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	<title>Kurzgeschichten Archive - Stephan Heider</title>
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	<description>Leben - Fühlen - Schreiben!</description>
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	<title>Kurzgeschichten Archive - Stephan Heider</title>
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		<title>&#8230;und voller Furcht wiegen die Ähren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 21:29:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Raimund: Es war das erste Mal seit dem Verschwinden der Mädchen, dass er wieder joggen ging. Noch bis vor drei</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/und-voller-furcht-wiegen-die-aehren/">&#8230;und voller Furcht wiegen die Ähren</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<p>Raimund: Es war das erste Mal seit dem Verschwinden der Mädchen, dass er wieder joggen ging. Noch bis vor drei Wochen hätte kein an sein Bein geketteter Güterzug, ihn von seiner geliebten Runde abhalten können. Er brauchte diese Zeit mit sich mindestens zwei Mal in der Woche, um den Kopf freizubekommen. Vor drei Wochen fuhr ihm der Güterzug mit neunzig Sachen über den Schädel und riss ihm die Seele heraus. Das Verschwinden seiner Tochter Kim und ihrer Freundin Lea schlug die Rationalität aus seinem Hirn, wie der Dreschflegel die Weizenkörner aus den Ähren nach der Ernte auf den weiten Feldern des Niederrheins. Die Gerstenfelder im Mai, saftig grün und sanft dem Wind schmeichelnd, wie ein samtiger Teppich. Heute lief er langsam hindurch und konnte fast wieder atmen, nachdem der nukleare Winter in seinem Kopf für eine Woche Standbild gesorgt hatte. Eine Woche Regungslosigkeit nach zehn Tagen Suche ohne Schlaf. Die Spur der Mädchen verlor sich vor dem Tanzclub in der Stadt, als ob sich der Erdboden aufgetan und sie zu sich genommen hätte. Da es keine Forderungen irgendwelcher Entführer gab, ging die Polizei zunächst einmal davon aus, dass die Mädchen sich abgesetzt hatten. Raimund glaubte das nicht. Seit Simones Tod waren er und Kim unzertrennlich. Sie hatte große Mühe den Tod ihrer Mutter zu verwinden und klammerte sich an ihren Vater, wie ein verängstigtes Kind, obwohl sie einundzwanzig Jahre alt war. Und jetzt war sie spurlos verschwunden. Was zur Hölle ist mit Kim und Lea passiert?</p>



<p>Lea vor drei Wochen: Es wurde Zeit, dass Lea ihrer Freundin Kim endlich von ihrem neuen Freund erzählte. Sie hatte es sich fest für heute Abend vorgenommen. Rein zufällig würde Checko heute Abend im Tanzschuppen sein. Ja, er hatte seinen Ruf als rücksichtsloser Frauenverschleißer, aber Lea fühlte, dass sie die Frau war, die Checko zähmen konnte. Irgendetwas war mal zwischen Kim und Checko gelaufen, das wusste Lea aus den vernichtenden Andeutungen Kims, die sie aber nie präzisierte. Zwischen verständnisvoller Freude und verzweifeltem Ausrasten war jede Reaktion Kims möglich. Seit dem Tod ihrer Mutter war sie nicht mehr dieselbe.</p>



<p>Raimund: Hunderte Male war Raimund an diesem Feld vorbeigejoggt. Das Feld vor Hennes Bruckschens Hof. Er kannte es gepflügt, gesät, mit den frischen Sprösslingen wie vor drei Wochen, im satten Grün wie heute, in reifem Gold mit hängenden Köpfen und im Spätsommer brutal gemäht und seiner Schönheit beraubt. Aber er kannte noch nicht, dass es ihm etwas erzählen wollte. Unruhig im Wind wiegend, wie Ozeanwellen kurz vor dem Brechen. Mit seinen langen Wimpern tanzend in einer Flut aus weichen Formationen, die nur ein Schwarm zu erschaffen vermag. Mehrere Minuten verweilte Raimund fast in einem tranceartigen Zustand und lauschte mit den Augen der visuellen Melodie des, ihm zunickenden und sich dann wieder abwendenden weichen Kissens aus flauschigen Halmen. Das alles hätte seine Aufmerksamkeit kaum erregt, obwohl es zweifellos traumhaft schön, aber ebenso trivial war. Aber an einem Fakt, nach dessen wissenschaftlichen Erklärung er nun rang, kam er einfach nicht vorbei.<br>Raimund stand vor einem Sommergerstenfeld, das sich schmerzvoll bog mit seinen Millionen einzelner Stängel und furchtsam mit seinen Ähren um Aufmerksamkeit winkte, an einem vollkommen windstillen Mainachmittag.</p>



<p>Kim: Die dunkelroten Ränder ihrer, von Kabelbindern eingeschnittenen Handgelenke brannten nicht mehr. Ihr Körper stellte sich auf das Sterben ein. Sie spürte die Nähe zu Mama. Die Spuren der verbrauchten Tränen in ihrem verschmutzten Gesicht waren längst getrocknet und ihre Todesangst verflogen. Sie war achtlos in diese kleine Kammer aus dunklem Scheunenholz geschubst worden, der Boden ausgelegt mit Stroh und die Decke mit landwirtschaftlichen Geräten behängt. Fünf Jahre hatte sie auf Checko Bruckschens Rache gewartet und schon fast damit gerechnet, dass sie ausbleiben könnte. Checko hatte sich Zeit genommen, sie fertig zu machen. Alles ganz genau geplant, Lea angebaggert, um an Kim heranzukommen. Er hat auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, bis sie sich sicher fühlte. Für das, was sie ihm angetan hatte, würde sie qualvoll verrecken.&nbsp;</p>



<p>Kim hockte auf allen Vieren im Stroh und lachte heiser auf. Als sie anfing zu pubertieren hatte ihr Vater ihr den eventuell lebensrettenden Ultima Ratio Griff erklärt, den sie anwenden sollte, wenn sie jemand vergewaltigen oder noch schlimmeres antun wollte. „Kim, warte bis das Schwein sich die Hose aufgemacht hat. Dann musst du ruhig bleiben, ich verspreche dir du kommst aus der Situation heraus, wenn du nur ruhig bleibst. Gib ihm keinen Grund auf dich einzuschlagen. Sage ihm, dass du ihm hilfst und dich nicht wehrst, wenn er dich nicht schlägt. Dann greifst du langsam nach seinem Hoden, er wird denken, dass du ihn verwöhnen willst. Nimm das Prachtstück in die Hand und dann drehst du ihm die Eier um, so feste du kannst. Und Kim&#8230; du musst da alles an Gewalt reinlegen, was du hast. Wenn du das nur halbherzig machst, bist du tot.“ Als Kim vor fünf Jahren zu dieser Notwehr greifen musste, war Checko die Farbe so schnell aus dem Gesicht gefallen, wie seine Samenleiter abrissen. Seine Ohnmacht aus Vernichtungsschmerz folgte unmittelbar nach seinem markerschütternden Aufschrei. Kim verlor ihre Unschuld nicht, aber Checko seine Fruchtbarkeit. Sie hatte nie jemandem von diesem Vorfall im Gerstenfeld erzählt. In Checkos Lieblingsversteck mitten im Gerstenfeld, wo seit kurzer Zeit auch Leas Leiche verscharrt lag.</p>



