Wonderwoman Deluxe

Es war schon wieder Abend. Zeit für ihr Tagebuch. Ein Ritual, dass ihr Sicherheit gab. Bevor Klara den heutigen Tag beschrieb, lächelte sie noch einmal verschmitzt über den gestrigen Eintrag in ihr geliebtes Tagebuch.

„Das Treffen mit Johannes war wunderschön. Ein wirklich interessanter Mann. Er lässt mich unbeschwert lachen. Es kommt mir vor, als würde ich ihn schon ewig kennen. Ich mag seine warmen Hände, wenn sie zur Begrüßung die meinen umschließen und mir das Gefühl von Geborgenheit geben. Der Blick in seine dunkelbraunen Augen fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen, in mein gewohntes Umfeld. In meine Räume, in denen ich sicher bin. Auf meine Couch mit Tee und Wolldecke. Wir haben uns für morgen wieder verabredet. An gleicher Stelle im Park. Ich bin aufgeregt und mein Bauch kribbelt, wenn ich daran denke. Hoffentlich kann ich schlafen, denn ich möchte hübsch aussehen für Johannes.“

Klaras Herz zersprang fast vor Glück und sie seufzte gedankenverloren, als die Geschehnisse aus ihrem Tagebuch vor ihrem inneren Auge noch einmal abliefen, wie ein romantischer Film, in dem sie die weibliche Hauptrolle spielte.

Als Julia nach ein paar Minuten der Abwesenheit nach Hause kam und leise die Tür zu Klaras Zimmer öffnete, war die Szene, die sie vorfand, dieselbe wie gestern. Ihre demente Mutter war auf der Couch eingeschlafen. Sie lächelte zufrieden und ihr geliebtes Tagebuch lag auf ihrem Bauch. Julia zog es sanft aus den Händen der alten Frau und setzte sich hin, um mit viel Liebe den Eintrag für heute zu schreiben. Denn auch morgen würde sie wieder ein paar Minuten brauchen, um mit dem Rad zum Friedhof zu fahren und Johannes Grab zu gießen.

Das Grab ihres Vaters.