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	<title>Stephan Heider</title>
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	<description>Leben - Fühlen - Schreiben!</description>
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	<title>Stephan Heider</title>
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		<title>DOWN</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 May 2026 16:06:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Worte plätscherten unverständlich, wie ein grauer Regen, auf seinen gekrümmten Körper in der Bahnhofshalle. In seiner Lautstärke zunehmend, schnitt sich</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/down/">DOWN</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<p>Worte plätscherten unverständlich, wie ein grauer Regen, auf seinen gekrümmten Körper in der Bahnhofshalle. In seiner Lautstärke zunehmend, schnitt sich ein Name durch den diffusen Wortnebel in seinen hämmernden Schädel, der unter dem Druck des Geschehenen zu bersten drohte. </p>



<p>Es war sein Name. „Fabio… Fabio… Fabio…!“ </p>



<p>Dann war er schmerzfrei. Saß auf der Bank, die er so liebte. Der Sommernachmittag im Hochmoor war traumhaft schön und seine nackten Zehen spielten mit dem warmen Holz des Wandersteges, der sich an dieser Stelle gabelte. Der grazile Fuß Isabellas, die neben ihm saß, kitzelte mit seinen rot lackierten Nägeln an seiner Wade. </p>



<p>Isabella, dieses wunderbare Geschöpf aus Schönheit und Selbstzweifeln. Sie war auf einem guten Weg das zweite Bein auf den Boden des Lebens zu bringen. Die Heidepflanzen leuchteten farbenfroh, wie ein weicher Teppich aus Glückseligkeit. </p>



<p>„Fabio… Fabio…!“ Warum weinte Isabella? Wieder stachen die Schmerzen in seinen Kopf und die Kälte der harten Fliesen kroch in ihn hinein, um seinen Körper unrhythmisch zu schütteln. Hektisch gerufene Fragmente drangen zu ihm durch. </p>



<p>„Legt ihm doch eine Decke…“, </p>



<p>„Wo sind die feigen Schweine“, </p>



<p>„Verdammt, wo bleibt denn der Rettungswagen?“</p>



<p>Er erinnerte sich, dass ihn etwas traf und er zu Boden ging. Warum nur war er mit Isabella am Bahnhof. Oh Gott. Die schweren Stiefel. Der behinderte Junge. Der Spott. </p>



<p>Ja, sie wollten Isabellas Schwester abholen, die aus ihrem Auslandsjahr zurückkam. Ansonsten würden sie sich doch nie in der Bahnhofshalle aufhalten. </p>



<p>„Lass die Typen“, </p>



<p>Isabella hatte Angst. </p>



<p>„Das sind doch nur Kids“, erinnerte er sich an seine beruhigenden Worte. </p>



<p>Im Moor: Isabella drückte sich an ihn und zeigte auf die sinkende Sonne. </p>



<p>„Ich liebe dich, Fabio. Du hast mich erst zum Leben erweckt. Ohne dich, wäre ich total kaputt.“</p>



<p> Fabio sah sie lange an. Er lächelte, stand auf und lief über den Steg, den sie sonst nicht gingen. Der Steg, der nicht nach Hause führte. Er ging allein, ohne ihr anzubieten mitzukommen. Isabella sah ihm verloren nach. </p>



<p>Zitternd sah er in ihr verweintes Gesicht und wollte ihr zuflüstern, dass sie es allein schaffen würde. Sein Atem reichte nicht. Er las in ihren Augen, dass sie ihm noch etwas sagen wollte.</p>



<p> Fabio starb auf den Fliesen der Bahnhofshalle, weil er eine Gruppe Jugendliche zurechtgewiesen hatte, die einen jungen Mann mit Down-Syndrom umkreisten und verspotteten. Sie traten ihm ins Gesicht, als er bereits am Boden lag. </p>



<p>Der hilflose Schrei Isabellas schallt bis heute durch das Gebäude, wenn man nur genau hinhört. Manche sagen, es wäre nur der Wind, der durch die Ritzen pfeift. </p>



<p>Als Fabio jr. geboren wurde, war sein Vater bereits sechs Monate tot und seine Mörder zu geringen Strafen verurteilt. Er kam mit Trisomie 21 zur Welt. Und mit dem großen Herz seines Vaters. </p>



