglichen Ehemann, der keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. So war er ja heute auch, Simon beherrschte seine Fantasien. </p>



<p>Charlotte war vielleicht gerade siebzehn und eine Naturgewalt, die Simon unbedingt kennenlernen musste. Der Orchesterchef wies den Komitee-Leiter an, sie nach der Probe in sein Büro zu schicken. Nach der Vorspielprobe wackelte Charlotte lasziv an Simons Bürofenster vorbei und er bemerkte, dass sie noch nicht einmal ihr eigenes Cello dabeihatte. Sie spielte die anspruchsvolle Nummer und gewann das Vorspielen haushoch und ganz beiläufig, als wäre es eine Runde Squash mit einem x-beliebigen Leihschläger. </p>



<p>Das Tier in ihm regte sich und wurde fast rasend, als sie seine Türklinke ausließ und gelangweilt aus der Akademie stolzierte, als hätte sie beim Shopping nichts Passendes gefunden. Nach einem kurzen Moment der totalen Verwirrung hechtete Simon Charlotte hinterher ins Altstadtgetümmel, getrieben von lang verdrängten Begehrlichkeiten.</p>



<p>Er sah sie ins Café Babette huschen, vor dessen Tür er noch einige Bahnen auf und ab zog. Wie ein Tiger, der auf der Fährte einer unwiderstehlichen Beute kurz haderte, weil er sich in Gefahr begeben musste, um sie zu reißen. </p>



<p>Dass er in dieses Café eintreten würde, war schon entschieden, als er zur Welt kam.</p>



<p>Charlotte hatte es sich an der Theke gemütlich gemacht und wertete ihre Dunhill mit einem doppelten Espresso auf. </p>



<p>„Junge Dame, entschuldigen Sie. Mein Name ist Simon Kalbusch. Ich leite die Musikakademie, in der Sie gerade so furios vorgespielt haben.“ </p>



<p>„Professor Kalbusch, Sie müssen sich doch nicht vorstellen, jeder ambitionierte Musiker der Stadt kennt Sie. Ich heiße Charlotte Berger.“ </p>



<p>Simon sah auf die Uhr. „Einen Gin Tonic, bitte“, rief er dem Barkeeper zu. „Mögen Sie auch einen, Charlotte?“</p>



<p>„Warum nicht?“, antwortete sie und hielt dem Barkeeper das Victory-Zeichen hin. Dieser nickte und zog ein zweites Glas aus dem Regal.</p>



<p>„Wieso habe ich noch nichts von Ihnen gehört, Charlotte?“, fragte Simon. „So ein Naturtalent wie Sie läuft nicht lange unentdeckt herum in einer Stadt, in der es eine Musikfakultät und ein bekanntes Orchester gibt.“ </p>



<p>„Ich habe viele Talente“, antwortete Charlotte süffisant und sah Simon tief in die Augen.</p>



<p>Spätestens jetzt war der Tiger vom Jäger zur Beute geworden. Er wusste es nur noch nicht.</p>



<p>Als Simon aufwachte, konnte er sich nicht bewegen und seine Augen waren verbunden. Sein Kopf dröhnte und schmerzte, wie nach einem Heavy Metal Konzert. Seine Erinnerung teilte ihm mit, dass es einige Drinks gab, bevor Charlotte ihn mit zu sich in ihr Apartment genommen hatte. Gleich hinter der Wohnungstür wich sie seiner stürmischen Zunge aus und er ohrfeigte sie so heftig, dass ihr Kopf zur Seite schnappte. Er warf sie aufs Bett und war so geil, wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Mit mahlenden Kieferknochen starrte er bebend auf das wehrlose Mädchen.</p>



<p>Dann fuhr ein Blitz in seinen Kopf und es wurde dunkel.</p>



<p>Jetzt wurde ihm die Augenbinde abgenommen, der Knebel im Mund verblieb an Ort und Stelle, was auch notwendig war, damit er bei dem Anblick nicht alles zusammenschrie. Simon sah auf seine Hände und riss schockiert die Augen auf. Panik hangelte mit eisernen Griffen seine Luftröhre hoch und Tränen erschwerten die Sicht, denn im Halbdunkel vor sich steckten seine Finger im Schnittschwert einer elektrischen Heckenschere. Jeder einzelne fein säuberlich sortiert in einem Zwischenraum der zwei gezahnte Schneidbalken, die mit hoher Geschwindigkeit übereinander gleiten. </p>



<p>Wenn man sie denn einschaltet.</p>



<p>Diese Heckenschere war vorbereitet, die Zweihandbedienung mit Kabelbindern überbrückt. Einzig und allein der Netzstecker fehlte noch und lag vor Simon auf dem Tisch. Ihm gegenüber saß Charlotte mit ihrer blauroten Wange, die sie ihm verdankte.</p>



<p>„Simon, du hast doch gewusst, dass dein kleines Geheimnis dich eines Tages einholt.“ Charlotte steckte sich den Mittelfinger bis zum Ring, den sie trug in den Mund. Sie verharrte einige Sekunden, ohne ihren zornigen Blick von ihm abzuwenden. Dann zog sie ihn langsam durch ihre vollen Lippen wieder heraus. Simon begriff, dass seine Vergangenheit zurück war. Aus dem Dunkeln des Raumes trat eine Frau hinter den Rücken von Charlotte. Simon erkannte sie sofort, es war die hübsche Frau, die er vor zwanzig Jahren unter Drogen gesetzt und vergewaltigt hatte. An dem Abend, als sie ihn um ein Gespräch bat. Die Frau, an die Charlotte ihn in seiner tiefsten abgründigen Seele unweigerlich erinnert hatte.</p>



<p>„Sag Hallo zu meiner Mama, sie hat dir vorhin den Elektroschocker in den Nacken gedrückt, als du mich gefügig schlagen wolltest. Das wirst du ihr doch nicht übelnehmen, du Schwein, oder?“ </p>



<p>Simon schüttelte hektisch den Kopf, er wusste, dass er hier gerade gar nichts zu melden hatte.</p>



<p>„Simon, weißt du, worüber ich damals mit dir sprechen wollte?“, fragte die Frau, die kaum vierzig war und Charlottes Mutter sein sollte. Simon schüttelte hektisch den Kopf, er wusste es nicht.</p>



<p>„Dann kläre ich dich mal auf, mein Freund“, Simon wusste nicht, ob er mehr Angst vor Charlotte oder ihrer Mutter haben sollte. Er schielte immer wieder auf seine Finger in der Heckenschere. Die zehn Finger, die als Pianist das Wertvollste waren, was er im Leben hatte.</p>



<p>„Ich bin das ungewollte Kind einer Staatsanwaltstochter und eines gewissen Klavierlehrers.</p>



<p>“Simon konnte die Schauer nicht zählen, die seinen Körper schüttelten, als sie diese Worte aussprach. Das unfassbare, markerschütternde Beil der Gerechtigkeit traf ihn mitten in seine geteilte Seele. Geteilt durch Vergangenheit und Gegenwart. Alles holte ihn wieder ein. Sein Vater, den er hasste, weil er ihm dieses Verlangen vererbte. Sein Kampf dagegen, der ihn zu einer Art trockenen Alkoholiker der Lust machte.</p>



<p>Er hatte vor zwanzig Jahren seine eigene Halbschwester vergewaltigt, die ihn aufsuchte, um mit ihm zu reden. Simon erstickte fast an der Erkenntnis und an dem Knebel in seinem Mund.</p>



<p>„Du glaubst also, dass du verstanden hast, worum es hier geht?“, Charlotte ergriff wieder das Wort. </p>



<p>Simon nickte. </p>



<p>„Du hältst mich für deine Tochter, das Kind, das du mit deiner Schwester gezeugt hast?“, Charlotte war so erregt, dass sie spucken musste. Simon nickte schluchzend.</p>



<p>„DU HAST JA KEINE AHNUNG!“, schrie Charlotte ihn in Tränen aufgelöst an.</p>



<p>„Ich bin sechzehn und habe einen echten Vater, aber ich stelle dir gern meine ältere Schwester vor.“ Charlottes Mutter fuhr ihre Schwester in den Raum. Im Rollstuhl, unfähig zu gehen und gezeichnet von schweren körperlichen Behinderungen.</p>



<p> „Babette, das da ist dein toller Vater“, sagte Charlotte in einem zutiefst verächtlichen Ton. Sie gab den Stecker und die Steckdose am Verlängerungskabel in Babettes Hände. </p>



<p>„Weißt du, Simon, was Babette kann? Sie kann die Hände zusammenführen, wie beim bekannten Klatschen vom Musikunterricht Dreijähriger und sie hat einen brillanten Geist. Simon war auf dem Weg den Verstand zu verlieren. Seine Augenbinde wurde wieder angelegt. </p>



<p>Babette sagte leise zwei Worte: „Danke Vater!“, dann schob sie die Stecker zusammen. Während sie Simon zurückließen, nässte dieser sich auf der Stelle ein und schrie hinter seinem Knebel gegen die rasselnde Heckenschere an. </p>



<p>Als Simon gefunden wurde, spielte eine Tonaufzeichnung aus einem Lautsprecher in Endlosschleife Geräusche von knirschendem Fleisch und Knochen in einer Heckenschere. Der Musik-Professor hatte sein absolutes Gehör und den Kontakt zur Realwelt verloren. Simon konnte seine Karriere nicht fortsetzen, obwohl er alle Finger behalten hatte. </p>



<p>Das Kabel, das Babette eingesteckt hatte, gehörte nicht zu der Heckenschere, sondern zum Tonwiedergabegerät. </p>



<p>Das Zittern seiner Hände hörte einfach nie wieder auf. Auch seine Frau Elke sah er nie wieder, nachdem sie das Video sah, indem ihr liebevoller Ehemann Simon Charlotte aufs Bett prügelte, bevor ihn der Elektroschocker stoppte.</p>



<p></p>
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		<title>El Padre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 Aug 2025 10:23:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>1. Franco Er saß in seinem Wagen und hatte die Coke geleert, die Elisa ihm vorhin mit zorniger Miene in</p>
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<h2 class="wp-block-heading">1. Franco</h2>



<p>Er saß in seinem Wagen und hatte die Coke geleert, die Elisa ihm vorhin mit zorniger Miene in der gleichen Papiertüte, wie die Tacos, über den staubigen Parkplatz gebracht hatte. Ein kleiner wütender Smiley, nebst den Buchstaben „fck.u.“, zierte die weiße Tüte, die sie wortlos und ohne ihn anzusehen durch das Seitenfenster reichte.</p>



<p>Höchstwahrscheinlich hatte sie ihm in die Tacos gespuckt, so angepisst, wie sie aussah. Es war ihm egal, Elisa war Familie. Was konnte er dafür, dass sie sich immer wieder mit diesem trotteligen Lackaffen Scott traf, dessen Drecksfinger nichts an ihr und schon gar nichts in ihr zu suchen hatten. Und damit er das endlich auch kapierte, hatte Franco es ihm gestern Abend in seinen verdammten Schädel geprügelt: Lass. Deine. Wichsgriffel. Von. Meiner. Cousine. Verstanden?</p>



<p>Onkel Carlos erwartete von Franco, dass er auf seine Tochter Elisa aufpasste. Und was Onkel Carlos wollte, war hier in der Gegend Gesetz. Die Papiertüte mit allem Verpackungsmüll des Diners flog im hohen Bogen aus Francos Karre, wurde von den staubigen heißen Böen und Windteufeln sofort zerlegt und in alle Himmelsrichtungen dieser verfluchten Wüste verteilt.</p>



<p>Das hier war kein schöner Ort an der „Interstate 25“, zehn Meilen vor Alamogordo, und der schäbige Diner zwischen Agaven, Yuccas, Klapperschlangen und Präriehunden erschien ihm als der Vorhof zur Hölle.</p>