<p>Raimund: Es klopfte heftig an der schweren Tür des Bruckschenhofes. Ein unnachgiebiges Gefühl zwang Raimund dazu, hier nach Kim zu suchen. Als Kim zwanzig Minuten später abgemagert und geschwächt, aber lebendig im Krankenwagen abtransportiert wurde, standen die Ähren des Gerstenfeldes wieder ruhig in der Stille des Nachmittags. Niemand wurde darauf aufmerksam gemacht, dass Raimund und Checko inmitten des Feldes noch eine Unterhaltung&nbsp; führten, die für den gewalttätigen Bauernsohn schweigend endete. Schweigend, aber nicht tödlich. Dafür sorgte Simone, die zur rechten Zeit eine Brise durch die Ähren schickte, die Raimund daran erinnerte, dass Kim ihren Vater jetzt brauchen würde.</p>
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		<title>SPOONER</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 10:23:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Lustiges]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nächster Versuch: Blei flog mir um die Ohren und ich warf mich schützend auf das von Schweiß glänzende Topmodel in</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/spooner/">SPOONER</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Nächster Versuch: </p>



<p>Blei flog mir um die Ohren und ich warf mich schützend auf das von Schweiß glänzende Topmodel in Hotpants und Tanktop. Wir fielen in den Schutt und unsere Münder trafen sanft aufeinander. Sie sah mich schmachtend an, öffnete ihre Lippen, um nach meinen zu schnappen. </p>



<p>„Oh Hank, küss mich“, hauchte sie. </p>



<p>„Julio, diese schlechte Schmonzette hier ist nicht dein Ernst!“, raunzte ich angesäuert meinen Autor an, nachdem ich mich gelangweilt von der Tussi erhoben hatte. </p>



<p>Julio sah auf die Zeilen, die er soeben geschrieben hatte, kratzte sich am Kopf und zog die Unterlippe herunter. </p>



<p>>alles markieren&lt; >löschen &lt; </p>



<p>Nächster Versuch: </p>



<p>Ich trug eine alberne Haube und schnitt das Lab, in irgendeiner Landhausküche der französischen Provence, in gleichförmige Segmente. Dann fielen Schüsse und ich hörte die verzweifelten Rufe der Waisenkinder: </p>



<p>„Hank… Hank… hilf uns!“ </p>



<p>Ich schaute von meinem Topf hoch und war jetzt richtig sauer: </p>



<p>„JULIO! Was ist das denn für ein Scheiß. Geh ins Bett und schreib morgen weiter, meine Fresse!“</p>



<p> Dann zog ich meine Automatik aus dem Hosenbund und jagte mir aus Trotz eine Kugel in den Kopf. </p>



<p>Julio merkte, dass es keinen Sinn hatte, heute auch nur einen einzigen Satz weiterzuschreiben, genau wie gestern und vorgestern. Er löschte die ersten Seiten zum x-ten Mal, schaltete den Computer ab, trank sein Glas Rotwein aus und ging ins Bett. </p>



<p>„Sorry, Hank, das hast du nicht verdient, aber ich bin total leer.“ </p>



<p>Über den Gedanken schlief er ein. Ich saß im Schneidersitz auf dem weiten Weiß und dachte nach. Mein Schöpfer und Autor litt unter einer hartnäckigen Schreibblockade. Ein inakzeptabler Zustand, der dafür sorgte, dass ich seit geraumer Zeit arbeitslos war. Den leeren Raum um mich, Hank Spooner, mit einer guten Geschichte zu füllen, konnte doch wohl nicht so schwer sein. Das hatte Julio in den zwei ersten Romanen doch auch hinbekommen. Was Julio Tramell, dem Bestseller-Autor, aber momentan aus der Feder floss, war nichts weiter als abgeleierte Einheitstunke, die nach eingeschlafenen Füßen schmeckte. Den Verriss nicht wert, den es bekommen würde. </p>



<p>Ich dachte verzückt an unseren Erstling „Die Gerechten“ zurück, in dem Julio mich in die Welt setzte und im Alleingang ein Syndikat hochrangiger und einflussreicher Wichser auseinandernehmen ließ. Hätte Fleming nicht besser schreiben können. Damals habe ich noch gar nicht mit Julio kommuniziert. War auch nicht notwendig, der Roman war spitze und verkaufte sich wie geschnitten Brot. Trickreich, pointiert und überraschend… Julio Tramell in Bestform. Hank Spooner in Bestform. </p>



<p>Natürlich schrieb er einen zweiten Roman mit mir. Die Leute liebten Hank Spooner mit seiner trockenen und kompromisslosen Art. „Mach ihn etwas nahbarer“, hatte der Verlag Julio gesagt und damit fing der Krampf an der Tastatur an. Julio war nicht mehr frei und schrieb mir Verhaltensweisen auf den Leib, die massenkompatibler sein sollten. Die Hälfte der Leser, die mich für ein Arschloch hielten, sollten dank einiger lauwarmer Züge auch noch abgeholt werden. </p>



<p>In der Mitte unseres zweiten Buches hatte ich genug davon und tat andere Dinge als die, die Julio gerade aufschreiben wollte. Einem Fiesling schoss ich in die Fresse, bevor Julio feinst ausformuliert hatte, dass ich ihn milde laufen ließ, um seine Bosse zu ermahnen, sich nicht mit mir anzulegen. Am Arsch. Der Mistkerl würde mir später im Buch erneut nach dem Leben trachten und die Bosse würden schon bald von selbst merken, dass man keinen Scheiß mit Hank Spooner anstellt. </p>