<p>Wenn Isabella ihn heute ansieht, denkt sie dankbar an die Bank im Hochmoor und den Teppich aus Glückseligkeit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/down/">DOWN</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>DER SAND DER TRÄUME &#8230; Bello passt auf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 08:53:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen und Kindergeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am nächsten Abend wartete Emil schon ganz hibbelig im Bett.Die kleine silberne Dose stand auf seinem Nachttisch und glitzerte geheimnisvoll</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/der-sand-der-traeume-bello-passt-auf/">DER SAND DER TRÄUME &#8230; Bello passt auf</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<p></p>



<p>Am nächsten Abend wartete Emil schon ganz hibbelig im Bett.<br>Die kleine silberne Dose stand auf seinem Nachttisch und glitzerte geheimnisvoll im Licht der Sternenlampe.<br>„Heute“, flüsterte Emil entschlossen, „möchte ich wissen, wie Bello sich fühlt.“<br>Bello war der Familienhund.<br>Ein wuscheliger brauner Mischling mit schiefen Ohren, einer feuchten Nase und der besonderen Fähigkeit, immer genau dort zu liegen, wo jemand gerade laufen wollte.<br>„Der schläft den ganzen Tag“, sagte Papa oft lachend.<br>Aber Emil war sich sicher: Bello musste nachts aufregende Geheimnisse erleben.<br>Also öffnete er vorsichtig die Dose.<br>Der goldene Schlafsand funkelte darin wie winzige Sterne.<br>Emil streute sich eine kleine Prise auf die Augenlider.<br>„Heute möchte ich Bello sein“, murmelte er schläfrig.<br>Kaum hatte er die Augen geschlossen, begann sein Bett zu schwanken wie ein kleines Boot.<br>Der Wind rauschte in seinen Ohren.<br>Und plötzlich…<br>…war alles anders.<br>Emil stand mitten im Wohnzimmer.<br>Aber irgendetwas stimmte nicht.<br>Der Tisch war riesengroß geworden.<br>Der Teppich sah aus wie ein Feld aus Wollgras.<br>Und warum roch plötzlich alles so unglaublich intensiv?<br>Emil schnupperte.<br>Er roch Kekse in der Küchenschublade.<br>Den Regen draußen auf der Straße.<br>Papas Schuhe im Flur.<br>Und sogar die Maus hinter der Wand.<br>„Wuff?“ machte Emil erschrocken.<br>Er blickte nach unten.<br>Pfoten!<br>Vier flauschige Hundepfoten!<br>Er wedelte aus Versehen mit dem Schwanz gegen die Kommode.<br>„Ich bin Bello!“ bellte er begeistert.<br>In diesem Moment hob Bello — also Emil — die Ohren.<br>Draußen!<br>Irgendetwas war draußen!<br>Er raste zur Haustür.<br>Jemand brauchte Hilfe.<br>Ohne zu wissen warum, wusste Emil es einfach.<br>Hundeherzen wissen solche Dinge manchmal.<br>Die Tür sprang auf und Emil flitzte hinaus in die Nacht.<br>Der Mond hing groß über den Dächern.<br>Der Wind trug tausend Gerüche durch die Straßen.<br>Und mitten dazwischen war ein Geruch, der Angst roch.<br>Emil folgte der Spur bis zum kleinen Park hinter der Schule.<br>Dort saß ein kleines Mädchen auf einer Schaukel und weinte leise.<br>Neben ihr lag ein umgestürzter Roller.<br>„Mamaaa…?“ schluchzte sie.<br>Das Mädchen hatte sich verlaufen.<br>Emil tappte vorsichtig näher.<br>Das Mädchen blickte auf.<br>„Bello?“<br>Emil wedelte freundlich.<br>Dann stupste er ihre Hand mit seiner Nase an.<br>Warme Nase bedeutete: Alles wird gut.<br>Das Mädchen lächelte vorsichtig.<br>„Kannst du mich nach Hause bringen?“<br>Emil bellte einmal.<br>Natürlich konnte er das.<br>Denn plötzlich wusste er genau, wo das Zuhause des Mädchens war.<br>Hunde wissen erstaunlich viel über Menschen.<br>Gemeinsam liefen sie durch die stillen Straßen.<br>Emil blieb immer dicht an ihrer Seite.<br>Als sie endlich um die Ecke bogen, sprang eine Frau erleichtert von einer Gartenmauer auf.<br>„Leni!“<br>Die Mutter lief ihrer Tochter entgegen und nahm sie fest in den Arm.<br>„Und Bello! Du lieber Himmel!“<br>Die Frau kraulte Emil hinter den Ohren.<br>Emil schloss glücklich die Augen.<br>Ohhh… Jetzt verstand er plötzlich alles.<br>Darum liebte Bello die Menschen so sehr.<br>Weil Hundeherzen riesengroß waren.<br>Und weil es das schönste Gefühl auf der Welt war, jemanden nach Hause zu bringen.<br>Langsam begann die Welt zu verschwimmen.<br>Der Mond wurde heller.<br>Die Stimmen leiser.<br>Und am nächsten Morgen wachte Emil in seinem Bett auf.<br>Bello lag schnarchend neben dem Bettkorb.<br>Emil setzte sich auf und betrachtete ihn lange.<br>Dann stand er auf, ging zu Bello hinüber und umarmte ihn fest.<br>„Du bist gar nicht faul“, sagte Emil leise. „Du passt einfach die ganze Zeit auf uns auf.“<br>Bello öffnete ein Auge.<br>Wedelte einmal müde mit dem Schwanz.<br>Und schlief weiter.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/der-sand-der-traeume-bello-passt-auf/">DER SAND DER TRÄUME &#8230; Bello passt auf</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>WIR SEHEN UNS</title>
		<link>https://stephan-heider.de/wir-sehen-uns/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 18:18:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kurioserweise trat ich gerade vor den Parkscheinautomaten, um die anderthalb Stunden zu bezahlen, die ich am Bett meines sterbenden Freundes</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/wir-sehen-uns/">WIR SEHEN UNS</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Kurioserweise trat ich gerade vor den Parkscheinautomaten, um die anderthalb Stunden zu bezahlen, die ich am Bett meines sterbenden Freundes verbracht hatte. Wir weinten und ich habe ihm den Rücken gerieben, der vom Dauerliegen juckte. Vorsichtig um die Lungendrainage herum. Dann schauten wir ein altes Fotoalbum an, so eines mit Fotoecken und Schwarzweiß-Bildern mit breitem Rahmen, auf denen er im vorderen Teil des Albums heiratete und weiter hinten vom Strand winkte. Vor fünfzig Jahren. Sein Mund stand beim Atmen offen und die zu groß gewordenen Zähne hervor. Die Sauerstoffmaschine pumpte zuverlässig ihre Arbeit in seine Nase. Ich verabschiedete mich ziemlich befangen, was sollte ich auch sagen. </p>



