DER SAND DER TRÄUME


Es war einmal ein kleiner Junge namens Emil, der niemals schlafen wollte.
Nicht weil er nicht müde gewesen wäre – sondern weil die Welt einfach viel zu spannend war.
Abends hörte er unten in der Küche die Erwachsenen lachen.
Er hörte das Klappern von Tassen, leise Musik und manchmal sogar Geschichten, die nur erzählt wurden, wenn Kinder schon im Bett lagen.
„Wenn ich schlafe“, dachte Emil oft, „verpasse ich vielleicht das Schönste.“
Darum lag er jede Nacht wach in seinem Bett, mit offenen Augen und tausend Gedanken im Kopf.
Eines Abends saß er wieder unter seiner Decke und lauschte den Stimmen aus dem Wohnzimmer, als seine Tante Clara leise die Tür öffnete.
Tante Clara war anders als die anderen Erwachsenen.
Sie trug bunte Socken, sammelte seltsame Steine in ihren Taschen und konnte so lachen, dass sogar traurige Menschen mitlachen mussten.
„Na? Wieder auf Weltwache?“ fragte sie lächelnd.
Emil nickte ernst.
„Ich will nichts verpassen.“
Tante Clara setzte sich zu ihm aufs Bett und strich ihm durchs Haar.
„Das habe ich früher auch gedacht“, sagte sie leise.
„Damals konnte ich selbst kaum schlafen.“
„Wirklich?“ fragte Emil erstaunt.
„Oh ja“, sagte sie. „Ich arbeitete nachts auf einer Station für Neugeborene. Dort lagen die winzigen Babys in ihren Bettchen und träumten ihre allerersten Träume.“
„Wovon träumen Babys?“ fragte Emil flüsternd.
Tante Clara lächelte geheimnisvoll.
„Am Anfang von nichts. Ihre Träume sind noch leer wie frisch gefallener Schnee.“
Dann griff sie langsam in ihre Manteltasche und holte eine winzige silberne Dose hervor.
Sie glitzerte im Mondlicht.
„Und genau deshalb“, sagte sie leise, „ist der Schlafsand von Neugeborenen etwas ganz Besonderes.“
Emils Augen wurden groß.
„Schlafsand?“
Tante Clara nickte.

„Eines Tages, nachdem ich einem Baby ganz behutsam den Schlaf aus den Äuglein gewischt hatte, rieb ich mir ganz unbewusst vor Müdigkeit meine Augen. Und da stellte ich etwas ganz Fantastisches fest.
Wenn man sich ein kleines bisschen Baby Schlafsand auf die Augen streut, bevor man einschläft … dann kann man sich seinen Traum wünschen.“
Emil setzte sich auf.
„Einen richtigen Traum? Mit allem?“
„Mit allem“, sagte Tante Clara.
„Du kannst auf Drachen fliegen.
Mit Walen durch die Sterne schwimmen.
Mit Wölfen durch verschneite Wälder laufen.
Oder auf einer Wolke aus Pfannkuchen landen.“
Emil musste lachen.
„Das geht doch gar nicht!“
„In Träumen schon.“
Behutsam öffnete Tante Clara die Dose.
Darin glitzerte goldener Sand wie winzige Sterne.
Sie nahm eine kleine Prise zwischen ihre Finger und streute sie vorsichtig auf Emils Augenlider.
Der Sand fühlte sich kühl und weich an.
„Und jetzt?“ fragte Emil schläfrig.
„Jetzt musst du dir nur wünschen, wohin du reisen möchtest.“
Emil dachte kurz nach.
„Zu den fliegenden Inseln hinter dem Mond.“
„Eine ausgezeichnete Wahl“, sagte Tante Clara.
Dann zog sie ihm die Decke bis ans Kinn.
Zum ersten Mal freute Emil sich aufs Einschlafen.
Noch bevor draußen die letzte Lampe erlosch, glitt er bereits in seinen Traum.
Er flog auf dem Rücken eines riesigen weißen Vogels durch silberne Wolken.
Er sah Städte aus Licht.
Sprach mit Füchsen.
Und sprang von Insel zu Insel durch den Sternenhimmel.
Von da an liebte Emil die Nächte.
Jeden Abend streute er ein wenig Schlafsand auf seine Augen und erlebte neue Abenteuer.
Manchmal wurde er Pirat.
Manchmal Forscher.
Manchmal König eines unsichtbaren Landes.
Und morgens wachte er glücklich auf.
Nur Tante Clara sah manchmal ein wenig müde aus.
Denn seit sie ihr Geheimnis verschenkt hatte, schlief sie selbst wieder schlechter.
Aber wenn sie Emil morgens begeistert von seinen Träumen erzählen hörte, lächelte sie jedes Mal.
Denn manche Menschen schlafen schlechter,
damit andere wunderschön träumen können.
Und wenn du heute Nacht ganz genau hinsiehst,
findest du vielleicht auch ein wenig goldenen Sand auf deinem Kopfkissen.
Dann wünsche dir etwas Schönes.
Und schlaf gut.

Hinweis:

Bei der Erarbeitung unserer eigenen Idee vom „Sand der Träume“, die als Einstieg für weitere Traumgeschichten dienen kann, wurde eine KI zu Rate gezogen, um eine kindgerechte Sprache zu gewährleisten.