<p>Franco hatte nicht viel übrig für diese Welt. Er hielt sie für eine miese Schlampe, die sich einen Spaß daraus machte, ihre Menschen schlecht zu behandeln. Es vergnüglich fand, sie unter Bergrutschen zu begraben oder von Tsunamis überrollen, Tornados erschlagen, in Massen verhungern oder einem angeblichen Schicksal heimsuchen zu lassen – wie zum Beispiel dem seiner Mutter, die vor den Augen eines Zehnjährigen langsam an Krebs verreckte. Diese Welt hatte Franco Zeit seines Lebens im Stich gelassen. Warum sollte er in Gottes Namen auch nur irgendetwas Gutes für diesen Planeten übrig haben? Sie konnte ruhig seinen Müll fressen. Außerdem gab es seit ein paar Tagen noch diesen süßen zweiten Grund, den Müll mit einem Lächeln aus dem Fenster zu werfen.</p>



<p>Franco glaubte nicht an das üblicherweise anerkannte Wenn/Dann-Denken. Nichts hatte scheinbar Konsequenzen. Kausalitätsüberlegungen waren für regeltreue Dummköpfe. Man musste nur die Augen aufmachen und die Realitäten dieser ungerechten Erdkugel erkennen: Je rücksichtsloser man auf ihr agierte, desto besser kam man mit ihr klar. Onkel Carlos war doch das beste Beispiel.</p>



<p>Hier herumzustehen und ein Auge auf Elisa zu haben, war eine Pflicht, die er Franco abverlangte. Er hatte ihn nach dem Tod seiner Mutter großgezogen und bezahlte auch den Schlitten, den Franco fuhr. Aufpassen, das tat er immer nachmittags, wenn Elisa die Spätschicht im Diner hatte. Sie musste genauso in einem einfachen Job arbeiten wie er selbst auch, morgens im Pflegeheim.</p>



<p>Franco betreute dort behinderte Menschen und ehrlicherweise tat er das sogar gern. Er sah einen Sinn darin, hilflose Menschen zu waschen, anzuziehen und zu füttern, mit ihnen zu kommunizieren und auf sie einzugehen. Menschen, die ebenfalls von der Welt um ihr Glück beschissen wurden. So wie er. Am meisten mochte er Carla. Sie war die Essenz eines guten Menschen. Vereinte Dinge wie Unbekümmertheit, Vertrauen, Unschuld, Ehrlichkeit, Zuneigung, Schweigsamkeit in sich. Wie Aquamarine strahlten ihre Augen Carlos an und obwohl sie etwas zu eng standen und sich ihre Blickachsen einen Hauch nach innen neigten, liebte Franco es, in den Inbegriff der Verletzlichkeit hinein zu sehen. Einzutauchen in eine Welt ohne Neid, ohne Häme, ohne Angst. Genau das strahlten ihre Augen aus, obwohl Carla derartig von dieser Welt verarscht wurde.</p>



<p>In diesem Moment wurde Franco aus seinen Gedanken gerissen, denn Elisa trommelte auf seine Haube. »Du dummes Arschloch, warum hast du Scott verprügelt?« Sie hatte wohl gerade Feierabend und war richtig geladen.</p>



<p>Zeitgleich klopfte es am Seitenfenster, in dem ein staubiger, abgeschrappter Coke-Becher auftauchte – in der Hand einer ernst blickenden, blauäugigen Polizistin der Highway Patrol. Im linken Rückspiegel nahm Franco die Staubwolke hinter dem bordeauxroten Cadillac von Onkel Carlos wahr, der gerade auf den Parkplatz des Diners abbog, um Elisa abzuholen, wie jeden Abend.</p>



<p>Von vorne, in Elisas Rücken, setzte sich eine dunkle S-Klasse mit getönten Scheiben in Bewegung, die Franco hier draußen noch nie gesehen hatte. Langsam und unheilvoll.</p>



<p>»Elisa … Elisa«, rief eine Stimme von rechts. Wo in Gottes Namen kam ausgerechnet jetzt dieser bescheuerte Scott mit seinem geschwollenen Gesicht her? Francos Alarmglocken klingelten so schrill wie Elisas Stimme, die sich vor Zorn überschlug. Sein Blick schweifte wie in Zeitlupe von der hübschen Polizistin im linken Seitenfenster über den Rückspiegel mit Onkel Carlos’ Cadillac zu der ausrastenden Elisa vor seiner Motorhaube, dem rechts vorne herannahenden Benz bis hin zu Scott, der im Rahmen des rechten Seitenfensters heran stürzte.</p>



<p>Wenige Sekunden später ging es auf dem Parkplatz des Highway-Diners „El Pinto“ in New Mexicos Ausläufern der Chihuahua-Wüste wie aus heiterem Himmel drunter und drüber! Und um Leben und Tod!</p>



<p>&#8212;</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Carlos</h2>



<p>»Was soll das, Julio? Du bist mein bester Freund, aber wie ich meine Kinder erziehe, geht dich nichts an!« Carlos nippte an einem Drink und sah seinen Sandkastenkumpel und Vertrauten Julio sehr ernst an.</p>



<p>»Franco ist nicht dein Kind«, erwiderte Julio, in dem Wissen, dass er seinen Boss nicht daran erinnern musste. »Er ist der Sohn meiner toten Schwester und somit unter meiner Verantwortung.«</p>



<p>»Ach, Carlos, die Kinder sind längst über zwanzig, und ich habe sie auch mit großgezogen. Warum lässt du sie in so miesen Jobs arbeiten, anstatt sie in der Firma einzusetzen? Du könntest beide sehr gut gebrauchen.«</p>



<p>»Weil sie Latino-Kinder sind. Sie müssen lernen, sich in dieser feindlichen Gesellschaft durchzuboxen und auf eigenen Beinen zu stehen.«</p>



<p>Carlos stürzte den Rest des Drinks runter. »Wer weiß, wie viel Zeit ich mit ihnen habe und wie lange diese ehrenwerte Firma existiert.«</p>



<p>Julio dachte an Anita. Als Carlos’ Frau noch lebte, war alles einfacher. Anita … wie sehr er sie geliebt hatte. Die Frau, die alles im Gleichgewicht hielt. Sollte Carlos jemals von ihrem Seitensprung vor zweiundzwanzig Jahren erfahren, wäre Julio ein toter Mann. Jede Freundschaft hatte ihre Grenzen. Und manche Dinge verjährten nicht. Carlos durfte nie erfahren, dass Elisa nicht von ihm ist. Anita nahm das Geheimnis mit ins Grab und Julio plante dasselbe. Obwohl es ihm das Herz zerriss, wenn er seine Tochter ansah. Er konnte ihr nicht mitteilen, dass er ihr richtiger Vater war, aber er würde niemals zulassen, dass ihr etwas passiert.</p>



<p>Aber Franco war für den Job gewiss nicht geeignet. Er war nur ein halbstarker Idiot. Carlos verdrängte, dass es ganz anderer Fähigkeiten bedurfte, um jemanden effektiv zu beschützen. Julio kannte Männer mit solchen Fähigkeiten.</p>



<p>»Hol den Wagen, Julio. Elisa hat in zwanzig Minuten Feierabend.« Einige Minuten später waren sie auf der Interstate unterwegs, um zum El Pinto zu fahren und Elisa von ihrer Spätschicht abzuholen.</p>



<p>»Wirst du dich jemals von der alten Karre trennen, Carlos?«, scherzte Julio am Lenkrad und sah Carlos im Rückspiegel lachend an.</p>



<p>»Nein.« Dazu hingen viel zu viele Erinnerungen an dem alten Caddy. Carlos strich zärtlich mit der Hand über Anitas leeren Platz neben ihm auf der Rückbank, die mit weichem roten Leder bezogen war. So brüchig, wie Carlos Seele seit Anitas Verlust.</p>



<p>Er war ein mieser Ehemann. Hatte Anita häufig betrogen. Jetzt, wo sie nicht mehr da war, würde Carlos die Zeit gerne zurückdrehen und die Dinge anders machen. Jedoch war es zu spät.</p>



<p>Sie bogen auf den Parkplatz des El Pinto ein, und Julio sah sofort den Streifenwagen, der schräg hinter Franco stand, und die Polizistin an seinem Seitenfenster.</p>



<p>»Es gibt Ärger, Carlos. Die Bullen sind bei Franco!«</p>



<p>»Fahr langsam auf die andere Seite. Ganz ruhig!«, entgegnete Carlos. Dann schrie er panisch: »Oh mein Gott … Julio … irgendjemand schießt!«</p>



<p>&#8212;</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Elisa</h2>



<p>Sie wusste, seit ihrem achten Lebensjahr, dass Julio ihr richtiger Vater war. Mindestens ein Dutzend Mal hatte ihre Mutter es nicht verneint, wenn sie nachfragte. Niemand kann das Gespür eines heranwachsenden Mädchens täuschen, und je älter Elisa wurde, desto stärker spürte sie, wie ähnlich sie Julio wurde. Erwachsene ließen sich leicht täuschen, sie glaubten nur, was sie glauben wollten. Aber Kinder doch nicht.</p>



<p>Sie spielte die Nummer mit. Carlos war ein jähzorniger Hund, dessen Ehre über allem stand. Deswegen mochte er Scott auch nicht. Scott war weiß, und man blieb besser unter sich in Carlos’ Denkschule. Frauen hatten ihre zugeteilte Rolle auszufüllen.</p>



<p>»Hör zu, Elisa. In Zukunft wird Franco vor dem Diner sein und auf dich achtgeben. Bringe ihm dafür täglich eine warme Mahlzeit raus, verstanden?«</p>



<p>»Natürlich, Daddy, mache ich.«</p>



<p>Am Arsch. Sie hasste es, permanent unter Kontrolle zu sein. Carlos suchte den Job aus, in dem ihr gierige Trucker, die sich Tage lang nicht gewaschen hatten, permanent auf den Hintern glotzten, während sie nach Kaffee und Rühreiern blökten.</p>



<p>Elisa würde ausbrechen, und den passenden Partner hatte sie mit Scott bereits gefunden. Beide träumten von einem gemeinsamen Leben, weit entfernt von Carlos. Seit Mutter starb, hielt sie nichts mehr in New Mexico. Ein Haus voller Kinder, vielleicht in Kalifornien – das war es, was Elisa sich wünschte.</p>



<p>Und nachdem Franco gestern Abend Scott vermöbelt hatte, würde sie heute die Bombe platzen lassen. Kurz dachte sie darüber nach, mittags in Francos Tacos zu spucken, aber so mies war sie nicht.</p>



<p>Jetzt, da sie Feierabend hatte, rannte sie aus dem Diner zu Francos Karre und stellte ihn zur Rede. »Warum hast du Scott verprügelt, du dummes Arschloch?«, schrie sie heiser und boxte mit beiden Fäusten auf die Haube des schwarzen Mustang.</p>



<p>»Hohoho, ganz ruhig, junge Dame.« Elisa hatte die junge Polizistin, die mit einem alten Coke-Becher an Francos Seitenscheibe stand, in ihrer Wut gar nicht bemerkt. Wieso griff sie hektisch nach ihrer Waffe? Dann schlug ihr jemand von hinten mit einem Knüppel auf den Oberschenkel, und sie sackte langsam auf der Haube zusammen.</p>



<p>&#8212;</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Eva</h2>



<p>Eva saß neben ihrer Schwester, die beharrlich schwieg und freundlich lächelte. Es brach ihr das Herz, dass sie nicht mit ihr reden konnte. Carla, drei Jahre älter als Eva, konnte ihr nie die große Schwester sein, die Eva sich oftmals gewünscht hatte. Die sie als Kind tröstete, wenn sie sich die Knie aufgeschlagen hatte. Die die Jungs ihrer Klasse, die sie hänselten, verprügelte. Die ihr Tipps gab, als sie in die Pubertät kam.</p>



<p>Gott sei Dank gab es seit kurzem diesen besonderen Jungen, der sich hier mit einer Naturgabe, wie Eva sie noch bei niemandem gesehen hatte, um die behinderten Menschen kümmerte.</p>



<p>Dass Franco im Wohnheim morgens seinen Dienst verrichtete, beruhigte sie sehr, und so konnte sie sorgenfrei ihre Arbeit bei der Verkehrspolizei tun, für ein kleines Gehalt, das kaum reichte, um Carlas Platz in der Einrichtung zu finanzieren.</p>



<p>Der Mustang stand am Abend an der gleichen Stelle wie immer, und Eva lenkte ihren Streifenwagen lautlos in seinen toten Winkel. Der Coke-Becher wurde ihr direkt vor den Fuß geweht, nachdem sie leise die Tür geöffnet und ihren linken Stiefel auf den sandigen Wüstenboden gesetzt hatte. Sie stieg aus und griff nach dem Becher. Als sie sich an Franco anschlich, kribbelte es in ihrem Bauch.</p>