<p>2,50 Euro war es dem Automaten wert, dass mein Auto neunzig Minuten gewartet hatte, während ich einen Sterbenden tröstete. Im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten. Der Schweißausbruch war schon da, als ich den Fünfeuroschein zitternd in den Schlitz des Abrechners schob. Hätte ich überlebt, würde ich sicher behaupten, ein Fragezeichen auf dem Display gesehen zu haben, sinnbildlich für meine persönliche Frage nach dem Sinn all dessen. </p>



<p>Ich ging davon aus, gleich bei Kaffee und Keksen zu Hause zu sitzen und nun war ich schneller tot als mein Freund da oben in seinem intelligenten Pflegebett. </p>



<p>Die Frau hinter mir am Parkscheinautomat wusste nichts Besseres, als zu kreischen, nachdem mich mein Kammerflimmern zu Boden gedrückt hatte. Ich hatte noch nicht einmal das Wechselgeld entnommen, immerhin 2,50 Euro für den nächsten Besuch hier. Ich gebe der Frau keine Schuld, sie verfügte über keine Erste Hilfe Routine. Ich selbst hätte sie gehabt, aber die Frau ist ja nicht umgefallen, sondern ich. </p>



<p>Nur drücken hätte gereicht. Vier Minuten auf meinen Brustkorb. Dann waren die Profis da. Sie wusste es leider nicht, wie viel zu viele Menschen in Deutschland. Beide Arme gestreckt, mit dem Handballen tief in den Brustkorb hinein. Hundert Mal pro Minute. Das ist exakt der Takt von „Stayin‘ Alive“[,.] „Atemlos“ und, was ich besonders gelungen finde, „Highway toHell“[,.] Also für jeden Musikgeschmack etwas dabei. </p>