<p>Julio ließ die weiche Version schlussendlich von seiner Lektorin tippen, auf die ich keinen Einfluss hatte. Aber zumindest wusste er jetzt, dass ich präsent war und mir nicht alles gefallen ließ. Zum Ende des zweiten Buches hat die Schreibkraft nur noch das getippt, was der Verlag wollte. </p>



<p>Bei unserem dritten Buch würde ich den Ton angeben. Julio war zu weich geworden. Mittlerweile konnte ich so tief in seine Gedanken eindringen, dass er gezwungen war, mit mir zu kommunizieren. </p>



<p>„Hank, was soll das?“ </p>



<p>„Niemand schreibt Hank Spooner vor, was er zu tun und zu lassen hat. Nicht mal mein Schreiber. Ich bin hier der Star. Basta!“ </p>



<p>Ich war noch in Gedanken darüber, als sich aus dem Weiß um mich langsam mein schäbiges Büro mit der Milchglasscheibe in der Tür und dem unaufgeräumten Schreibtisch formte. Julio hatte wieder angefangen zu schreiben. </p>



<p>„Mal sehen, was ihm heute wieder für ein peinliches Intro einfällt“, brabbelte ich laut, als es auch schon an der Tür klopfte. </p>



<p>Aus meinem Bürosessel hatte ich die Tür direkt im Blick und sah den Schatten eines Mannes mit Hut und Trenchcoat als Silhouette durch die hinterleuchtete Scheibe. </p>



<p>„Oh Mann, mehr Klischee geht nicht“, dachte ich genervt. </p>



<p>„Was willst du?“, raunzte ich. </p>



<p>Keine Antwort. </p>



<p>„Was du willst, habe ich gefragt!“, rief ich harsch Richtung Tür. </p>



<p>„Hank Spooner?“, fragte der Schatten. </p>



<p>„Ja und? Wer will das wissen?“, antworte ich schneller, als Julio es schreiben konnte. </p>



<p>Julio schrieb es hin und ich liebte, dass er endlich schrieb, was ich wollte. Ich legte die Beine auf den Schreibtisch und kratzte meine Eier, um zu testen, ob Julio meiner Handlung folgen würde. Er tat es. </p>



<p>„Verpiss dich“, schrie ich die Silhouette an, da mir der Anfang des Buches jetzt schon auf die Nerven ging. </p>



<p>Der Schatten nestelte in seinem Mantel herum und zog etwas heraus. Das Bersten der Scheibe und das Durchschütteln meines sterbenden Körpers passierten gleichzeitig, als eine endlose Maschinengewehrsalve mich und mein halbes Büro in Stücke riss. </p>



<p>Ein halbes Jahr später war Julio Tramells neuer Roman „Gefallene Helden“ erschienen und auf Platz eins der Bestsellerliste geschossen. Das Intro beschrieb den gewaltsamen Maschinengewehr-Tod des abgehalfterten Ex-Agenten Hank Spooner und die Vorstellung eines gewissen Cameron Wolve, seines Zeichens Auftragskiller, der sich auf gefallene Literaturhelden spezialisiert hat und wie ein Looper auf Bestellung durch unvollendete Bücher springen konnte. </p>



<p>Der geniale Plot, verzweifelten Autoren bei Bedarf Abhilfe und Befreiung aus Blockaden zu bescheren sorgte für vier weitere erfolgreiche Fortsetzungen, bevor auch Cameron Wolve von Julio Tramell ersetzt werden musste. </p>



<p>Gerade noch rechtzeitig, um nicht wahnsinnig zu werden.</p>
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		<title>DOWN</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 May 2026 16:06:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Worte plätscherten unverständlich, wie ein grauer Regen, auf seinen gekrümmten Körper in der Bahnhofshalle. In seiner Lautstärke zunehmend, schnitt sich</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/down/">DOWN</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<p>Worte plätscherten unverständlich, wie ein grauer Regen, auf seinen gekrümmten Körper in der Bahnhofshalle. In seiner Lautstärke zunehmend, schnitt sich ein Name durch den diffusen Wortnebel in seinen hämmernden Schädel, der unter dem Druck des Geschehenen zu bersten drohte. </p>



<p>Es war sein Name. „Fabio… Fabio… Fabio…!“ </p>



<p>Dann war er schmerzfrei. Saß auf der Bank, die er so liebte. Der Sommernachmittag im Hochmoor war traumhaft schön und seine nackten Zehen spielten mit dem warmen Holz des Wandersteges, der sich an dieser Stelle gabelte. Der grazile Fuß Isabellas, die neben ihm saß, kitzelte mit seinen rot lackierten Nägeln an seiner Wade. </p>



<p>Isabella, dieses wunderbare Geschöpf aus Schönheit und Selbstzweifeln. Sie war auf einem guten Weg das zweite Bein auf den Boden des Lebens zu bringen. Die Heidepflanzen leuchteten farbenfroh, wie ein weicher Teppich aus Glückseligkeit. </p>



<p>„Fabio… Fabio…!“ Warum weinte Isabella? Wieder stachen die Schmerzen in seinen Kopf und die Kälte der harten Fliesen kroch in ihn hinein, um seinen Körper unrhythmisch zu schütteln. Hektisch gerufene Fragmente drangen zu ihm durch. </p>



<p>„Legt ihm doch eine Decke…“, </p>



<p>„Wo sind die feigen Schweine“, </p>



<p>„Verdammt, wo bleibt denn der Rettungswagen?“</p>



<p>Er erinnerte sich, dass ihn etwas traf und er zu Boden ging. Warum nur war er mit Isabella am Bahnhof. Oh Gott. Die schweren Stiefel. Der behinderte Junge. Der Spott. </p>



<p>Ja, sie wollten Isabellas Schwester abholen, die aus ihrem Auslandsjahr zurückkam. Ansonsten würden sie sich doch nie in der Bahnhofshalle aufhalten. </p>



<p>„Lass die Typen“, </p>



<p>Isabella hatte Angst. </p>



<p>„Das sind doch nur Kids“, erinnerte er sich an seine beruhigenden Worte. </p>



<p>Im Moor: Isabella drückte sich an ihn und zeigte auf die sinkende Sonne. </p>



<p>„Ich liebe dich, Fabio. Du hast mich erst zum Leben erweckt. Ohne dich wäre ich total kaputt.“</p>



<p>Fabio sah sie lange an. Er lächelte, stand auf und lief über den Steg, den sie sonst nicht gingen. Der Steg, der nicht nach Hause führte. Er ging allein, ohne ihr anzubieten mitzukommen. Isabella blickte ihm verloren nach. </p>