<p>Täglich wiederholten sie das kleine Rollenspiel der Umwelterziehung, um heftig miteinander zu flirten. »Guten Abend, Führerschein und Zulassung bitte! Wenn Sie hier Ihren Müll in die Natur werfen, bin ich gezwungen, Sie zu verhaften.«</p>



<p>Sie mochte Franco sehr und konnte sich durchaus mehr mit ihm vorstellen. Er war jemand, der sein eigenes Verhalten nicht von dem Verhalten anderer abhängig machte. Er mochte Menschen, nur nicht die Welt an sich. Seine negative Einstellung der Welt gegenüber würde sie ihm schon abgewöhnen – wenn er endlich einmal im Leben Glück erfuhr. Vielleicht könnte sie irgendwann sein Glück werden.</p>



<p>Diese Furie kam mitten über den Parkplatz gerannt und boxte auf die Haube des Mustangs. »Wieso hast du Scott verprügelt, du dummes Arschloch«, blaffte die junge schwarzgelockte Frau durch die Windschutzscheibe.</p>



<p>»Hohoho, ganz ruhig, junge Dame«, erwiderte Eva in dem Moment, als sie gerade gegen die Seitenscheibe geklopft hatte. Hinter der wildgewordenen Latina, die stinksauer zu sein schien, nahm Eva den rollenden Daimler wahr, dessen dunkle Beifahrerscheibe sich gerade herabsenkte und den Blick in den Lauf einer Maschinenpistole freigab. Sie griff an ihr Holster, um die Dienstwaffe zu ziehen, aber Eva hatte keine Chance.</p>



<p>&#8212;</p>



<h2 class="wp-block-heading">5. Pablo</h2>



<p>Pablo ging davon aus, dass die Anzahl an Halbgeschwistern in New Mexico hoch war, aber scheinbar war er der einzige, der sich etwas geschworen hatte: den Schwur, seinen Vater zur Hölle zu schicken, sobald er die Gelegenheit dazu bekäme. Pablo beschloss, Carlos zu töten, als er neun Jahre alt war. Carlos hatte das Leben seiner Mutter und damit auch seines ruiniert. Warum sonst hatte seine Mutter sich wohl zu Grunde gesoffen und war vor seinen Kinderaugen in wenigen Wochen vergilbt und schließlich innerlich aufgeplatzt? Als er sie nach der Schule fand, lag sie da. Ausgelaufen aus ihren Körperöffnungen, wie eine Packung Kirschsaft. Der Moment, als Pablo sich schwor, Rache zu nehmen. An dem Mann, der alle seine Affären fallen ließ, wie heiße Kartoffeln, und sich nie wieder darum scherte, was er angerichtet hatte.</p>



<p>Heute war es soweit. Der siebzehnjährige Pablo wartete darauf, dass Carlos auf den Parkplatz des El Pinto fuhr, rollte langsam in der Fahrstufe D mit der geklauten S-Klasse aus seinem Versteck hervor und ballerte mit der Ingram M11 in Richtung des bordeauxroten Cadillac, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, was und wer sich in seiner Schussbahn aufhielt.</p>



<p>Das kleine Ding schlug um sich wie der besessene Belzebub, aber angesichts der Quantität des Auswurfes war Treffsicherheit hier nur zweitrangig. Pablo schaffte drei oder vier Salven, bevor sein Kopf wie von einer Zange gegriffen, rausgezerrt und über der Fensterunterkante der Fahrertür so heftig verbogen wurde, bis es laut knackte. </p>



<p>Stille.</p>



<p>&#8212;</p>



<h2 class="wp-block-heading">6. Scott</h2>



<p>Schluss mit der Geheimniskrämerei.</p>



<p>Elisa musste endlich wissen, dass Julio ihn vor sechs Monaten angeheuert hatte, um auf sie aufzupassen. Noch einmal würde er sich von der Niete Franco nicht verprügeln lassen, obwohl er ihn mit zwei Griffen leicht hätte töten können – Fähigkeiten, die er beim Militär unter Sergeant Julio Gomez gelernt hatte, noch bevor er in den ärztlichen Dienst wechselte.</p>



<p>Natürlich nahm er nur ein paar Scheintreffer von Francos langsamen Fäusten hin, damit dieser zufrieden war. Peinlich war es trotzdem. Seine Liebe zu Elisa war echt, und er wusste, dass sie heute etwas Dummes anstellen würde. Sie war außer sich vor Wut auf Franco und Carlos.</p>



<p>Scott erreichte den Parkplatz des El Pinto spät und sah Elisa bereits wutschnaubend zu Francos Mustang stürmen, noch bevor er selbst geparkt hatte. Mit blockierenden Reifen kam er zum Stehen, hechtete hinter seiner Freundin her, rief zweimal ihren Namen. Der schwarze Benz rollte zwischen ihn und Elisa.</p>



<p>Seine militärischen Kenntnisse aus der Spezialeinheit halfen ihm, die Situation blitzschnell zu erfassen. Fast zeitgleich nahm er den roten Cadillac und die Polizistin wahr, als die Maschinenpistole losging.</p>



<p>Das erste Projektil traf Elisa von hinten am Oberschenkel, die nachfolgende Salve überrollte die Polizistin. Ihr kleiner Körper wurde meterweit nach hinten geschleudert und blieb schlaff liegen. Elisa rutschte langsam an der Motorhaube des Mustangs zu Boden. »Verdammt, das Baby!« Sie begriff kaum, was ihr geschah. Ihr Blick ruhte auf dem Cadillac ihres Vaters, der im nächsten Moment ebenfalls getroffen wurde. Franco starrte mit großen Augen und offenem Mund auf den vorbeirollenden Benz, wirkte aber unverletzt.</p>



<p>Eine zweite Salve peitschte in die Prärie. Scott musste zuerst den Schützen ausschalten. Er jagte im Vollsprint hinter dem Mercedes her, kam ihm von hinten links näher. Der Attentäter schoss nach rechts aus dem Seitenfenster. Scott sah die dritte Salve quer über den Cadillac pflügen. Als die vierte Salve losging, hatte er die S-Klasse erreicht.</p>



<p>Er griff durch die abgesenkte Scheibe über die Schulter des Schützen, packte Pablos Kinn mit eisernen Fingern und zog seinen Kopf nach hinten, um mit der zweiten Hand einen Zangengriff anzusetzen. Nach den physikalischen Regeln des Hebelgesetzes zogen seine neunzig Kilo nun auf der Kraftseite am Kopf des Schützen. Pablo hatte nichts entgegenzusetzen. Die vierte Salve prasselte durch das Dach des Benz in den Himmel, und noch bevor sie endete, brach Pablos Genick laut knackend.</p>



<p>Kurze Stille nach dem ohrenbetäubenden Lärm der Schüsse. Dann kamen Schreie hoch in Scotts Wahrnehmung.</p>



<p>Scott ließ los. Der Benz rollte mit dem schlackernden Kopf am Seitenfenster weiter. Irgendwann würde ein Kaktus im Weg stehen. Scott musterte die Szene: Elisas Oberschenkel pumpte rhythmisch Blut aus der Wunde. Zu viel Blut. Vielleicht zehn Minuten bis sie verblutet wäre. Sie und ihr gemeinsames Baby.</p>



<p>Die Polizistin trug eine schusssichere Weste. Sie bewegte sich nicht – ein schlechtes Zeichen. Scotts Blick glitt über Carlos Caddy. Julio hatte sich im Sitz aufgerichtet, die Kugeln für Carlos abgefangen. Nun saß er zusammengesackt hinter der geplatzten Windschutzscheibe. Er lebte noch, überleben würde er keinesfalls.</p>



<p>Ein erster Gast streckte die Nase aus dem Diner. Scott schrie ihn an:</p>



<p>»Bringt frische Tücher, Cachasa und ruft die Rettung! Drei bis fünf Schwerverletzte durch Schüsse!«</p>



<p>Franco kroch unverletzt aus seinem zerschossenen Mustang und jammerte:</p>



<p>»Eva … Eva …«</p>



<p>Der Gast aus dem Diner kam mit Tüchern und hochprozentigem Zuckerrohrschnaps.</p>



<p>Scott schrie Franco an:</p>



<p>»Hierher, Franco! Wenn du willst, dass deine Cousine und deine Freundin am Leben bleiben, dann komm gefälligst her!«</p>



<p>Franco folgte den Anweisungen, überrascht von Scotts bestimmender Art.</p>



<p>»Hand her!«, fauchte Scott und schüttete die halbe Flasche Cachasa über Francos rechte Hand. In der Ferne heulten Sirenen.</p>



<p>Scott kniete über Elisa, nahm Francos Zeigefinger und schob ihn bis zum Ansatz in die Wunde ihres Oberschenkels. Der Blutstrom ließ nach.</p>



<p>»Wenn du willst, dass sie lebt, nimmst du den Finger erst raus, wenn ein Arzt es im OP erlaubt, verstanden?«</p>



<p>Franco nickte.</p>



<p>»Was ist mit Eva?«, keuchte er.</p>



<p>»Rette meine Freundin, und ich tue alles, um deine zu retten, kapiert?« Franco nickte ein zweites Mal.</p>



<p>Scott eilte zu Eva. Sie sah übel aus. Fast eine ganze Salve hatte sie niedergemäht. Die Weste schützte ihren Torso, doch ihr Becken war zertrümmert, der Kopf hatte nur einen Streifschuss abbekommen – Gott sei Dank -ein Treffer hätte sie sofort getötet. Ihre Chancen standen trotzdem schlecht.</p>



<p>Polizei und zwei Rettungswagen trafen ein. Zwei Rettungswagen für dieses komplette Desaster. Verdammtes New Mexico. Eva wurde eingeladen, Scott blieb bei ihr.</p>



<p>»Ich bin Arzt.« Die Rettungssanitäter zweifelten nicht.</p>



<p>Der zweite Wagen nahm Elisa auf, mit ihr Franco, dessen Finger sie am Leben hielt. Die Retter bestätigten ihm, er dürfe sich nicht bewegen, bis ein Arzt etwas anderes anordnet. Für Julio kam jede Hilfe zu spät. Carlos kroch auf allen Vieren, paralysiert, über den Parkplatz. Er hatte erschütternde Dinge gesehen, die ihn aus der Balance warfen.</p>



<p>Die Fahrt nach Alamogordo erschien Franco endlos. Er redete unentwegt auf die halbbewusstlose Elisa ein, dass alles gut werde und er sie liebe. Ahnungslos, dass sie Scotts Kind in sich trug.</p>



<p>»Lass mich nicht sterben, Franco«, schluchzte sie zwischen zwei Welten.</p>



<p>Plötzlich fuhr der Rettungswagen langsamer, hielt an.</p>



<p>»Was ist los?«, schrie Franco.</p>



<p>»Wir können unmöglich schon da sein!«</p>



<p>Die Schiebetür wurde aufgerissen. Scott stand halb im Wagen.</p>



<p>»Verdammte Scheiße, unsere Karre ist heiß gelaufen. Das hier hing die ganze Fahrt vor unserem Kühler!«</p>



<p>Er wedelte wütend mit etwas Weißem. Franco erkannte es sofort: die Papiertüte mit Elisas Smiley und der „fck.u“-Notiz, die er achtlos aus dem Auto geworfen hatte. Sein Blut gefror.</p>



<p>Er war verantwortlich, wenn Eva sterben würde und Carla für immer allein blieb. Eva, die ihm täglich klar machte, Müll nicht in die Natur zu werfen. Eva, die fasziniert zusah, wie er sich um behinderte Menschen kümmerte. Er liebte sie – genau in diesem Moment wurde ihm das noch mehr bewusst.</p>



<p>»Ihr fahrt weiter«, bestimmte Scott.</p>



<p>»Nein, nein warte! Was ist mit Eva?« Franco blickte ihn verzweifelt an.</p>



<p>»Sie ist Polizistin und würde wollen, dass Elisa zuerst versorgt wird. Außerdem ist Elisa schwanger.«</p>