<p>Nichts, was kaputt gehen kann außer ein paar Rippen. Nur Mut, Frau, du brauchst keinen Kurs, mach einfach. Wir kennen uns nicht, aber ich brauche dich jetzt. Ihr Mut beschränkte sich aufs Schreien und ich starb unnötig am Fuße des Parkscheinautomaten. </p>



<p>Als mein Freund wenig später hinüberkam, war er ziemlich überrascht, dass ich schon auf ihn wartete. Schließlich war ich gerade erst quietschfidel mit den Worten: „Wir sehen uns“ aus seinem Sterbezimmer marschiert. Er kam auf mich zu, nahm mich in den Arm und drückte mich lange. Dann schob er mich eine Armlänge weit weg, sah mich an und sagte lächelnd: „Später, mein Freund.“ Seine Hände legten sich sanft auf mein Gesicht und seine Daumen schoben vorsichtig meine Augenlider hoch, die zuvor geschlossen waren, obwohl ich ihn klar gesehen hatte. Dann war mein Freund verschwunden und ich starrte an eine weiße Zimmerdecke. </p>



<p>Zwei Tage später standen sie mit feuchten Augen an meinem Krankenbett. Die kreischende Frau und der Ersthelfer, der sie am Parkscheinautomat gehört hatte und unverzüglich mein Herz massierte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/wir-sehen-uns/">WIR SEHEN UNS</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>DER SAND DER TRÄUME</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 06:34:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen und Kindergeschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es war einmal ein kleiner Junge namens Emil, der niemals schlafen wollte.Nicht weil er nicht müde gewesen wäre – sondern</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/der-sand-der-traeume/">DER SAND DER TRÄUME</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><br>Es war einmal ein kleiner Junge namens Emil, der niemals schlafen wollte.<br>Nicht weil er nicht müde gewesen wäre – sondern weil die Welt einfach viel zu spannend war.<br>Abends hörte er unten in der Küche die Erwachsenen lachen.<br>Er hörte das Klappern von Tassen, leise Musik und manchmal sogar Geschichten, die nur erzählt wurden, wenn die Kinder schon im Bett lagen.</p>



<p><br>„Wenn ich schlafe“, dachte Emil oft, „verpasse ich vielleicht das Schönste.“<br>Darum lag er jede Nacht wach in seinem Bett, mit offenen Augen und tausend Gedanken im Kopf.<br>Eines Abends saß er wieder unter seiner Decke und lauschte den Stimmen aus dem Wohnzimmer, als seine Tante Clara leise die Tür öffnete.<br>Tante Clara war anders als die anderen Erwachsenen.<br>Sie trug bunte Socken, sammelte seltsame Steine in ihren Taschen und konnte so lachen, dass sogar traurige Menschen mitlachen mussten.</p>



<p><br>„Na? Wieder auf Weltwache?“ fragte sie lächelnd.<br>Emil nickte ernst.</p>



<p><br>„Ich will nichts verpassen.“</p>



<p><br>Tante Clara setzte sich zu ihm aufs Bett und strich ihm durchs Haar.<br>„Das habe ich früher auch gedacht“, sagte sie leise.<br>„Damals konnte ich selbst kaum schlafen.“</p>



<p><br>„Wirklich?“ fragte Emil erstaunt.</p>



<p><br>„Oh ja“, sagte sie. „Ich arbeitete nachts auf einer Station für Neugeborene. Dort lagen die winzigen Babys in ihren Bettchen und träumten ihre allerersten Träume.“</p>



<p><br>„Wovon träumen Babys?“ fragte Emil flüsternd.</p>



<p><br>Tante Clara lächelte geheimnisvoll.<br>„Am Anfang von nichts. Ihre Träume sind noch leer wie frisch gefallener Schnee.“</p>



<p><br>Dann griff sie langsam in ihre Manteltasche und holte eine winzige silberne Dose hervor.<br>Sie glitzerte im Mondlicht.<br>„Und genau deshalb“, sagte sie leise, „ist der Schlafsand von Neugeborenen etwas ganz Besonderes.“</p>



<p><br>Emils Augen wurden groß.<br>„Schlafsand?“</p>



<p><br>Tante Clara nickte und flüsterte: </p>



<p>„DER SAND DER TRÄUME&#8220;</p>



<p>„Eines Tages, nachdem ich einem Baby ganz behutsam den Schlaf aus den Äuglein gewischt hatte, rieb ich mir ganz unbewusst vor Müdigkeit meine Augen. Und da stellte ich etwas ganz Fantastisches fest.<br>Wenn man sich ein winziges bisschen Baby-Schlafsand auf die Augen streut, bevor man einschläft … dann kann man sich seinen eigenen Traum wünschen.“</p>