<p>Zitternd sah er in ihr verweintes Gesicht und wollte ihr zuflüstern, dass sie es allein schaffen würde. Sein Atem reichte nicht. Er las in ihren Augen, dass sie ihm noch etwas sagen wollte.</p>



<p> Fabio starb auf den Fliesen der Bahnhofshalle, weil er eine Gruppe Jugendliche zurechtgewiesen hatte, die einen jungen Mann mit Down-Syndrom umkreisten und verspotteten. Sie traten ihm ins Gesicht, als er bereits am Boden lag. </p>



<p>Der hilflose Schrei Isabellas schallt bis heute durch das Gebäude, wenn man nur genau hinhört. Manche sagen, es wäre nur der Wind, der durch die Ritzen pfeift. </p>



<p>Als Fabio jr. geboren wurde, war sein Vater bereits sechs Monate tot und seine Mörder zu geringen Strafen verurteilt. Er kam mit Trisomie 21 zur Welt. Und mit dem großen Herz seines Vaters. </p>



<p>Wenn Isabella ihn heute ansieht, denkt sie dankbar an die Bank im Hochmoor und den Teppich aus Glückseligkeit.</p>
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		<title>DER SAND DER TRÄUME &#8230; Bello passt auf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 08:53:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen und Kindergeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am nächsten Abend wartete Emil schon ganz hibbelig im Bett.Die kleine silberne Dose stand auf seinem Nachttisch und glitzerte geheimnisvoll</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/der-sand-der-traeume-bello-passt-auf/">DER SAND DER TRÄUME &#8230; Bello passt auf</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p></p>



<p>Am nächsten Abend wartete Emil schon ganz hibbelig im Bett.<br>Die kleine silberne Dose stand auf seinem Nachttisch und glitzerte geheimnisvoll im Licht der Sternenlampe.<br>„Heute“, flüsterte Emil entschlossen, „möchte ich wissen, wie Bello sich fühlt.“<br>Bello war der Familienhund.<br>Ein wuscheliger brauner Mischling mit schiefen Ohren, einer feuchten Nase und der besonderen Fähigkeit, immer genau dort zu liegen, wo jemand gerade laufen wollte.<br>„Der schläft den ganzen Tag“, sagte Papa oft lachend.<br>Aber Emil war sich sicher: Bello musste nachts aufregende Geheimnisse erleben.<br>Also öffnete er vorsichtig die Dose.<br>Der goldene Schlafsand funkelte darin wie winzige Sterne.<br>Emil streute sich eine kleine Prise auf die Augenlider.<br>„Heute möchte ich Bello sein“, murmelte er schläfrig.<br>Kaum hatte er die Augen geschlossen, begann sein Bett zu schwanken wie ein kleines Boot.<br>Der Wind rauschte in seinen Ohren.<br>Und plötzlich…<br>…war alles anders.<br>Emil stand mitten im Wohnzimmer.<br>Aber irgendetwas stimmte nicht.<br>Der Tisch war riesengroß geworden.<br>Der Teppich sah aus wie ein Feld aus Wollgras.<br>Und warum roch plötzlich alles so unglaublich intensiv?<br>Emil schnupperte.<br>Er roch Kekse in der Küchenschublade.<br>Den Regen draußen auf der Straße.<br>Papas Schuhe im Flur.<br>Und sogar die Maus hinter der Wand.<br>„Wuff?“ machte Emil erschrocken.<br>Er blickte nach unten.<br>Pfoten!<br>Vier flauschige Hundepfoten!<br>Er wedelte aus Versehen mit dem Schwanz gegen die Kommode.<br>„Ich bin Bello!“ bellte er begeistert.<br>In diesem Moment hob Bello — also Emil — die Ohren.<br>Draußen!<br>Irgendetwas war draußen!<br>Er raste zur Haustür.<br>Jemand brauchte Hilfe.<br>Ohne zu wissen warum, wusste Emil es einfach.<br>Hundeherzen wissen solche Dinge manchmal.<br>Die Tür sprang auf und Emil flitzte hinaus in die Nacht.<br>Der Mond hing groß über den Dächern.<br>Der Wind trug tausend Gerüche durch die Straßen.<br>Und mitten dazwischen war ein Geruch, der Angst roch.<br>Emil folgte der Spur bis zum kleinen Park hinter der Schule.<br>Dort saß ein kleines Mädchen auf einer Schaukel und weinte leise.<br>Neben ihr lag ein umgestürzter Roller.<br>„Mamaaa…?“ schluchzte sie.<br>Das Mädchen hatte sich verlaufen.<br>Emil tappte vorsichtig näher.<br>Das Mädchen blickte auf.<br>„Bello?“<br>Emil wedelte freundlich.<br>Dann stupste er ihre Hand mit seiner Nase an.<br>Warme Nase bedeutete: Alles wird gut.<br>Das Mädchen lächelte vorsichtig.<br>„Kannst du mich nach Hause bringen?“<br>Emil bellte einmal.<br>Natürlich konnte er das.<br>Denn plötzlich wusste er genau, wo das Zuhause des Mädchens war.<br>Hunde wissen erstaunlich viel über Menschen.<br>Gemeinsam liefen sie durch die stillen Straßen.<br>Emil blieb immer dicht an ihrer Seite.<br>Als sie endlich um die Ecke bogen, sprang eine Frau erleichtert von einer Gartenmauer auf.<br>„Leni!“<br>Die Mutter lief ihrer Tochter entgegen und nahm sie fest in den Arm.<br>„Und Bello! Du lieber Himmel!“<br>Die Frau kraulte Emil hinter den Ohren.<br>Emil schloss glücklich die Augen.<br>Ohhh… Jetzt verstand er plötzlich alles.<br>Darum liebte Bello die Menschen so sehr.<br>Weil Hundeherzen riesengroß waren.<br>Und weil es das schönste Gefühl auf der Welt war, jemanden nach Hause zu bringen.<br>Langsam begann die Welt zu verschwimmen.<br>Der Mond wurde heller.<br>Die Stimmen leiser.<br>Und am nächsten Morgen wachte Emil in seinem Bett auf.<br>Bello lag schnarchend neben dem Bettkorb.<br>Emil setzte sich auf und betrachtete ihn lange.<br>Dann stand er auf, ging zu Bello hinüber und umarmte ihn fest.<br>„Du bist gar nicht faul“, sagte Emil leise. „Du passt einfach die ganze Zeit auf uns auf.“<br>Bello öffnete ein Auge.<br>Wedelte einmal müde mit dem Schwanz.<br>Und schlief weiter.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/der-sand-der-traeume-bello-passt-auf/">DER SAND DER TRÄUME &#8230; Bello passt auf</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>WIR SEHEN UNS</title>
		<link>https://stephan-heider.de/wir-sehen-uns/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 18:18:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kurioserweise trat ich gerade vor den Parkscheinautomaten, um die anderthalb Stunden zu bezahlen, die ich am Bett meines sterbenden Freundes</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/wir-sehen-uns/">WIR SEHEN UNS</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Kurioserweise trat ich gerade vor den Parkscheinautomaten, um die anderthalb Stunden zu bezahlen, die ich am Bett meines sterbenden Freundes verbracht hatte. Wir weinten und ich habe ihm den Rücken gerieben, der vom Dauerliegen juckte. Vorsichtig um die Lungendrainage herum. Dann schauten wir ein altes Fotoalbum an, so eines mit Fotoecken und Schwarzweiß-Bildern mit breitem Rahmen, auf denen er im vorderen Teil des Albums heiratete und weiter hinten vom Strand winkte. Vor fünfzig Jahren. Sein Mund stand beim Atmen offen und die zu groß gewordenen Zähne hervor. Die Sauerstoffmaschine pumpte zuverlässig ihre Arbeit in seine Nase. Ich verabschiedete mich ziemlich befangen, was sollte ich auch sagen. </p>