<p>Scott hatte die Triage längst vollzogen.</p>



<p>»Wie geht es ihr?«</p>



<p>»Sie kämpft, aber es sieht nicht gut aus.«</p>



<p>Scott schob die Schiebetür zu, klopfte auf das Blech als Zeichen, dass weitergefahren werden konnte. Dann stieg er in den lahmgelegten Rettungswagen und hatte keinesfalls vor, Eva kampflos aufzugeben.</p>



<p>&#8212;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Jahr später</h2>



<p>Scott lag im Bett, streichelte zärtlich über Elisas sternförmige Narbe am Oberschenkel.</p>



<p>»Schatz, wie spät ist es in Phoenix?«, fragte er beiläufig und wählte Francos Nummer.</p>



<p>»Hi Franco, hier ist Scott.«</p>



<p>»Hey, Muchacho, wie ist das Leben in Kalifornien als berühmtester Unfallarzt der Vereinigten Staaten?«</p>



<p>Franco lachte, konnte Scotts errötendes Gesicht vor sich sehen.</p>



<p>»Wirklich gut. Das Krankenhaus ist toll, Elisa hat ein Wirtschafts-Studium begonnen, das überwiegend online läuft. So kann sie sich gleichzeitig um Klein-Julio kümmern – er macht sich großartig. Aber ich rufe eigentlich wegen meiner Lieblingspatientin an. Wie geht es Eva?«</p>



<p>Gerade in dem Moment kam Eva mühsam mit dem Rollator ins Wohnzimmer.</p>



<p>»Eva läuft fast alleine!« rief sie selbst. »Du bist auf Lautsprecher, Scott.«</p>



<p>Tränen stiegen in Scotts Augen.</p>



<p>»Danke, Scott, danke für alles. Die Ärzte sagen, ich werde wieder, auch wenn es noch eine Weile dauert.« Sie holte kurz Luft.</p>



<p>»Habt ihr etwas von Carlos gehört?«</p>



<p>Elisa sprach jetzt:</p>



<p>»Es geht ihm gut. Er versucht, einige Dinge zu regeln, die er in seinem Leben falsch gemacht hat. Er besucht nach und nach seine früheren Affären, um herauszufinden, ob es Kinder gibt, die er vernachlässigt hat. Das ist gerade das Wichtigste für ihn.</p>



<p>Auch wir haben uns versöhnt.«</p>



<p>Sie schwieg über Julio, soweit war sie noch nicht.</p>



<p>Eva und Franco lächelten sich erleichtert an.</p>



<p>»Das soll er tun. Jeder hat eine zweite Chance verdient. Wir hoffen, dass er noch etwas findet, das ihn glücklich macht.«</p>



<p>Eva schluckte kurz und sprach dann weiter.</p>



<p>»Und sag ihm bitte, wie dankbar wir sind, dass Carla mit uns nach Phoenix gehen konnte und diesen wunderschönen Platz in der Einrichtung hat, in der Franco arbeitet. Wir sind sehr glücklich.«</p>



<p>&#8212;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Epilog</h2>



<p>Julio rang um seine letzten Atemzüge in dem zerschossenen, alten bordeuxroten Cadillac, mit dem er seit zwanzig Jahren Carlos kutschierte und belog. Das Letzte, was er sah, war seine verletzte Tochter Elisa auf der Haube des Mustangs. Sie blickte ihn traurig an und formte die Worte:</p>



<p>»Love you Daddy.«</p>



<p>Er lächelte sie mit einem Blick an, der wirkte, als nähme sie ihm gerade eine schwere Last von der Seele.</p>



<p>Dann ließ er los.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/el-padre/">El Padre</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>Thrill</title>
		<link>https://stephan-heider.de/thrill/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Jun 2025 22:09:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/thrill/">Thrill</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Das Taxi verlangsamte seine Fahrt in der engen Schlucht der Altstadtgasse und kam im Laternenschein auf dem regennassen Kopfsteinpflaster zum Stehen. Tom zahlte und kniff der kichernden jungen Frau beim Aussteigen in den makellosen Po.</p>



<p>„Hey du, na warte ab“, lachte sie und lupfte für einen kleinen Moment ihr kurzes Sommerkleidchen, bevor sie begann, die Haustür aufzuschließen. Tom holte die Schöne im Hauseingang ein und nahm zärtlich ihre Schultern in seine Hände. Sie drehte sich in seinen Arm und küsste ihn lustvoll, als die Haustür aufsprang und das Paar in den Flur strauchelte. Ihre heftigen Küsse wechselten in ausgelassenes Gelächter. Sie bückte sich, um ihre unbequemen Stilettos in die Hand zu nehmen und die Linoleumtreppe hinaufzulaufen zu ihrer Wohnung im ersten Stock. </p>



<p>Der winzige Augenblick der Verwunderung über das hakelnde Schloss der Wohnungstür verflog mit seinen Worten: „Du bist so dermaßen heiß, Ann Smilla Petersen.“ Sie lachte ihn umwerfend sexy an, schob die Tür auf und huschte in die dunkle Wohnung. „Geh schon mal rein und fühl dich wie zu Hause. Ich verschwinde nur mal kurz im Bad. Nächste reeechts“, hörte Tom noch, bevor sie hinter der ersten Tür auf der linken Seite verschwand. Tom konnte sein Glück kaum fassen. Als er vor zwei Stunden allein in den Club gegangen war, hätte er keinen Cent darauf verwettet, dass er heute noch mit so einer Traumfrau in ihre Wohnung fahren und darüber hinaus noch zum Stich kommen würde. </p>



<p>Er trat in den langen dunklen Flur ein und folgte dem Lichtschein, der ihn zum nächsten Zimmer lockte. Durch den Türrahmen erspähte er den Wohnbereich mit offener Küche und einer indirekt hinterleuchteten gemütlichen Sitzgruppe. Tom schob den Kopf nach vorne, um sich besser umschauen zu können und spürte einen stechenden Blitz hinter den Augen.</p>



<p>Smilla schmiss sich ein paar Hände kaltes Wasser ins Gesicht, kam vom Waschbecken hoch und sah sich zufrieden ihr Spiegelbild an. Sie mochte ihre vollen Lippen und die grünen Augen, die geheimnisvoll hinter dem blonden Fransenpony leuchteten. Minutenlang verharrte sie, bis ihr sanftes Lächeln zu einer harten Maske geworden war. Dann ging es schnell. Das Sommerkleid glitt an ihr herab und landete per Fußtritt in der Wäscheecke. Ihre lange Mähne verwandelte sich in Windeseile in einen aufgedrehten Zopf. Dann flogen auch Slip und BH dem Kleid nach, sie wollte sich doch an dem Arschloch nicht die Klamotten ruinieren. Außerdem würde Tom wohl nicht so schnell Verdacht schöpfen, wenn sie nackt aus dem Bad käme, anstatt im Papieroverall mit Kapuze und Latexhandschuhen. </p>



<p>In Gedanken ging sie durch, ob alles an seinem Platz war. Äther, Stofflappen, Kabelbinder, Geflügelschere, Zigarrenschneider, Gummischlauch, Knebel, Panzerklebeband und natürlich der Elektrotaser, falls der Trottel völlig ausrasten würde. Sie hatte alles perfekt platziert. Dann öffnete sie den Alibert und nahm ihr Lieblingsspielzeug heraus. Das kleine klappbare Rasiermesser aus gefaltetem Damaszenerstahl blitzte unter der Spiegelschrankbeleuchtung auf. Sie klappte es zusammen und klebte es sorgsam mit einem Streifen Sporttape in ihre rechte Kniekehle. Erregt dachte sie an Toms Blut auf ihrer nackten Haut, wenn sie ihn aus der seinen schälen würde.</p>



<p>Seit sie dieser abgründigen Lust zu morden nachgab, war sie ein anderer Mensch. Unfähig, dem unbändigen Trieb zu widerstehen. Nach einem letzten Blick in den Spiegel und einem halben Dutzend kräftiger Atemzüge öffnete sie die Badezimmertür und dachte: „Ann Smilla Petersen, du mieses kleines Stück…lass uns Spaß haben.“ Ihr Nebennierenmark feuerte glühende Adrenalinsalven in den schweißglänzenden Luxuskörper der Psychokillerin.</p>



<p>Sie schlich in den dunklen Flur. Auf ihren nackten Füßen glitt sie kurz vor Erreichen des Wohnzimmers bei jedem Schritt auf irgendetwas Breiigem seitlich weg.</p>



<p>„Tom?“, rief sie vorsichtig, während ihre Augen versuchten zu erkennen, was ihr auf den dunklen Bodenfliesen das Laufen so erschwerte. Je näher sie dem Wohnzimmer kam, desto glitschiger wurde es, zumal sich der Brei zwischen den Zehen hochdrückte. Was hatte der Dummkopf hier verschüttet? Es fühlte sich ein wenig an, wie ein Joghurt mit Nusssplittern, was da unter ihren Füßen klebte. Aber dafür war die Masse deutlich zu warm. Der Joghurt stand bei sieben Grad im Kühlschrank.</p>



<p>Im Lichtschein des Wohnzimmers erkannte sie die handbreite rotschwärzliche Spur, die sich vom Türrahmen in den Raum zog. Als Smilla verstand, was hier passiert war, war es zu spät für eine geistesgegenwärtige Reaktion. Die Spur endete unter Toms Kopf, der am Boden lag und in dem hinten ein großes Loch klaffte. Die Knochen- und Hirnmasse, die dort fehlte, verteilte sich etwa zu gleichen Teilen im Flur, unter ihren Füßen und in der Schleifspur. Jemand hatte den toten Körper ins Wohnzimmer gezogen. Smilla presste sich die Hand vor den Mund und ließ ihren Blick über Toms Körper bis zu seinen Schuhen wandern. Dann sah sie ihn. Seelenruhig in der Ecke sitzend.</p>



<p>„Du bist es“, sagte Smilla leise. Sie versuchte mit den Händen ihre Nacktheit zu bedecken.</p>



<p>„Ja, &#8230; ich bin es.“</p>



<p>Der Killer roch an dem Glas Scotch, das er in seiner Handfläche zur perfekten Genusstemperatur anwärmte. Er sog gierig das Gemisch der Gerüche auf, welcher sich aus dem Schwenker in seiner Hand, Toms Gehirn auf dem Boden und Smillas Angst, die ihre Achselhöhlen ausdünsteten, zusammensetzte. Er sah sie an und entschied, dass es ihm noch nicht gut genug schmeckte.</p>



<p>Die Zunge glitt langsam über seine Lippen und er verspürte Lust auf eine Nuance mehr Panik.</p>



<p>Als Smilla den Lauf auf ihre Brust gerichtet sah und dazu den stehenden Rauch wahrnahm, den Toms schädelbrechendes Projektil in der Luft hinterlassen hatte, gesellte sich in ihrem Körper schlagartig ein Stoß Cortisol zu ihrem Schweiß. Der Killer bekam, was er wollte. Den Duft ihrer Todesangst.</p>



<p>„Warte, Warte“, flehte Smilla Petersen.</p>



<p>„Du hast genau einen Versuch, mich davon abzuhalten, dich auf der Stelle umzulegen“, zischte die Gestalt hinter der Kanone. Einige totenstille Sekunden vergingen, dann zerriss das klackende Spannen des Hahnes den Moment und kündigte Smillas Ableben an.</p>



<p>Sie setzte alles auf eine Karte.</p>



<p>&#8230; „Ich bin schwanger!&#8230;!&#8230;!“</p>



<p>Der Killer ließ sie keine Sekunde aus den Augen, er wusste, dass sie irgendwo eine Waffe an sich versteckt hatte und keine Sekunde zögern würde, diese auch einzusetzen.</p>



<p>„Einen Scheiß bist du. Wer ist die Pfeife?“ Er zeigte auf die Leiche zu seinen Füßen.</p>



<p>„Tom!“, antwortete sie. „Ich habe ihn im Metropolis abgeschleppt, wir wollten gerade ein bisschen Spaß haben, wie du siehst.“ Smilla blickte lasziv an ihrem nackten Körper herab, ohne sich zu bewegen. Sie musste sich etwas einfallen lassen, wenn sie die nächsten Minuten überleben wollte und ging ihre Optionen durch. Ihre einzige Chance war das Rasiermesser, das sich unter dem Schweiß, den sie absonderte, langsam aus ihrer Kniekehle ablöste.</p>