<p><br>Emil setzte sich auf.<br>„Einen eigenen Traum? Mit allem?“</p>



<p><br>„Mit allem“, sagte Tante Clara.<br>„Du kannst auf Drachen fliegen.<br>Mit Walen durch die Sterne schwimmen.<br>Mit Wölfen durch verschneite Wälder laufen.<br>Oder auf einer Wolke aus Pfannkuchen landen.“</p>



<p><br>Emil musste lachen.<br>„Das geht doch gar nicht!“</p>



<p><br>„In Träumen schon.“<br>Behutsam öffnete Tante Clara die Dose.<br>Darin glitzerte goldener Sand wie winzige Sterne.<br>Sie nahm eine kleine Prise zwischen ihre Finger und streute sie vorsichtig auf Emils Augenlider.<br>Der Sand fühlte sich kühl und weich an.</p>



<p><br>„Und jetzt?“ fragte Emil schläfrig.<br>„Jetzt musst du dir nur wünschen, wohin du reisen möchtest.“</p>



<p><br>Emil dachte kurz nach.<br>„Zu den fliegenden Inseln hinter dem Mond.“</p>



<p><br>„Eine ausgezeichnete Wahl“, sagte Tante Clara.</p>



<p><br>Dann zog sie ihm die Decke bis ans Kinn.<br>Zum ersten Mal freute Emil sich aufs Einschlafen.<br>Noch bevor draußen die letzte Lampe erlosch, glitt er bereits in seinen Traum.</p>



<p>Den schönsten und klarsten, den er jeh hatte.</p>



<p><br>Er flog auf dem Rücken eines riesigen weißen Vogels durch silberne Wolken.<br>Er sah Städte aus Licht.<br>Sprach mit Füchsen.<br>Und sprang von Insel zu Insel durch den Sternenhimmel.</p>



<p><br>Von da an liebte Emil die Nächte.<br>Jeden Abend streute er ein wenig Schlafsand auf seine Augen und erlebte neue fantastische Abenteuer.<br>Manchmal wurde er Pirat.<br>Manchmal Forscher.<br>Manchmal König eines unsichtbaren Landes.<br>Und morgens wachte er glücklich auf.</p>



<p><br>Nur Tante Clara sah manchmal ein wenig müde aus.<br>Denn seit sie ihr Geheimnis verschenkt hatte, schlief sie selbst wieder schlechter.<br>Aber wenn sie Emil morgens begeistert von seinen Träumen erzählen hörte, lächelte sie jedes Mal.<br>Denn manche Menschen schlafen schlechter,<br>damit andere wunderschön träumen können.</p>



<p><br>Und wenn du heute Nacht ganz genau hinsiehst,<br>findest du vielleicht auch ein wenig goldenen Sand auf deinem Kopfkissen.<br>Dann wünsche dir etwas Schönes.<br>Und schlaf gut.</p>



<p></p>



<p><em>Hinweis</em>: </p>



<p><em>Bei der Erarbeitung unserer eigenen Idee vom &#8222;Sand der Träume&#8220;, die als Einstieg für weitere Traumgeschichten dienen kann, wurde eine KI zu Rate gezogen, um eine kindgerechte Sprache zu gewährleisten.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/der-sand-der-traeume/">DER SAND DER TRÄUME</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>TREU</title>
		<link>https://stephan-heider.de/treu/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 15:56:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Boris wollte nicht glauben, dass er gerade starb. Es tat zunächst nicht weh, fühlte sich aber unumkehrbar an.Vor zehn Sekunden</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/treu/">TREU</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Boris wollte nicht glauben, dass er gerade starb. Es tat zunächst nicht weh, fühlte sich aber unumkehrbar an.<br>Vor zehn Sekunden noch lag dieser Moment Jahrzehnte entfernt in der Zukunft.</p>



<p>Sein Leben lief perfekt am oberen Ende der Nahrungskette in einer mafiösen Struktur. Loyale Mitarbeiter und eine Frau, die ihm ergeben war. Auf seinem Weg hierher hatte er sehr viele Hindernisse aus dem Weg räumen müssen.</p>