<p>2,50 Euro war es dem Automaten wert, dass mein Auto neunzig Minuten gewartet hatte, während ich einen Sterbenden tröstete. Im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten. Der Schweißausbruch war schon da, als ich den Fünfeuroschein zitternd in den Schlitz des Abrechners schob. Hätte ich überlebt, würde ich sicher behaupten, ein Fragezeichen auf dem Display gesehen zu haben, sinnbildlich für meine persönliche Frage nach dem Sinn all dessen. </p>



<p>Ich ging davon aus, gleich bei Kaffee und Keksen zu Hause zu sitzen und nun war ich schneller tot als mein Freund da oben in seinem intelligenten Pflegebett. </p>



<p>Die Frau hinter mir am Parkscheinautomat wusste nichts Besseres, als zu kreischen, nachdem mich mein Kammerflimmern zu Boden gedrückt hatte. Ich hatte noch nicht einmal das Wechselgeld entnommen, immerhin 2,50 Euro für den nächsten Besuch hier. Ich gebe der Frau keine Schuld, sie verfügte über keine Erste Hilfe Routine. Ich selbst hätte sie gehabt, aber die Frau ist ja nicht umgefallen, sondern ich. </p>



<p>Nur drücken hätte gereicht. Vier Minuten auf meinen Brustkorb. Dann waren die Profis da. Sie wusste es leider nicht, wie viel zu viele Menschen in Deutschland. Beide Arme gestreckt, mit dem Handballen tief in den Brustkorb hinein. Hundert Mal pro Minute. Das ist exakt der Takt von „Stayin‘ Alive“[,.] „Atemlos“ und, was ich besonders gelungen finde, „Highway toHell“[,.] Also für jeden Musikgeschmack etwas dabei. </p>



<p>Nichts, was kaputt gehen kann außer ein paar Rippen. Nur Mut, Frau, du brauchst keinen Kurs, mach einfach. Wir kennen uns nicht, aber ich brauche dich jetzt. Ihr Mut beschränkte sich aufs Schreien und ich starb unnötig am Fuße des Parkscheinautomaten. </p>



<p>Als mein Freund wenig später hinüberkam, war er ziemlich überrascht, dass ich schon auf ihn wartete. Schließlich war ich gerade erst quietschfidel mit den Worten: „Wir sehen uns“ aus seinem Sterbezimmer marschiert. Er kam auf mich zu, nahm mich in den Arm und drückte mich lange. Dann schob er mich eine Armlänge weit weg, sah mich an und sagte lächelnd: „Später, mein Freund.“ Seine Hände legten sich sanft auf mein Gesicht und seine Daumen schoben vorsichtig meine Augenlider hoch, die zuvor geschlossen waren, obwohl ich ihn klar gesehen hatte. Dann war mein Freund verschwunden und ich starrte an eine weiße Zimmerdecke. </p>



<p>Zwei Tage später standen sie mit feuchten Augen an meinem Krankenbett. Die kreischende Frau und der Ersthelfer, der sie am Parkscheinautomat gehört hatte und unverzüglich mein Herz massierte.</p>
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		<title>DER SAND DER TRÄUME</title>
		<link>https://stephan-heider.de/der-sand-der-traeume/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 06:34:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen und Kindergeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es war einmal ein kleiner Junge namens Emil, der niemals schlafen wollte.Nicht weil er nicht müde gewesen wäre – sondern</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><br>Es war einmal ein kleiner Junge namens Emil, der niemals schlafen wollte.<br>Nicht weil er nicht müde gewesen wäre – sondern weil die Welt einfach viel zu spannend war.<br>Abends hörte er unten in der Küche die Erwachsenen lachen.<br>Er hörte das Klappern von Tassen, leise Musik und manchmal sogar Geschichten, die nur erzählt wurden, wenn die Kinder schon im Bett lagen.</p>



<p><br>„Wenn ich schlafe“, dachte Emil oft, „verpasse ich vielleicht das Schönste.“<br>Darum lag er jede Nacht wach in seinem Bett, mit offenen Augen und tausend Gedanken im Kopf.<br>Eines Abends saß er wieder unter seiner Decke und lauschte den Stimmen aus dem Wohnzimmer, als seine Tante Clara leise die Tür öffnete.<br>Tante Clara war anders als die anderen Erwachsenen.<br>Sie trug bunte Socken, sammelte seltsame Steine in ihren Taschen und konnte so lachen, dass sogar traurige Menschen mitlachen mussten.</p>



<p><br>„Na? Wieder auf Weltwache?“ fragte sie lächelnd.<br>Emil nickte ernst.</p>



<p><br>„Ich will nichts verpassen.“</p>



<p><br>Tante Clara setzte sich zu ihm aufs Bett und strich ihm durchs Haar.<br>„Das habe ich früher auch gedacht“, sagte sie leise.<br>„Damals konnte ich selbst kaum schlafen.“</p>



<p><br>„Wirklich?“ fragte Emil erstaunt.</p>



<p><br>„Oh ja“, sagte sie. „Ich arbeitete nachts auf einer Station für Neugeborene. Dort lagen die winzigen Babys in ihren Bettchen und träumten ihre allerersten Träume.“</p>