<p>In dem Moment schnellte die Gestalt aus dem Schaukelstuhl hoch. Smilla sprang ihm blitzschnell entgegen, direkt in den Arm, schlang ihre Beine um seine Hüfte und konnte ihn, zum einen auf den Schaukelstuhl zurückwerfen und zum anderen das Rasiermesser aus ihrer Kniekehle greifen. Die Arme und Hände der beiden Killer rangelten einige Augenblicke um die Oberhand, als Smilla den Schalldämpfer der Pistole an ihrer Schläfe spürte und zeitgleich das Rasiermesser in ihrer Hand an seiner Kehle lag. Beide verharrten in der Aktion und fanden sich Auge in Auge gegenüber, keiner in der Lage den anderen zu töten, ohne selbst dabei draufzugehen. Der Stuhl mit den Beiden darauf schaukelte langsam aus wie ein ablaufender Countdown. Die stickige Luft vibrierte förmlich, bis er endlich herauspresste: „Und jetzt?“ &#8211; „Du willst wissen, was jetzt passiert?“, flüsterte sie.</p>



<p>„Ganz genau, das will ich!“</p>



<p>Smilla spannte ihre Oberschenkel und drückte sich ganz langsam hoch, ohne die Klinge von seinem Hals zu nehmen. Mit der freien Hand griff sie unter sich und öffnete seine Hose. Geschickt griff sie hinein und ließ sich langsam auf ihn sinken. Er rollte überwältigt die Augen und warf seinen Kopf in den Nacken. Die Pistole sank mitsamt seiner Hand nach unten, als er schwer atmend sagte: „Du kleines schizophrenes Miststück.“ Wenige wilde Minuten später sprang Smilla lachend von seinem Schoß. „Lass uns die Sauerei wegräumen, Henry. Ich wohne hier.“</p>



<p>Das Telefonat am nächsten Vormittag: „Ja, was gibt&#8217;s, Chef?“ &#8211; „Am Rheinufer ist eine männliche Leiche abgelegt worden. Kopfschuss. Todeszeitpunkt wahrscheinlich gestern Abend. Der Fundort ist nicht der Tatort. Ich schicke Ihnen die Infos und den Fundort auf Ihr Handy. Ihr Fall, Frau Petersen. Klären Sie zur Abwechslung mal einen auf. Viel Erfolg!“ Der Polizeirat legte auf.</p>



<p>Ann Smilla schaltete ihr Handy auf Spiegelfunktion und zog sich den Lippenstift nach. Seit sie sich in Henry verliebt hatte und, anstatt den Serienmörder zu verhaften, selbst zu morden begann, wusste die Hauptkommissarin, dass sie krank und es nur eine Frage der Zeit war. Eine Frage der Zeit, bis die beiden enden würden, wie Bonnie und Clyde. Aber sie konnte ihm einfach nicht widerstehen. Dem unvorhersehbaren Spiel mit Henry, der sie jederzeit umlegen konnte. Diesem irrwitzigen Gefühlscocktail aus Macht, Leidenschaft und Todesangst. </p>



<p>Dem unfassbaren Thrill.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/thrill/">Thrill</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>Eine Mordsidee</title>
		<link>https://stephan-heider.de/eine-mordsidee/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 May 2025 23:04:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Lustiges]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich mag ich eine schöne Stupsnase wirklich gern. Im richtigen Gesicht, wie in dem von Brigitte Bardot kann sie sehr</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/eine-mordsidee/">Eine Mordsidee</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Eigentlich mag ich eine schöne Stupsnase wirklich gern. Im richtigen Gesicht, wie in dem von Brigitte Bardot kann sie sehr apart wirken. In meinem Gesicht mochte ich jedoch keine. Besonders nicht, wenn das putzige Ding von Smith &amp; Wesson hergestellt wurde und ein feuriges Temperament hat, das vorzugsweise schöne Grüße vom Kaliber 357 Magnum verschickt.</p>



<p>Gerade im Moment hat sich so eine in mein Gesicht verirrt. Ich starre in das Loch, dessen Ende trotz der Kürze des Laufes im Dunkeln liegt und dieses beklemmende Gefühl auslöst. Ob mein Herz vor Angst zuerst stehen bleibt oder es gleich eine Riesensauerei an der Wand hinter mir gibt, die meine Putzfrau Frieda mir nie verzeihen würde, wird sich gleich entscheiden. Als der Hahn vor Spannung klickt, überlege ich, warum ich Trottel heute Morgen diese bescheuerte Anzeige aufgegeben hatte:</p>



<p>„Ideenloser Autor sucht interessanten Killer zwecks Kooperation. Sind Sie ein psychopatischer Serienkiller oder ein gerissener Raubmörder? Kommen Sie vorbei und erzählen Sie mir Ihre Geschichte. Ich schreibe ein Buch über Sie, natürlich diskret und unter geändertem Namen. Die Erlöse aus Verkauf und Lesungen gehören zur Hälfte Ihnen.&#8220;</p>



<p>Seither hatten mir im Laufe des Tages fünf völlig durchgeknallte Profikiller, Affektmörder und zwanghafte Psychopathen haarsträubende Geschichten erzählt, die allesamt Bestsellerpotential besitzen. Ich hatte sie alle für drei Uhr nachmittags, also jetzt, wieder herbestellt, um bekannt zu geben, wessen Story ich für die erfolgversprechendste halte. Ob es sich um die adrette, neidzerfressene Hausfrau Caroline handelt, die regelmäßig erfolgreichen Berufsbläsern die Kehle aufschlitzt, nur weil ihre eigene Saxophonkarriere an ihren zwei Kindern von einem untreuen Ehemann gescheitert ist? Oder macht vielleicht Hartmut das Rennen? Der psychopathische Axtmörder kümmert sich aufgrund seiner irreversiblen Errektionsschwäche seit geraumer Zeit um arrogante Escort-Ladys. Auch Giftengel Theresa und Geldeintreiber Bernie, genannt Baller-Bernie, sind interessante Kandidaten.</p>



<p> Zumindest waren sie das, bevor dieser Kerl in Harry Callahan-Manier aus ihren Körpern rote surrealistische Kunst auf die weißen Wände des Warteraums vor meinem Büro zeichnete, indem er seine „Snubnosed“ hat hysterisch bölken lassen. Fünf Leichen mit großen Löchern darin lagen nun im Vorraum. Der Peacemaker war kompromisslos brutal, Frieda würde ausrasten. Und einen Meinungsverstärker hat Harry Callahan noch in der Trommel des Revolvers, der mich mit seinem mörderisch rauchenden Maul angähnt. „Die Geschichten“, Harry macht eine fordernde Geste mit seiner freien Hand und lugt auf meine Notizen. „Was hast du vor?“, flüstere ich. Harry muss herzhaft lachen. „Na was glaubst du wohl, du Schwachkopf“, furzt er mich an.</p>



<p>„Ich schreibe das Buch meines Lebens. Ich danke dir für die Idee. Als ich heute Vormittag deine Anzeige gesehen habe, war mir sofort klar, das ist der Plot…, DER PLOT.“ Mir bleibt die Luft weg. „Ich kenne dich doch“, stammle ich, „Deine Visage läuft doch gerade die Medien rauf und runter.“ Als ich ansetze und ihn enttarne, „Du bist doch dieser Sebastian Fi…“, donnert die Stupsnase mir die letzte Kugel zwischen die Augen und verteilt meinen Hinterkopf so großflächig im Büro, dass Frieda morgen mit Sicherheit den Putzlappen an den Nagel hängen wird.</p>



<p>Ich schrecke schweißnass hoch. War eingeschlafen über meinem Laptop. Der Cursor blinkt hinter dem Satz: „Eigentlich mag ich eine schöne Stupsnase wirklich gern.“ Der erste Satz meines Manuskripts steht dort seit vier Tagen, ohne fortgesetzt zu werden. Schreibblockade! Ich schreibe los, wie im Wahn, bevor mein haarsträubender Traum in der Vergessenheit verpufft, als es klingelt. Ich öffne die Tür, ein zwei Meter großer ungepflegter Mann steht verlegen davor. „Tach auch, ich komme wegen der Anzeige. Mein Name ist Hartmut.“</p>



<p>Hartmuts Kopf explodiert. Ausgelöst durch Friedas Smith &amp; Wesson. Ihr reicht es wohl endgültig. Ich schrecke aus dem Schlaf hoch und starre auf mein Manuskript, dessen erster Satz lautet:</p>



<p>„Eigentlich mag ich eine schöne Stupsnase wirklich gern.“ Ich versuche krampfhaft daran festzuhalten, doch der grandiose Traum, der mich aus meiner Schreibblockade führen könnte, verflüchtigt sich aus meiner Erinnerung, bevor ich ihn aufschreiben kann.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/eine-mordsidee/">Eine Mordsidee</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<item>
		<title>Kuss der Nacht</title>
		<link>https://stephan-heider.de/kuss-der-nacht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Oct 2024 10:55:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mia blickte weinend in die Tiefe. Die bunten Lichter der Stadt spiegelten sich auf dem nassen Pflaster der Straße und</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/kuss-der-nacht/">Kuss der Nacht</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Mia blickte weinend in die Tiefe. Die bunten Lichter der Stadt spiegelten sich auf dem nassen Pflaster der Straße und wurden von ihren roten Tränen in unscharfe Kreise verwaschen, die langsam seitlich aus ihrem Sichtfeld tanzten.</p>



<p>Fiel eine Träne hinab, verlor sie sich schnell im Nichts. In ein Nichts, das dem in ihrer Seele ähnelte. Mia konnte nicht fassen, was ihr vorgestern passiert war und sie gestern getan hatte. </p>



<p>Wie konnten die Dinge nur so ausser Kontrolle geraten?</p>



<p>Sie war heute Nacht hier hinauf gekommen, um die Geschichte um sie, Vincent und Marco zu beenden. Ein für alle mal.</p>



<p>Die Bilder kamen zurück. Wie Marcos Blut von ihren Händen tropfte.</p>



<p>Die Schreie kamen zurück. Seine aus Angst und ihre aus Gier. </p>



<p>Ihr Gehirn schien ihr aus dem Kopf quellen zu wollen, so groß war der Druck in ihrem Schädel. Mia presste die Fäuste gegen ihre Augenlider, um zu verhindern, dass diese verheerenden Bilder weiter in ihrer Erinnerung abliefen.</p>



<p>Vergeblich. </p>



<p>Wie scharfe Klingen schlitzten Mias Waffen letzte Nacht den Hals des jungen Mannes auf, während sie ekstatisch nach Freiheit schrie. Berauscht von Blut. Durchgeschüttelt von unkontrollierbaren Emotionen, die ihr bisher verborgen geblieben waren. </p>



<p>Mia sog die kalte Luft der Nacht ein, als die Vision abebbte.</p>



<p>Ihr Verstand drohte sich von ihr trennen zu wollen und mit jeder Welle wurde es schwieriger zurückzukehren in jene Klarheit, die es ihr erlaubte rational zu entscheiden. Vielleicht war es das letzte Mal, dass sie die Dinge aus einer brauchbaren Metaebene betrachten konnte.</p>



<p>Soeben noch überrollt von einem Tsunami aus Verzweiflung wurde ihr noch ein letztes Mal klar, was sie tun musste, um nicht wahnsinnig zu werden.&nbsp;</p>



<p>Mia trat an die Dachkante und sah in den Himmel, der zerrissen schien. </p>



<p>Genau wie sie. </p>



<p>Ohne Angst ließ sie sich vornüber kippen. Sie sprang nicht, sie ließ sich einfach nur greifen von der Anziehungskraft der Erde, der sie sich nun anvertraute. Sie würde sie ansaugen und Mia zerbrechen, so wie sie es verdient hatte.</p>



<p>Ein Gefühl des Glücks wärmte ihren Fall, der eine kleine Ewigkeit andauerte. Dann schlug sie hart auf und fühlte sich frei.&nbsp;</p>



<p>Tony hatte Mia stürzen sehen und war an die Stelle geeilt, an der ihr Körper in die Pfütze krachte und das Wasser meterhoch hatte aufspritzen lassen.</p>