<p><br>Vor wenigen Augenblicken noch genoss er ein Glas Weißwein zum Risotto und feilte an einer neuerlichen Ausrede für seine Gattin Gloria, die er achtlos einmal zuviel betrogen und zu häufig gedemütigt hatte.</p>



<p>Niemals hatte er erwartet, dass sein überhebliches Gefühl der absoluten Sicherheit gerade von ihr mit einem Hieb ad absurdum geführt werden könnte. In seinem hermetisch abgeriegelten Haus, in dem man von außen keinen Zugriff auf ihn hatte. Darauf legte er allergrößten Wert. Ließ es sich Unsummen kosten.</p>



<p>Völlig perplex, wie von einem durchdonnernden ICE beim unerlaubten Überqueren der Gleise eines Regionalbahnhofs überrascht, lag er nun auf dem Teppich und schnaufte Blut in das schlotzige Reisgericht.</p>



<p>Sein Schädel dröhnte, schließlich war er gerade eingeschlagen worden.</p>



<p>Auf der ihm zugewandten Wand ihres gemeinsamen Wohnzimmers sah er im Schatten der Stehlampe eine weibliche Silhouette im kurzen Kleid mühevoll die wertvolle Bronzeskulptur seines geliebten Stafford &#8222;Bullet&#8220; in die Höhe stemmen.<br>Jener Bullet, der soeben schon einen tiefen Abdruck seines metallenen Hundeschädels in Boris Kopf hinterlassen hatte.</p>



<p>So nah war er seinem treuen Hund selbst zu Lebzeiten des Vierbeiners nicht gekommen.</p>



<p><br>Durch Nebel in ein weites Weiß blickend sah Boris das Schattentheater, in dessen exklusiver Freakshow das Abbild des verdammten Köters in Glorias Händen immer wieder tief in einen länglichen Haufen Fleisch und Knochen herabschnellte.</p>



<p>Dieser zuckende Haufen war er. Das begriff Boris nun schmerzlich, während sein Körper dutzendfach vom Corpus Delikti getroffen wurde.</p>



<p>Gloria nahm sich ihre Genugtuung für die Jahre der Erniedrigung, die sie Boris verdankte. Kurz nachdem sie lächelnd das Risotto serviert hatte.</p>



<p><br>Fast zynisch peitschte gerade kraftvoll der Walkürenritt aus den sündhaft teuren Bowers &amp; Wilkins Lautsprechern ihre rasende Wut auf den wehenden Mähnen der akustischen Pferdenacken unaufhaltsam voran.</p>



<p>Boris hatte sich Wagner zum Essen aufgelegt, natürlich ganz „en Vogue“ auf Vinyl.</p>



<p>„Der Schatten bleibt immer farblos&#8220;, dachte Boris, während er sich beim Sterben zusah.</p>



<p><br>Bisher geschah Ableben für ihn meist in sattem Rot. Das Rot aus den Körpern seiner Konkurrenten.</p>



<p>In einem ruchlosen Leben hatte Boris auf seinem Weg nach ganz oben schon sehr viel davon gesehen. </p>



<p>Er selbst starb unbedeutend trist in Schwarz-Weiß.</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/treu/">TREU</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<item>
		<title>Hannah</title>
		<link>https://stephan-heider.de/hannah/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 14:14:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ihre Seele ächzte unter der Last dieses Fehlers, den sie vor sechzehn Jahren gemacht hatte. Sie stützte tapfer ihre Mutter,</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/hannah/">Hannah</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ihre Seele ächzte unter der Last dieses Fehlers, den sie vor sechzehn Jahren gemacht hatte. Sie stützte tapfer ihre Mutter, deren Körper unter den Weinkrämpfen bebte, so wie jedes Jahr an diesem Ort.</p>



<p>„Geboren um zu Leben“ sang der Graf vom Band und schnitt damit gnadenlos die fragile Schutzhaut von der seelischen Wunde, die niemals heilen würde. In den ersten drei Jahren kam er noch persönlich zur Trauerfeier, um bei den Angehörigen zu sein. Es war ihm eine Herzensangelegenheit. </p>



<p>Die Gedenkstätte mit Hannahs Namen und denen der anderen Opfer war herausragend gepflegt. Niemals würden die Eltern und Geschwister sie aufgeben, auch wenn die Stadt sich noch so sehr bemühte, den Hinterbliebenen einen anderen Ort schmackhaft zu machen, um endlich mit der Bebauung des ansonsten herunter gekommenen Geländes zu beginnen. </p>