<p><br>„Wovon träumen Babys?“ fragte Emil flüsternd.</p>



<p><br>Tante Clara lächelte geheimnisvoll.<br>„Am Anfang von nichts. Ihre Träume sind noch leer wie frisch gefallener Schnee.“</p>



<p><br>Dann griff sie langsam in ihre Manteltasche und holte eine winzige silberne Dose hervor.<br>Sie glitzerte im Mondlicht.<br>„Und genau deshalb“, sagte sie leise, „ist der Schlafsand von Neugeborenen etwas ganz Besonderes.“</p>



<p><br>Emils Augen wurden groß.<br>„Schlafsand?“</p>



<p><br>Tante Clara nickte und flüsterte: </p>



<p>„DER SAND DER TRÄUME&#8220;</p>



<p>„Eines Tages, nachdem ich einem Baby ganz behutsam den Schlaf aus den Äuglein gewischt hatte, rieb ich mir ganz unbewusst vor Müdigkeit meine Augen. Und da stellte ich etwas ganz Fantastisches fest.<br>Wenn man sich ein winziges bisschen Baby-Schlafsand auf die Augen streut, bevor man einschläft … dann kann man sich seinen eigenen Traum wünschen.“</p>



<p><br>Emil setzte sich auf.<br>„Einen eigenen Traum? Mit allem?“</p>



<p><br>„Mit allem“, sagte Tante Clara.<br>„Du kannst auf Drachen fliegen.<br>Mit Walen durch die Sterne schwimmen.<br>Mit Wölfen durch verschneite Wälder laufen.<br>Oder auf einer Wolke aus Pfannkuchen landen.“</p>



<p><br>Emil musste lachen.<br>„Das geht doch gar nicht!“</p>



<p><br>„In Träumen schon.“<br>Behutsam öffnete Tante Clara die Dose.<br>Darin glitzerte goldener Sand wie winzige Sterne.<br>Sie nahm eine kleine Prise zwischen ihre Finger und streute sie vorsichtig auf Emils Augenlider.<br>Der Sand fühlte sich kühl und weich an.</p>



<p><br>„Und jetzt?“ fragte Emil schläfrig.<br>„Jetzt musst du dir nur wünschen, wohin du reisen möchtest.“</p>



<p><br>Emil dachte kurz nach.<br>„Zu den fliegenden Inseln hinter dem Mond.“</p>



<p><br>„Eine ausgezeichnete Wahl“, sagte Tante Clara.</p>



<p><br>Dann zog sie ihm die Decke bis ans Kinn.<br>Zum ersten Mal freute Emil sich aufs Einschlafen.<br>Noch bevor draußen die letzte Lampe erlosch, glitt er bereits in seinen Traum.</p>



<p>Den schönsten und klarsten, den er jeh hatte.</p>



<p><br>Er flog auf dem Rücken eines riesigen weißen Vogels durch silberne Wolken.<br>Er sah Städte aus Licht.<br>Sprach mit Füchsen.<br>Und sprang von Insel zu Insel durch den Sternenhimmel.</p>



<p><br>Von da an liebte Emil die Nächte.<br>Jeden Abend streute er ein wenig Schlafsand auf seine Augen und erlebte neue fantastische Abenteuer.<br>Manchmal wurde er Pirat.<br>Manchmal Forscher.<br>Manchmal König eines unsichtbaren Landes.<br>Und morgens wachte er glücklich auf.</p>



<p><br>Nur Tante Clara sah manchmal ein wenig müde aus.<br>Denn seit sie ihr Geheimnis verschenkt hatte, schlief sie selbst wieder schlechter.<br>Aber wenn sie Emil morgens begeistert von seinen Träumen erzählen hörte, lächelte sie jedes Mal.<br>Denn manche Menschen schlafen schlechter,<br>damit andere wunderschön träumen können.</p>



<p><br>Und wenn du heute Nacht ganz genau hinsiehst,<br>findest du vielleicht auch ein wenig goldenen Sand auf deinem Kopfkissen.<br>Dann wünsche dir etwas Schönes.<br>Und schlaf gut.</p>



<p></p>



<p><em>Hinweis</em>: </p>



<p><em>Bei der Erarbeitung unserer eigenen Idee vom &#8222;Sand der Träume&#8220;, die als Einstieg für weitere Traumgeschichten dienen kann, wurde eine KI zu Rate gezogen, um eine kindgerechte Sprache zu gewährleisten.</em></p>
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		<title>TREU</title>
		<link>https://stephan-heider.de/treu/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 15:56:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Boris wollte nicht glauben, dass er gerade starb. Es tat zunächst nicht weh, fühlte sich aber unumkehrbar an.Vor zehn Sekunden</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/treu/">TREU</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Boris wollte nicht glauben, dass er gerade starb. Es tat zunächst nicht weh, fühlte sich aber unumkehrbar an.<br>Vor zehn Sekunden noch lag dieser Moment Jahrzehnte entfernt in der Zukunft.</p>



<p>Sein Leben lief perfekt am oberen Ende der Nahrungskette in einer mafiösen Struktur. Loyale Mitarbeiter und eine Frau, die ihm ergeben war. Auf seinem Weg hierher hatte er sehr viele Hindernisse aus dem Weg räumen müssen.</p>



<p><br>Vor wenigen Augenblicken noch genoss er ein Glas Weißwein zum Risotto und feilte an einer neuerlichen Ausrede für seine Gattin Gloria, die er achtlos einmal zuviel betrogen und zu häufig gedemütigt hatte.</p>



<p>Niemals hatte er erwartet, dass sein überhebliches Gefühl der absoluten Sicherheit gerade von ihr mit einem Hieb ad absurdum geführt werden könnte. In seinem hermetisch abgeriegelten Haus, in dem man von außen keinen Zugriff auf ihn hatte. Darauf legte er allergrößten Wert. Ließ es sich Unsummen kosten.</p>



<p>Völlig perplex, wie von einem durchdonnernden ICE beim unerlaubten Überqueren der Gleise eines Regionalbahnhofs überrascht, lag er nun auf dem Teppich und schnaufte Blut in das schlotzige Reisgericht.</p>



<p>Sein Schädel dröhnte, schließlich war er gerade eingeschlagen worden.</p>



<p>Auf der ihm zugewandten Wand ihres gemeinsamen Wohnzimmers sah er im Schatten der Stehlampe eine weibliche Silhouette im kurzen Kleid mühevoll die wertvolle Bronzeskulptur seines geliebten Stafford &#8222;Bullet&#8220; in die Höhe stemmen.<br>Jener Bullet, der soeben schon einen tiefen Abdruck seines metallenen Hundeschädels in Boris Kopf hinterlassen hatte.</p>