<p>Der junge Mann stellte schnell fest, dass Mia keine Vitalfunktionen mehr zeigte. Keine Atmung. Kein Herzschlag.</p>



<p>„Verdammt, du dummes Mädchen!&#8220; </p>



<p>Wie er es im Erste-Hilfe-Kurs gelernt hatte, massierte er in schnellen Stößen Mias Herz. Drückte ihr verzweifelt dreißig Mal den Brustkorb tief ein, bevor er ihren Kopf überstreckte und zwei Züge Atemluft in ihre Lunge presste.</p>



<p>Wieder und wieder.</p>



<p>Mia verließ ihren Körper, als die Erinnerung an die schicksalhafte Begegnung mit Vincent noch einmal aufflammte. Kaum drei Tage war sein Kuss her. Sein Kuss aus Gewalt, der sie in kürzester Zeit zu diesem verzweifelten Wesen hatte werden lassen. Der faszinierende Typ mit der blassen Haut war so schnell wieder weg, wie er aufgetaucht war. Nur diesen Kuss hatte er Mia hinterlassen, der sie seelisch zutiefst erschüttert hatte.</p>



<p>Tony lächelte erleichtert, als Mia die Augen aufschlug. Zärtlich legte er seine Hand unter ihren Nacken und zog sie aus der schmutzigen Pfütze an sich heran.</p>



<p>„Was machst du denn, Mädchen?&#8220; </p>



<p>Mia sah ihn mit weiten Pupillen an, legte ihre Arme um Tony, um sich voller Sehnsucht und Verletzlichkeit an diesen wunderschönen Mann zu ziehen. Sich an seine starke Schulter zu kuscheln und ihren verwirrten Kopf fest an seine Wange zu schmiegen. Seinen Duft aus Adrenalin und Schweiß tief in sich aufzusaugen. </p>



<p>Tony drückte Mia an sich, fest entschlossen, sie in diesem Moment zu beschützen.&nbsp;</p>



<p>„Komm her, Mädchen, ich hab dich!&#8220;</p>



<p>Dann schnellten ihre Reißzähne in seinen Hals und zerfetzen gierig seine appetitlich klopfende Arterie.&nbsp;</p>



<p>Nachdem ihr Durst gestillt war, ließ sie seine schlaffe Leiche an sich hinabgleiten. Schon in wenigen Minuten würde er seine Augen aufschlagen und nicht begreifen, was mit ihm passiert ist.</p>



<p>Solange, bis ein unerträglicher Hunger ihn in einem mehrtägigen Prozess dazu zwingt zu verstehen, was aus ihm geworden ist.</p>



<p>Eine weitere grausame, unersättliche Kreatur der Nacht.</p>
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		<title>Fatal</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Jun 2024 08:57:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Natalies Fehler war Sekundensache. Für Anna bedeutete er Ewigkeit. Immer schon hatte Natalie ihre Jugendfreundin insgeheim beneidet. Anna gelang in</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Natalies Fehler war Sekundensache. Für Anna bedeutete er Ewigkeit.</p>



<p>Immer schon hatte Natalie ihre Jugendfreundin insgeheim beneidet. Anna gelang in ihrem Leben einfach alles eine Spur besser. Schule, Beruf, Liebe. Sie hatte das bessere Abi. Bekam den Job, auf den sich beide beworben hatten und den Mann, den beide liebten.</p>



<p>Nicht, dass es Natalie schlecht ging, aber ohne Anna wäre sie ein anderer Mensch, wenn man es nüchtern betrachtete.</p>



<p>Das einzige Mal, dass Natalie Anna nicht beneidete, war die Zeit als ihr dieser Stalker Paul nachstellte. Ein beängstigender Einzelgänger, der schon in der Schule keine Freunde hatte. Was wohl aus ihm geworden ist? Er spinste doch ständig durch Annas Fenster und plötzlich war er verschwunden. </p>



<p>Natalie wusste gar nicht warum ihr dieser fatale Fehler unterlaufen war, sie liebte ihre Freundin Anna doch. Es war im Affekt passiert, ihr Unterbewusstsein sagte kurz: &#8222;Wisch ihr doch einmal eins aus, dieser perfekten Anna. Soll sie doch einmal im Leben einen unangenehmen Umweg nehmen müssen.&#8220;</p>



<p>Nun lag sie da. Koma. Ihr Hirn war zum Platzen angeschwollen. Wegen Natalie. Sie hielt ihre Hand und flehte Gott um Vergebung an und bat ihn inständig mit Anna tauschen zu dürfen. Gott ließ sich wie gewohnt nicht blicken. Natalie blieb mit der Tragik ihres Tuns und dem Blick auf Annas schwachen Puls auf dem Überwachungsmonitor ganz allein.</p>



<p>Vor Jahren war Rüdiger der Traum aller Mädchen der damaligen Klasse und mit Natalie zusammen, bis Anna zu Beginn der Oberstufe auf ihre Schule wechselte. Paul war von Anfang an Feuer und Flamme. Aber Anna hatte nur Augen für Rüdiger, der nur auf einen Impuls wartete, um seine harmlose Liebelei mit Natalie zu beenden. </p>



<p>Eigentlich war das alles lang her, kalter Kaffee, doch als Anna vor drei Tagen auf die Toilette ging und ihr Handy ungesperrt auf dem Tisch liegen ließ, brannte Natalie ein winziger Draht durch. Einer, der wohl lange unterschwellig geglimmt hatte. Sie waren gemeinsam zum Essen und Anna erzählte soeben von dem bevorstehenden Malediven-Urlaub mit Rüdiger, den die Freundinnen eigentlich immer gemeinsam für sich geplant hatten. &#8222;Ich gehe kurz für kleine Mädchen, bestell mir doch bitte das Übliche.&#8220; Anna huschte zwischen den Tischen durch in Richtung der Sanitärräume. Selbst dabei sah sie umwerfend erhaben aus.</p>



<p>Natalie griff nach dem Handy und öffnete WhatsApp. Bei der Lupe tippte sie &#8222;Rü&#8220; ein, als auch schon Rüdiger ganz oben als Kontaktvorschlag erschien. Sie tippte auf seinen Namen und das Konversationsfeld öffnete sich. Natalie gab</p>



<p>&#8222;Ich freue mich auf dich, Paul&#8220;</p>



<p>ein und hing das pulsierende Herz an. Senden. Dann wartete sie bis sich die Empfangshaken blau färbten. Es dauerte nur wenige Sekunden. Natalie markierte die Nachricht und löschte sie wieder in der Sicherheit, dass Rüdiger sie kurz gesehen haben und annehmen musste, dass Anna sie versehentlich an ihn gesendet hatte. Natalie starrte auf</p>



<p>&#8222;Diese Nachricht wurde gelöscht&#8220;</p>



<p>und bereute ihre Dummheit noch in der Sekunde. Sie nahm sich vor sofort alles aufzuklären. Dazu kam es nicht. Als Anna zurückkehrte, war sie völlig aufgelöst. &#8222;Verdammt nochmal, Natalie, hast du bemerkt, wer am Nebentisch sitzt? Ich kann das nicht!&#8220;</p>



<p>Sie griff nach ihrer Jacke, steckte ihr Handy ein und verließ überstürzt das Restaurant, ohne auf Natalies Antwort zu warten. Natalie schaute ihr verblüfft nach, drehte sich zum Tisch hinter ihr und blickte in die starre Fratze von Paul, kaum zwei Meter entfernt. Natalie fiel die wenige Farbe aus dem Gesicht, die ihr nach ihrer fatalen WhatsApp Aktion noch geblieben war.</p>



<p>Als Annas Herz drei Tage später stehen blieb, schrie Natalie sich, von Unfassbarkeit überrollt, aus dem Bewusstsein. Das konnte doch alles gar nicht wahr sein. Was hatte sie nur getan. Sie hatte Rüdiger zum Mörder gemacht. Schuldig, Anna aus Eifersucht erschlagen zu haben.</p>



<p>Natalies Nervenzusammenbruch dauerte mehrere Tage. </p>



<p>Als sie gedankenverloren das Krankenhaus verließ und auf die Straße trat, wurde ihr Körper wuchtig aus ihren Schmerzen geschlagen. Sie war schwerelos. Flog lange verdreht durch die Luft. Ihr erlöschender Blick huschte kurz an der Windschutzscheibe vorbei, hinter der die verkniffene Fratze Pauls hart grinste. Den Aufschlag ihres schlaffen Körpers auf der Strasse erlebte Natalie nicht mehr.                In dem Moment hatte sie bereits Anna im Arm und bat sie um Vergebung.</p>



<p>Natalie schreckte schweißgebadet auf. Anna hielt ihre Hand und sagte mild: &#8222;Meine Güte, Liebes, was hast du denn geträumt? Komm, zieh dich an, wir gehen frühstücken. Wir sind doch nicht auf den Malediven, um den ganzen Tag zu verschlafen.&#8220;</p>



<p>Natalie zog Anna zitternd an sich und umarmte sie für eine kleine Ewigkeit.</p>
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		<title>Guten Rutsch, Liebling &#8211; Eine Silvestergeschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Dec 2023 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hennings Finger zitterten, als er zur Sicherheit noch einmal das Laufzeitende der Police kontrollierte. 31.12.2023...heute!</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Hennings Finger zitterten, als er zur Sicherheit noch einmal das Laufzeitende der Police kontrollierte.&nbsp;</p>



<p>31.12.2023&#8230;heute!&nbsp;</p>



<p>Er hatte also noch genau zwei Stunden Zeit, um das Biest ohne Spuren auf Fremdverschulden vom Balkon des Adlon zu stoßen. Vom Balkon dieser wundervollen Suite, in der sie bereits seit mehreren Jahren jede Silvesternacht verbrachten. </p>



<p>Sibylle präferierte es mondän. Das war nicht immer so.</p>



<p>Vor zehn Jahren hatte er Sibylles Leben auf fünfhunderttausend Euro versichert. Für eine solide Familienplanung. Damals waren sie glücklich verliebt und Geld spielte keine große Rolle. Ihr Besitz beschränkte sich auf gute Studienabschlüsse und Heißhunger auf das Leben.</p>



<p>Henning goss Wein in die großen Schwenker, während er auf Sybille, die noch duschte wartete und nachdachte.<br>Wann nur hatte er begonnen, Sibylle zu hassen? Als ihm klar wurde, dass sie ihm niemals Kinder schenken würde, obwohl sie es zu Beginn ihrer Ehe anders geplant hatten?&nbsp;</p>



<p>&#8222;Du musst ein völlig verblödeter Idiot sein, wenn du glaubst, dass ich mir meinen Körper ruiniere für ein undankbares Balg, dass zwanzig Jahre nichts als Ärger macht und Unsummen kostet.&#8220;</p>



<p>Henning leerte das Weinglas in einem Zug, seine Kieferknochen malten angespannt, als er nachgoss.</p>



<p>Oder war es der Moment, ab dem der Geruch des Geldes sie vereinnahmte, während er immer öfter den Geruch wilden Sexualschweisses, gemischt mit dem ekelhaften &#8222;Acqua di Gio&#8220; eines anderen Kerls an ihren Dessous im Wäschekorb wahrnahm.</p>



<p>Henning brauchte dringend frische Luft. Er trat durch die schweren Vorhänge auf den Balkon mit der niedrigen Brüstung, die der heutigen Bauvorschrift nicht nicht mehr entsprechen würde.&nbsp;</p>



<p>Er stellte sein Weinglas auf den breiten Sims und starrte hinab auf den Gehweg. Er stellte sich Sibylles makellosen Körper vor, aufgeplatzt auf dem kalten Pflaster da unten, durch dessen Fugen ihr Blut in den nächsten Gulli rinnen würde.<br><br>Adrenalin durchfuhr sein Rückenmark angesichts der Vorstellung.&nbsp;<br>Die zweite Welle war wesentlich stärker und überrollte Henning, als er sich umdrehte und, wie aus dem nichts, Sibylle vor ihm stand. Die Schönheit mit den eiskalten Augen hatte nur ein Handtuch um ihren Körper gewickelt, das sie von den Brüsten bis über die Hüfte bedeckte. Aus den Spitzen ihrer nassen Haare tropfte es wie in Zeitlupe auf die Hartholzplanken des Balkons.&nbsp;</p>