<p>Hannah und Katrin, die Zwillinge, hätten in diesem Jahr ausgelassen ihren vierunddreißigsten Geburtstag gefeiert. Wenn Hannah nicht tot wäre. Erdrückt am Fuße dieser Treppe.</p>



<p>Eigentlich war Hannah die Vernünftige der beiden und Katrin das verrückte Huhn, das nur Unfug im Kopf hatte. Wie konnte das Schicksal so grausam sein, dass ausgerechnet Katrin Kopfschmerzen hatte, am 24. Juli 2010. </p>



<p>Wäre es andersherum gewesen, würden beide Mädchen noch leben, denn niemals hätte ihre Mutter Katrin allein zur Loveparade gehen lassen. Aber bei Hannah gab es keinen Grund nein zu sagen, sie war die Vernunft in Person. </p>



<p>Seit Hannahs Tod hatte sich das geändert. </p>



<p>„Ach Katrin“, sagte ihre Mutter irgendwann einmal, „Du bist so schnell erwachsen geworden. Kaum wieder zu erkennen. Aus dem unzähmbaren Teenie ist über Nacht eine grundvernünftige und umsichtige Frau geworden. Das hätte ich nie erwartet. Es tut mir so leid, dass es so gekommen ist.“ </p>



<p>Wie sollte Hannah jemals ihrer Mutter erklären, dass sie vor sechzehn Jahren, am Morgen des 24. Juli die Rollen mit Katrin getauscht hatte, weil sie sie darum gebeten hatte. Katrin wollte doch so gerne zur Loveparade.</p>



<p>Als sie es ihr kurz nach dem Unglück gebeichtet hatte, erlitt ihre Mutter eine Hirnblutung, der ein mehrwöchiges Koma und eine monatelange Rekonvaleszenz folgten. An die Stunden vor der Hirnblutung und Hannahs Geständnis konnte sie sich danach nicht mehr erinnern.</p>



<p>Immer wenn ihre Mutter sie lange nachdenklich ansah, betete Hannah inständig, dass es für immer so blieb.</p>
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		<title>Mein feiges Spieglein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 13:54:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ach, Spieglein klein, ich bin recht fein, so verlässlich und auch ehrlich. Ach, Spieglein klein, du bist so rein, sehr</p>
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<p>Ach, Spieglein klein, ich bin recht fein, so verlässlich und auch ehrlich. </p>



<p>Ach, Spieglein klein, du bist so rein, sehr gut zu mir und nicht gefährlich. </p>



<p>Ach, Spieglein klar, wie bin ich rar, so selten wie die edlen Weine. </p>



<p>Ach, Spieglein klar, bist für mich da, für mich allein und sonst für keine. </p>



<p>Ach, Spieglein Gold, ich bin so hold, du siehst in mir niemals das Schlechte. </p>



<p>Ach, Spieglein Gold, hast nie gewollt, dass ich geh mit mir ins Rechte. </p>



<p>Mein Spieglein, es ist deine Kunst, aus dir schauen andere töricht raus. Spiegelst mich in voller Gunst, und blendest meine Fehler aus.</p>



<p>Doch euer Spieglein zeigt mich hässlich, malt unverschämt ein fieses Schwein. Ach, Spieglein mein, nur du verlässlich, schau selbstverliebt in dich hinein. </p>



<p>Ach, Spieglein dein, du machst mich irr, die Fratze drin kann ich nicht sein. Ich greif nach dir, so rasend wirr, und schlage deine Scheibe ein. </p>



<p>Dein Spieglein nun entzwei zerbricht, die Splitter überall verteilt. Zerschneiden deine Zuversicht, tiefe Wunde, die nicht heilt. </p>



<p>Im Nachhinein tut es mir leid, nicht in dich geblickt zu haben. Ich glaub, es ist nun an der Zeit, mein Selbstbild mal zu hinterfragen. </p>



<p>Ach, eignes Spieglein, bist glasklar, doch gerne du die Wahrheit biegst. Der fremde Spiegel spricht oft wahr, wenn du mir in die Tasche lügst. </p>



<p>Ach, Spieglein mein, ich muss erkunden, viele Bilder muss man schauen. Ich glaub, ich habe dich erfunden, um selbst mich übers Ohr zu hauen. </p>