<p>So nah war er seinem treuen Hund selbst zu Lebzeiten des Vierbeiners nicht gekommen.</p>



<p><br>Durch Nebel in ein weites Weiß blickend sah Boris das Schattentheater, in dessen exklusiver Freakshow das Abbild des verdammten Köters in Glorias Händen immer wieder tief in einen länglichen Haufen Fleisch und Knochen herabschnellte.</p>



<p>Dieser zuckende Haufen war er. Das begriff Boris nun schmerzlich, während sein Körper dutzendfach vom Corpus Delikti getroffen wurde.</p>



<p>Gloria nahm sich ihre Genugtuung für die Jahre der Erniedrigung, die sie Boris verdankte. Kurz nachdem sie lächelnd das Risotto serviert hatte.</p>



<p><br>Fast zynisch peitschte gerade kraftvoll der Walkürenritt aus den sündhaft teuren Bowers &amp; Wilkins Lautsprechern ihre rasende Wut auf den wehenden Mähnen der akustischen Pferdenacken unaufhaltsam voran.</p>



<p>Boris hatte sich Wagner zum Essen aufgelegt, natürlich ganz „en Vogue“ auf Vinyl.</p>



<p>„Der Schatten bleibt immer farblos&#8220;, dachte Boris, während er sich beim Sterben zusah.</p>



<p><br>Bisher geschah Ableben für ihn meist in sattem Rot. Das Rot aus den Körpern seiner Konkurrenten.</p>



<p>In einem ruchlosen Leben hatte Boris auf seinem Weg nach ganz oben schon sehr viel davon gesehen. </p>



<p>Er selbst starb unbedeutend trist in Schwarz-Weiß.</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/treu/">TREU</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>Hannah</title>
		<link>https://stephan-heider.de/hannah/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 14:14:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ihre Seele ächzte unter der Last dieses Fehlers, den sie vor sechzehn Jahren gemacht hatte. Sie stützte tapfer ihre Mutter,</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/hannah/">Hannah</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ihre Seele ächzte unter der Last dieses Fehlers, den sie vor sechzehn Jahren gemacht hatte. Sie stützte tapfer ihre Mutter, deren Körper unter den Weinkrämpfen bebte, so wie jedes Jahr an diesem Ort.</p>



<p>„Geboren um zu Leben“ sang der Graf vom Band und schnitt damit gnadenlos die fragile Schutzhaut von der seelischen Wunde, die niemals heilen würde. In den ersten drei Jahren kam er noch persönlich zur Trauerfeier, um bei den Angehörigen zu sein. Es war ihm eine Herzensangelegenheit. </p>



<p>Die Gedenkstätte mit Hannahs Namen und denen der anderen Opfer war herausragend gepflegt. Niemals würden die Eltern und Geschwister sie aufgeben, auch wenn die Stadt sich noch so sehr bemühte, den Hinterbliebenen einen anderen Ort schmackhaft zu machen, um endlich mit der Bebauung des ansonsten herunter gekommenen Geländes zu beginnen. </p>



<p>Hannah und Katrin, die Zwillinge, hätten in diesem Jahr ausgelassen ihren vierunddreißigsten Geburtstag gefeiert. Wenn Hannah nicht tot wäre. Erdrückt am Fuße dieser Treppe.</p>



<p>Eigentlich war Hannah die Vernünftige der beiden und Katrin das verrückte Huhn, das nur Unfug im Kopf hatte. Wie konnte das Schicksal so grausam sein, dass ausgerechnet Katrin Kopfschmerzen hatte, am 24. Juli 2010. </p>



<p>Wäre es andersherum gewesen, würden beide Mädchen noch leben, denn niemals hätte ihre Mutter Katrin allein zur Loveparade gehen lassen. Aber bei Hannah gab es keinen Grund nein zu sagen, sie war die Vernunft in Person. </p>



<p>Seit Hannahs Tod hatte sich das geändert. </p>



<p>„Ach Katrin“, sagte ihre Mutter irgendwann einmal, „Du bist so schnell erwachsen geworden. Kaum wieder zu erkennen. Aus dem unzähmbaren Teenie ist über Nacht eine grundvernünftige und umsichtige Frau geworden. Das hätte ich nie erwartet. Es tut mir so leid, dass es so gekommen ist.“ </p>



<p>Wie sollte Hannah jemals ihrer Mutter erklären, dass sie vor sechzehn Jahren, am Morgen des 24. Juli die Rollen mit Katrin getauscht hatte, weil sie sie darum gebeten hatte. Katrin wollte doch so gerne zur Loveparade.</p>



<p>Als sie es ihr kurz nach dem Unglück gebeichtet hatte, erlitt ihre Mutter eine Hirnblutung, der ein mehrwöchiges Koma und eine monatelange Rekonvaleszenz folgten. An die Stunden vor der Hirnblutung und Hannahs Geständnis konnte sie sich danach nicht mehr erinnern.</p>



<p>Immer wenn ihre Mutter sie lange nachdenklich ansah, betete Hannah inständig, dass es für immer so blieb.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/hannah/">Hannah</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>Mein feiges Spieglein</title>
		<link>https://stephan-heider.de/mein-feiges-spieglein/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 13:54:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ach, Spieglein klein, ich bin recht fein, so verlässlich und auch ehrlich. Ach, Spieglein klein, du bist so rein, sehr</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/mein-feiges-spieglein/">Mein feiges Spieglein</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ach, Spieglein klein, ich bin recht fein, so verlässlich und auch ehrlich. </p>



<p>Ach, Spieglein klein, du bist so rein, sehr gut zu mir und nicht gefährlich. </p>



<p>Ach, Spieglein klar, wie bin ich rar, so selten wie die edlen Weine. </p>



<p>Ach, Spieglein klar, bist für mich da, für mich allein und sonst für keine. </p>



<p>Ach, Spieglein Gold, ich bin so hold, du siehst in mir niemals das Schlechte. </p>



<p>Ach, Spieglein Gold, hast nie gewollt, dass ich geh mit mir ins Rechte. </p>



<p>Mein Spieglein, es ist deine Kunst, aus dir schauen andere töricht raus. Spiegelst mich in voller Gunst, und blendest meine Fehler aus.</p>