<p>Bevor Henning die Schrecksekunde verdaut und sich neu sortiert hatte, spürte er den kräftigen Stoß gegen seine Brust. Er strauchelte rückwärts und war sich sofort bewusst, das sich der weitaus größere Teil seiner Körpermasse oberhalb der Brüstung befand, die sich knapp unter seinem Gesäß in seine Oberschenkel drückte.&nbsp;</p>



<p>Henning hatte keine Chance, er fuchtelte nach Halt und erwischte Sibylles langes Haar zwischen seinen Fingern. Das Büschel riss schmerzhaft aus ihrer Kopfhaut, bevor er Sibylle mit sich in den Abgrund reißen konnte.&nbsp;<br>Als Henning rücklings in die Tiefe stürzte, sah er noch Sibylles Geste. Sie zeigte im Wechsel auf sich und ihn und er begriff, was er übersehen hatte.</p>



<p>Die Lebensversicherung war damals auf Gegenseitigkeit abgeschlossen worden, somit hatte sie genau so viel Interesse an seinem Ableben, wie er an ihrem.</p>



<p>Henning schloss siegessicher die Augen, bevor die Straße ihn erschlug. Er wusste in dem Moment, Sibylle würde einfahren, denn er hielt ganz fest den Beweis dafür, dass sie ihn gestoßen hatte, zwischen seinen Fingern.&nbsp;<br>Das Miststück würde wegen Mordes ins Gefängnis gehen und die Versicherung würde aus demselben Grund auch nicht bezahlen.</p>



<p>Als sein Herz auf dem Asphalt stehen blieb, entspannte sich sein Körper. Seine Hände öffneten sich und ein kräftiger Windstoß&#8230;</p>
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		<title>Proband 0269.b</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Aug 2023 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die ersten beiden Headshots sahen sehr vielversprechend aus - und gleichermaßen verstörend. Verrauschte, kurze bewegte Filmfetzen in ein Standbild hinein, wie bei einem Live-Foto-Effekt. Sehr pixelig und surreal, als wären mehrere Filter übereinandergelegt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die ersten beiden Headshots sahen sehr vielversprechend aus &#8211; und gleichermaßen verstörend.</p>



<p>Verrauschte, kurze bewegte Filmfetzen in ein Standbild hinein, wie bei einem Live-Foto-Effekt. Sehr pixelig und surreal, als wären mehrere Filter übereinandergelegt. Der kleine Junge warf gerade einen kleinen braunen Plüschbären auf den weißen Kindersarg, der dort im dichten Regen in das frische Grab abgelassen worden war. Der Junge blieb trotz des heftigen Niederschlags trocken, als befände er sich in einem schützenden Ballon aus unsichtbarer Haut.<br>Auf dem nächsten Headshot platzte dieser Ballon wie eine Wasserbombe, ergoss sich in massiven Strömen an einem brütend heißen Sommertag in das Grab und formte einen kleinen Regenbogen darüber.&nbsp;<br>Über das Grab des Jungen mit dem kleinen braunen Plüschbären.&nbsp;<br>Seine sedierte Mutter, hier im Schlaflabor unter Probandin 0001, weiblich, 39 Jahre, geführt, wälzte sich in ihrem herzzerreißenden Verlustschmerz hin und her und musste im Schlaflabor fixiert werden, damit sich die kalten Sensoren, die diese verschwommenen Standbilder aus dem Kopf einer gebrochenen Frau saugten, nicht ablösten.<br>Professor Dietmar Lange und seinem Team war es gelungen, die ersten beiden unscharfen Schnappschüsse eines menschlichen Traums aus dem Kopf dieser Frau zu extrahieren, auf einen Monitor zu übertragen und sogar auszudrucken.&nbsp;<br>Es hätte sich eigentlich in diesem Moment ausgelassene Freude angesichts des sensationellen Forschungserfolges einstellen sollen, doch die meisten im Team starrten gerade wie versteinert auf die beiden Bilder auf dem Splitscreen-Monitor und waren den Tränen nah.&nbsp;</p>



<p>Sechs Monate später war das Team in der Lage, live aus den Gehirnen von bisher 269 freiwilligen Studienprobanden Bewegtbilder mitzuschneiden und auf einer Festplatte zu speichern.<br>Die euphorisierten Verantwortlichen der Fakultät reichten die Forschungsarbeit Professor Langes dem Nobel-Komitee ein, noch bevor sie abgeschlossen war. Niemand zweifelte daran, den renommiertesten Wissenschaftspreis der Welt zu gewinnen. Was sollte schon spektakulärer sein, als live ganz tief in die Seele von Menschen zu blicken. Ein Quantensprung in der Psychologie. Aber auch in anderen Forschungsrichtungen bahnte sich wirklich Großes an. Kriminologie, Philosophie, Ethik, alternative Medizin.<br>Bis zu dem Tag, als sie in den Traum von Proband 0269.b, männlich, 51 Jahre alt schauten und fast den Verstand verloren.</p>



<p>269 Freiwilligen hatten sie in die Köpfe geschaut. Träume und Albträume gesehen von Individuen, die bewegungsunfähig litten, endlose Abgründe hinunterstürzten, flogen wie Vögel, triumphierend siegten in persönlichen Herausforderungen, wilden Sex mit viel zu schönen Menschen oder Prominenten hatten, nahestehende Verstorbene wiedersahen, mit offenen Aufzügen in die Stratosphäre fuhren, gegen Monster kämpften, unter Wasser atmeten, etliche Male grauenvoll getötet wurden und wieder heilten.<br>Alles was die fantastische und furchteinflößende Traumwelt hergab, um seelische Befindlichkeiten abzuarbeiten.<br>Alles im nebulösen Rahmen dessen, was man auch in etwa erwartet hatte. Und so oder so ähnlich auch von sich selbst her kannte.</p>



<p>Alles änderte sich schlagartig, als sie Proband 0269.b in die REM-Phase versetzten und in glasklarer Qualität auf den Aufzeichnungsmonitoren angezeigt bekamen, dass der Mann, der hier schlief, träumte, wie er sich die Sensoren vom Kopf pflückte, aus dem Versuchsbett aufstand und sich unter exakt den Kollegen des Teams grimmig umsah, die hier gerade real zugegen waren. Den fünf anwesenden Wissenschaftlern stockte im wahrsten Sinne des Wortes der Atem, denn die Szene auf dem Bildschirm aus dem Traum des Schläfers sah nicht nur ungefähr so aus wie die gegenwärtige Realität. Die Mitarbeiter befanden sich exakt an der Stelle des mehrräumigen Schlaflabors, beobachtet aus dem Blickwinkel einer Weitwinkelkamera, die etwas oberhalb von ihnen langsam um sie kreiste. Im Traum des Probanden.</p>



<p>Elsa schaltete als Erste in dieser bizarren, schwer begreiflichen Situation, sie bewegte vorsichtig ihre Finger. Wie von einer Live-Cam gefilmt, passierte es genauso auf dem Bildschirm. Jürgen dachte sofort an einen üblen Scherz von Spaßvogel Thomas Luger. Der Techniker hatte es faustdick hinter den Ohren und wäre locker in der Lage gewesen, das Signal einer Kamera auf die Traummonitore zu legen. Aber wie in Gottes Namen sollte er es schaffen, den schlafenden Probanden auf dem Film, anders als in der Realität, unverkabelt neben seinem Bett stehen und wirklich finster drein blicken zu lassen.<br>Während das ganze Team ihn seelenruhig schlafend vor sich liegen sah.<br>Anästhesistin Julia hatte gestern noch zu Elsa gesagt, dass es ihr gruselig vorkäme, Professor Dietmar Lange persönlich zu sedieren und in seine Träume zu schauen. Es fühle sich in ihrem Kopf so falsch an, wie Jesus zu kreuzigen.&nbsp;</p>



<p>„Ach, mach dir keinen Kopf, Julia, der Professor ist ein Vollprofi. Niemand auf der Welt hat sich so tiefgehend mit Träumen und ihrer Wirkung auf uns beschäftigt.“</p>



<p>„Genau das behagt mir nicht, Elsa! Er macht mir schon Angst, wenn er wach ist. Wie er uns manchmal mustert mit dem Blick eines Seeadlers, der gleich Beute machen wird, oder so. Ich möchte nicht wissen, womit sich sein Unterbewusstsein beschäftigt. Möglicherweise ja auch mit uns. Außerdem ist es illegal und gefährdet die Studie, wenn einer der Wissenschaftler auch gleichzeitig Proband ist.“</p>



<p>„Beruhige dich, Julia, das wissen wir doch alle. Forscher auf dem Level bewegen sich auf der berühmten Schwelle zwischen Genie und du weißt schon. Gönnen wir ihm den persönlichen Film seines Unterbewusstseins. Wir schieben ihn einfach irgendwo zwischen mit einer b-Kennung. Eine Ausschuss-Akte. Es wird nie jemand erfahren.“</p>



<p>Nun jedoch wollte Julia die Rausch-Dosis Midazolam sofort herunterfahren, um den Professor erwachen zu lassen, die Situation machte ihr Angst.&nbsp;<br>Achim, der wissenschaftliche Leiter, gab ihr per Fingerzeig und bösem Blick zu verstehen, es gefälligst zu unterlassen.&nbsp;<br>Ein Fehler, den die Fünf mit dem schlimmsten Albtraum ihres Lebens bezahlen mussten, obwohl sie hellwach waren.<br>Jürgen, Elsa, Achim und Thomas hatten sich um die Stelle versammelt, an der auf den Monitoren der Professor und in Wirklichkeit niemand stand. Julia war an ihrem Platz geblieben, um die Vitalwerte des Patienten zu beobachten. Dazu verpflichtete sie ihr ärztlicher Kodex.<br>Die Anzahl der Bildschirme wuchs im Verlauf der Studie in den letzten Monaten deutlich. Sie waren so verteilt, dass alle im Schlaflabor jederzeit darauf schauen konnten und übertrugen immer dasselbe. Den aktuellen Traum aus dem Kopf des schlafenden Probanden.&nbsp;<br>Hier ging es um das Mehraugen-Prinzip. Das Team sollte immer parallel auf die Ergebnisse schauen können, um ihre gemeinsame Arbeit auch später besser gegen die Zweifler zu verteidigen. Und die würde es im Kollegium reichlich geben. Kein ernstzunehmender Wissenschaftler gönnte einem Kollegen die ganz große Erkenntnis, bevor er nicht selbst eine hatte. Man würde mit allen Mitteln versuchen die Arbeit zu attackieren. Und das war ja auch das Grandiose an Wissenschaft. Der fortlaufende Versuch, die Ergebnisse zu widerlegen.&nbsp;<br>Sie hatten zwar 269 Traumsequenzen auf Festplatten gespeichert, nicht aber Videoaufnahmen von sich selbst. Bis jetzt, denn heute war beides exakt dasselbe. Videofile 0269.b, welches gerade live erstellt wurde, beobachtete sie aus dem Hirn von Dietmar Lange. Eine absolute Unmöglichkeit.</p>



<p>Der Professor verharrte regungslos und ließ seinen Blick über die fünf Forscher wandern, die auf die Monitore schielten, um zu sehen, was der Professor in seinem Traum tat.<br>Achim, der als wissenschaftlicher Leiter dem Professor vielleicht am nächsten stand, zumindest in der Studie, streckte vorsichtig die Hand vor.&nbsp;<br>Das Angebot eines Handschlages, den es nicht geben konnte. Der Handschlag zwischen einer wachen und einer träumenden Person in einer einzigen Erlebnisdimension.&nbsp;<br>Das hatten die Beiden abgesprochen, sollte das Ganze funktionieren. Achim hatte bis jetzt nicht verstanden, worauf Dietmar hinauswollte, als er ihm gestern bei einem gemeinsamen Essen versuchte zu erklären, dass heute etwas Außergewöhnliches, ja Bahnbrechendes passieren könne. Jetzt im Moment begriff er, was der Professor andeutete. Lange schob vorsichtig die Hand nach vorne, um die von Achim zu greifen. Und tatsächlich, der Festplattenrekorder zeichnete aus der Traumsicht Langes den Handschlag mit Achim auf, obwohl im Realen Achim nur die Luft schüttelte und Professor Lange einige Meter weiter da lag und fest in Julias Narkose schlief.</p>



<p>Die Hände lösten sich langsam wieder. „Was hast du gespürt?“, wollte Jürgen sofort wissen. Die Stille vor der Antwort zerriss fast die atemlose Spannung.<br>In Achims Augen glänzte der Moment, den jeder Wissenschaftler herbeisehnte. Die ganz große Entdeckung. Die Kollegen starrten ihn an und konnten kaum an sich halten, der Antwort in wilden Spekulationen vorwegzugreifen.<br>„Ich habe&#8230;“, Achim stockte und rang um Fassung. „Es war unglaublich. Ich fühlte tatsächlich seine Berühru&#8230;“<br>Dann sackten seine Beine weg und Blut spritze weit aus einem langen Schlitz in der Haut seines Halses, die noch vor einer Sekunde geschlossen seine Halsschlagader schützte.<br>Elsa schrie los wie am Spieß, Jürgen und Thomas warfen sich auf den am Boden zuckenden Achim, um irgendwie die tödliche Blutung zu stoppen.&nbsp;<br>Nur Julia hatte von ihrer Position am Kopf des schlafenden Dietmar Langes die ganze Zeit die Monitore beobachtet und gesehen, wie der Professor Achims Hand schüttelte und ihm anschließend ohne mit der Wimper zu zucken, die Kehle aufschlitzte.&nbsp;<br>Ein schockierendes Geschehnis, welches sicher nicht Teil der Absprache war.&nbsp;<br>Sie hatte paralysiert dabei zugesehen, wie Lange nach dem Handschlag Achim mit einem Skalpell kraftvoll über den Hals fuhr, während die Anderen nur auf Achims Hand in der Realwelt starrten.</p>



<p>Julias Blick sprang, in dem vom Professor losgetreten Chaos, zwischen der kreischenden Elsa, den Männern, die um Achims Leben kämpften und den Monitoren, die anzeigten, was der Professor tat, hin und her.&nbsp;<br>Sie entschied sich ad hoc, das Sedativum auszuschleichen, um Dietmar Lange in wenigen Minuten wieder erwachen zu lassen.<br>Dieser stand jedoch in der Sekunde auf dem Bildschirm über ihr, griff an ihren Schädel und fauchte: „Denk nicht mal daran, Schlampe. Du hältst mich sediert, sonst kratzt der Nächste hier ab.“&nbsp;<br>Julia hatte keine Wahl und spürte, wie sich sein spitzer Daumen in ihre Schläfe bohrte, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen.&nbsp;<br>Professor Lange hatte einen Weg gefunden, auf der Einbahnstraße in den Traum hinein umzukehren und aus seinem Traum heraus in das wahre Leben einzugreifen. Und den Beweis trat er gerade drastischer an, als die Kollegen Lector, Moreau, Jekyll und Frankenstein es in der Literatur jemals taten.&nbsp;<br>Achim verblutete schneller auf dem Laborboden, als Jürgen und Thomas blutstillende Kompressen aus Handtüchern, Küchenrollen, Kleidungsstücken und Toilettenpapier heranschaffen konnten. Die beiden brachen ermattet in sich zusammen, als der letzte Herzschlag Achims die pulsierende Quelle endlosen Blutes endlich versiegen ließ.</p>



<p>Julia rief der hysterischen Elsa zu, sie solle ihre Schnauze halten und sich zusammenreißen. Sie tat das nicht, weil sie so besonnen war in der Situation, sie tat das, weil auf den Monitoren zu sehen war, wie der amoklaufende Professor Lange sich auf Elsa zu bewegte, um ihr das Maul zu stopfen.&nbsp;<br>Ihre Krakeelerei erstickte gurgelnd an dem glatten, schnellen Schnitt durch ihren Kehlkopf und Elsa lief röchelnd aus, wie ein mit Wasser befülltes Bassin, dessen Seitenwände wegbrachen.<br>Die beiden Männer kauerten wimmernd in einer Ecke des Labors und beteten. Ungewöhnlich für Rationalisten, aber Lange fuhr im Labor rum, wie ein Derwisch und wie sollten sie jemanden stoppen, der in ihrer Welt gar nicht greifbar war.&nbsp;<br>Als der Professor sie im nächsten Moment wahrnahm und fixierte, wischte er kurz das blutige Skalpell über seinen Oberschenkel. Dann machte er sich auf, um sie von ihrem Leid zu erlösen und einen weiteren unumstößlichen Beweis seiner Genialität zu liefern.<br>Als er über Jürgen und Thomas stand und mit der Klinge wedelte, stießen die Beiden einen markerschütternden Schrei der Todesangst aus. Dann schnellte Dietmar Langes Arm herab.</p>



<p>Julia schreckte hoch, sie war schweißgebadet und hatte ganz beschissen geträumt. So sehr sie sich auch bemühte, die Erinnerung an den schrecklichen Traum verblasste in Sekunden und verschwand aus ihrem Gedächtnis, wie kalte Flüssigkeit, die sie mit Händen hätte festhalten wollen.<br>Warum nur hatte sie sich nach dem Tod ihres kleinen Sohnes für dieses Traumexperiment im Schlaflabor heute angemeldet? Was wollte sie denn bloß herausfinden? Weder ihr Ex-Mann Achim, noch Unfallarzt Dietmar Lange, Psychologin Elsa, Pfarrer Thomas oder Pfleger Jürgen hatten ihrem kleinen Jungen helfen können. Er starb letzte Woche im Krankenhaus, wenige Tage nachdem er in die Folienabdeckung des Pools gefallen war und erst nach zwanzig Minuten gefunden wurde. Nichts konnte ihren Jungen zurückbringen. Dietmar Lange hatte ihr emotionslos mitgeteilt, dass er hirntot war.<br><br>Was sollten ihre Träume und das messen ihrer Hirnströme da schon zur Verarbeitung ihres Schmerzes beitragen? Sie würde den Termin heute, den Elsa ihr empfohlen hatte, absagen und die Dinge auf sich beruhen lassen.<br>Julia griff zum Telefon, um das Labor zu informieren, als ihr Blick auf das kleine herzzerreißende Überbleibsel fiel, das ihr von ihrem Sohn blieb.&nbsp;<br>Der kleine braune Plüschbär lag, vollgesaugt mit Tränen und Alkohol, neben der leeren Flasche Rotwein von gestern Abend auf dem Tisch, auf dem sie mit der Stirn in ihren verschränkten Armen eingeschlafen war.&nbsp;<br>Er war das Letzte, was sie noch hatte neben ihren Albträumen. Damit würde sie sich abfinden müssen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/proband-0269-b/">Proband 0269.b</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>Praying Mantis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Aug 2023 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die wilde Nummer mit Deborah hätte übel für mich enden können. Das Biest war zuweilen wie eine Gottesanbeterin, die sich allzu gerne auch mal während des Aktes ihren Gespielen als Snack einverleibte. Natürlich nur metaphorisch - sie hätte mich nicht wirklich verspeist, sie war ja keine Kannibalin, dennoch hing ihr der Ruf nach, ab und an im Liebesspiel auszurasten und mit dem Rasiermesser rumzufuchteln.</p>
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<p><br>Die wilde Nummer mit Deborah hätte übel für mich enden können. Das Biest war zuweilen wie eine Gottesanbeterin, die sich allzu gerne auch mal während des Aktes ihren Gespielen als Snack einverleibte. Natürlich nur metaphorisch &#8211; sie hätte mich nicht wirklich verspeist, sie war ja keine Kannibalin, dennoch hing ihr der Ruf nach, ab und an im Liebesspiel auszurasten und mit dem Rasiermesser rumzufuchteln. Seit der schöne Hank von tiefen Narben gezeichnet zum hässlichen Hank wurde, sprach man hinter vorgehaltener Hand von der geilen Psychopathin, vor der man sich hüten sollte.<br>Ich zitterte noch lange nach, sie war furchteinfößend, egal, irgendwas hatte ich letzte Nacht wohl gut gemacht und schließlich war sie meine Chefin. Wenn sie rief, hatte ich zu erscheinen und im besten Fall auch zu kommen.</p>



<p>Sie war eine alte weiße Frau um die fünfzig. Und die hatten nunmal das Sagen in unserer momentanen Welt.</p>



<p>Ich hatte gerade beruflich Fuß gefasst nach meinem Masterstudium in Gefühlslogik. Hatte einiges an Schulden angehäuft. So musste ich halt die ein oder andere Zuwendung des weiblichen Kollegiums über mich ergehen lassen, um im Job irgendwie voranzukommen. Auch wenn es mir widerstrebte. Schließlich war ich von den alten Weibern abhängig, die lüstern auf junge Männerärsche starrten und vor keinem sexistischen oder zumindest anzüglichen Spruch fies waren. Spieltest du ihr Spiel nicht mit, warst du schneller als Handwerker-Aushilfe tätig, als du ihre feisten brilliantberingten Grabschefinger von deinem Oberschenkel geschoben hättest.</p>



<p>Intuitives Denken und Handeln war nach dem Scheitern der rationalen Betrachtungen gerade der Game Changer bei der Entscheidungsfindung in weltwichtigen Fragen.<br>Frauen hatten sich durch pragmatisches Handeln an die Top-Positionen manövriert, ihre weiblichen Netzwerke hochgezogen und weitestgehend die Welt der alten weißen Männer übernommen.</p>



<p>Kein Wunder nach dem maskulinen Kollektivversagen Anfang der Zweitausenderjahre.&nbsp;<br>Eine Katastrophe überholte die Andere und eitle Pfauen debattierten jede notwendige Entscheidung zunichte. Ihr festgefahrenes Mantra: Kritik ist persönliche Absolution von Selbstkritik. Eine wundervolle verantwortungsfreie Bubble von Bedenkenträgern, aus der man prima und selbstgefällig dem Volke winken konnte.</p>



<p>Als ich die Stimme des Lebkuchens in meinem Nacken spürte, zuckte ich unwillkürlich zusammen. Abteilungsleiterin Shelley war unnatürlich gebräunt und die Farbtupfer in ihrem gedunsenen Antlitz taten ihr übriges, um auf die Assoziation, des von Kinderhand bemalten Lebkuchengesichtes, zu kommen.&nbsp;</p>



<p>Mir lief ein Schauer über den Rücken, während ich gegen hochkommenden Mageninhalt anschluckte. Mir war klar, was sie wollte.<br>&#8222;Du, wir haben noch einiges zu besprechen, was unbedingt morgen vom Tisch sein muss. Wir machen das heute Abend in der Sauna. Da können wir auch prima relaxen nach dem harten Bürotag, klar?&#8220; Es war eine rethorische Frage, deren Antwort Shelley nicht abwartete.<br>Migräne schoss mir in den Schädel, als ich hinter ihr her lief.<br>&#8222;Ach du Shelley, hat das nicht Zeit bis morgen, mir geht&#8217;s heute nicht so gut.&#8220;<br>&#8222;Deine Entscheidung&#8220;, zischte sie schnippisch. &#8222;Die Dinge werden heute erledigt, womöglich ziehe ich Matt aus der Abrechnung zu Rate. Überlege eh, ob er nicht der bessere Assistent für mich wäre. Das würde natürlich bedeuten, dass ich für dich keinen Job mehr habe.&#8220;<br>&#8222;Schon gut, Shelley&#8220;, erwiderte ich kraftlos. &#8222;Ich nehme ein Aspirin, dann bin ich schon fit.&#8220; Shelley grinste breit mit ihren schneeweißen Jackett-Kronen, die mit dunkelroten Lippenstiftflecken das schokobraun gegerbte Gesicht absurd zu einer Satteltasche mit zugequollenen Sichtschlitzen verformte.<br>Vier Stunden später stand ich vor der Sauna, acht unbeantwortete Anrufe Shelleys auf meinem Handy, die von ihrer ungeduldigen Geilheit zeugten.<br>Ich wollte das nicht, hatte Tränen der Verzweiflung auf dem Gesicht.&nbsp;<br>Ich wischte sie weg und trat durch die Tür in die Räumlichkeiten des Firmen &#8211; Spa &#8211; Bereiches.&nbsp;<br>Die Tür, hinter der sich im Verborgenen Erniedrigendes abspielte für die Handvoll junger Männer, die in dieser Festung weiblicher Mantiden einfach nur arbeiten wollten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.</p>
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