<p>Doch euer Spieglein zeigt mich hässlich, malt unverschämt ein fieses Schwein. Ach, Spieglein mein, nur du verlässlich, schau selbstverliebt in dich hinein. </p>



<p>Ach, Spieglein dein, du machst mich irr, die Fratze drin kann ich nicht sein. Ich greif nach dir, so rasend wirr, und schlage deine Scheibe ein. </p>



<p>Dein Spieglein nun entzwei zerbricht, die Splitter überall verteilt. Zerschneiden deine Zuversicht, tiefe Wunde, die nicht heilt. </p>



<p>Im Nachhinein tut es mir leid, nicht in dich geblickt zu haben. Ich glaub, es ist nun an der Zeit, mein Selbstbild mal zu hinterfragen. </p>



<p>Ach, eignes Spieglein, bist glasklar, doch gerne du die Wahrheit biegst. Der fremde Spiegel spricht oft wahr, wenn du mir in die Tasche lügst. </p>



<p>Ach, Spieglein mein, ich muss erkunden, viele Bilder muss man schauen. Ich glaub, ich habe dich erfunden, um selbst mich übers Ohr zu hauen. </p>



<p>Ach, Spieglein dein, was sag ich dir, in deiner Tiefe klaffen Kerben. Jetzt steh ich ganz alleine hier, zu meinen Füßen, deine Scherben. </p>



<p>Ach, Spieglein dein, vermiss dich sehr, niemand sagt mir mehr die Wahrheit. Es gibt kein andres Spieglein mehr, das reflektieren kann mit Klarheit.</p>



<p>Dein Schliff, versteh nun wie er ist, ach du mein verklärter Spiegel. Selbstgerecht und feig und trist, nur Kristall mit Egosiegel. </p>



<p>Und die Moral von der Geschicht, ein Spiegel nie die Wahrheit spricht. Für ein Bild von mir komplett, brauch ich ein Spiegelkabinett. </p>



<p>Wer scheubeklappt in seinen starrt, und nicht nutzt Vielspiegelei. In eigner Herrlichkeit verharrt, stirbt dummschlau wie ein Spiegel-Ei.</p>
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		<title>In meiner Hand</title>
		<link>https://stephan-heider.de/in-meiner-hand/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 20:23:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Milos Fingerspitzen lagen entspannt auf dem, von Flöten und Geigen gekitzelten Paukenfell. Sie tasteten Ennio Morricones „Once Upon a Time</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/in-meiner-hand/">In meiner Hand</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p></p>



<p>Milos Fingerspitzen lagen entspannt auf dem, von Flöten und Geigen gekitzelten Paukenfell. Sie tasteten Ennio Morricones „Once Upon a Time in America“, das leise aus dem Lautsprecher in der umgebauten Trommel klang. </p>



<p>Das selbstgebaute Konstrukt sorgte dafür, dass Milos die Musik fühlen und sich mental aus der Jetzt-Welt nehmen konnte. </p>



<p>Seine linke Hand lag bewegungslos zu seinen Füßen unterhalb des Lehnstuhls. Mit ihr am Arm wollte es ihm nicht gelingen in Verbindung mit seiner Erinnerung zu treten. Genau aus diesem Grund hatte er sie sich vor einer Stunde abgenommen und achtlos hingeschmissen, ohne mit der Wimper zu zucken. Er sah auf den rosafarbenen Stumpf am Ende seines Arms und dachte nach. </p>



<p>Die Klassifizierung auf der berühmten persönlichen Skala von eins „belanglos“ bis zehn „undenkbar“ fiel bei der Frage </p>



<p>„Wie empfindest du das Töten von Lebewesen?“</p>



<p> vielen Menschen leicht, solange es sich um möglichst kleine und eklige Insekten handelte. Die unbarmherzige Ausrottung von Wespen oder Spinnen auf Knopfdruck war ihm als reizvolle Idee mancher Phobiker auch schon zu Ohren gekommen. Auf der Stufe Eins die Schädlinge. Ein emotionsfreies Kinderspiel sie zu zerquetschen. Und auf der Stufe Zehn die Menschen. Undenkbar, einem von ihnen das Leben zu nehmen. </p>



<p>Milos fragte sich, woher der Irrglaube kam und dachte über den Moment nach, als sich seine persönliche Werte-Skala von jetzt auf gleich umgekehrt hatte.</p>



<p>Der Moment als Amelie ihm vom Arm gerissen wurde, lag seinem Gedächtnis nur als schwarz gefärbter Piepton vor. Die Bilder endeten kurz vor der Explosion und setzten erst wieder im Krankenhaus ein. </p>



<p>Ihre kleine Kinderhand in Seiner kehrte als Phantomgefühl zurück, sobald er sich in diese Ruhe begab. Die Plastikhand, die sie ihm angestückelt hatten, konnte er in diesem Moment weiß Gott nicht gebrauchen. </p>



<p>Tröstlich, dass Amelie die Hand ihres Vaters hielt und mitnahm, als sie starb. Das Phantomgefühl war für ihn vielleicht sogar intensiver und verblasste nicht im Laufe der Zeit. Das konnte nur ein Gehirn leisten. Keine Hand konnte das. Keine Hand, die an ihm geblieben wäre und nie wieder etwas anderes hätte anfassen dürfen, um die letzte Berührung seines kleinen Mädchens zu konservieren. </p>



<p>Deshalb war er mit der Prothese im Reinen. </p>



<p>Judith kam von links ins Wohnzimmer, die Seite auf der Milos taub war. Das Gehör war ihm mit seiner Hand weggesprengt worden, als Amelie auf die Landmine trat. </p>



<p>Judith lächelte mitfühlend, als sie hinter dem Lehnstuhl um ihren Lebensgefährten herumging und ihm leise ins gute Ohr flüsterte: </p>



<p>„Gehst du wieder mit Amelie spazieren?“</p>



<p>Milos lächelte die Frau, die seine Werte-Skala wieder auf zehn für alles Leben justierte, liebevoll an. </p>



<p>Dann sah der alt gewordene Mann wieder auf den Armstumpf, an dem er die Hand seiner Tochter immer noch genau so fühlen konnte, wie in ihrem letzten Moment vor drei Jahrzehnten.</p>



<p>Lebendig &#8211; Warm &#8211; Vereint. </p>



<p>Das Gefühl, dass ihn seither Tag für Tag am leben hielt.</p>



<p>„Ja, so wie jeden Abend“, antwortete er.</p>



<p>Seine Stimme klang mild.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/in-meiner-hand/">In meiner Hand</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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