<p>Ach, Spieglein dein, was sag ich dir, in deiner Tiefe klaffen Kerben. Jetzt steh ich ganz alleine hier, zu meinen Füßen, deine Scherben. </p>



<p>Ach, Spieglein dein, vermiss dich sehr, niemand sagt mir mehr die Wahrheit. Es gibt kein andres Spieglein mehr, das reflektieren kann mit Klarheit.</p>



<p>Dein Schliff, versteh nun wie er ist, ach du mein verklärter Spiegel. Selbstgerecht und feig und trist, nur Kristall mit Egosiegel. </p>



<p>Und die Moral von der Geschicht, ein Spiegel nie die Wahrheit spricht. Für ein Bild von mir komplett, brauch ich ein Spiegelkabinett. </p>



<p>Wer scheubeklappt in seinen starrt, und nicht nutzt Vielspiegelei. In eigner Herrlichkeit verharrt, stirbt dummschlau wie ein Spiegel-Ei.</p>
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		<title>In meiner Hand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 20:23:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Milos Fingerspitzen lagen entspannt auf dem, von Flöten und Geigen gekitzelten Paukenfell. Sie tasteten Ennio Morricones „Once Upon a Time</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/in-meiner-hand/">In meiner Hand</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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<p></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p></p>



<p>Milos Fingerspitzen lagen entspannt auf dem, von Flöten und Geigen gekitzelten Paukenfell. Sie tasteten Ennio Morricones „Once Upon a Time in America“, das leise aus dem Lautsprecher in der umgebauten Trommel klang. </p>



<p>Das selbstgebaute Konstrukt sorgte dafür, dass Milos die Musik fühlen und sich mental aus der Jetzt-Welt nehmen konnte. </p>



<p>Seine linke Hand lag bewegungslos zu seinen Füßen unterhalb des Lehnstuhls. Mit ihr am Arm wollte es ihm nicht gelingen in Verbindung mit seiner Erinnerung zu treten. Genau aus diesem Grund hatte er sie sich vor einer Stunde abgenommen und achtlos hingeschmissen, ohne mit der Wimper zu zucken. Er sah auf den rosafarbenen Stumpf am Ende seines Arms und dachte nach. </p>



<p>Die Klassifizierung auf der berühmten persönlichen Skala von eins „belanglos“ bis zehn „undenkbar“ fiel bei der Frage </p>



<p>„Wie empfindest du das Töten von Lebewesen?“</p>



<p> vielen Menschen leicht, solange es sich um möglichst kleine und eklige Insekten handelte. Die unbarmherzige Ausrottung von Wespen oder Spinnen auf Knopfdruck war ihm als reizvolle Idee mancher Phobiker auch schon zu Ohren gekommen. Auf der Stufe Eins die Schädlinge. Ein emotionsfreies Kinderspiel sie zu zerquetschen. Und auf der Stufe Zehn die Menschen. Undenkbar, einem von ihnen das Leben zu nehmen. </p>



<p>Milos fragte sich, woher der Irrglaube kam und dachte über den Moment nach, als sich seine persönliche Werte-Skala von jetzt auf gleich umgekehrt hatte.</p>



<p>Der Moment als Amelie ihm vom Arm gerissen wurde, lag seinem Gedächtnis nur als schwarz gefärbter Piepton vor. Die Bilder endeten kurz vor der Explosion und setzten erst wieder im Krankenhaus ein. </p>



<p>Ihre kleine Kinderhand in Seiner kehrte als Phantomgefühl zurück, sobald er sich in diese Ruhe begab. Die Plastikhand, die sie ihm angestückelt hatten, konnte er in diesem Moment weiß Gott nicht gebrauchen. </p>



<p>Tröstlich, dass Amelie die Hand ihres Vaters hielt und mitnahm, als sie starb. Das Phantomgefühl war für ihn vielleicht sogar intensiver und verblasste nicht im Laufe der Zeit. Das konnte nur ein Gehirn leisten. Keine Hand konnte das. Keine Hand, die an ihm geblieben wäre und nie wieder etwas anderes hätte anfassen dürfen, um die letzte Berührung seines kleinen Mädchens zu konservieren. </p>



<p>Deshalb war er mit der Prothese im Reinen. </p>



<p>Judith kam von links ins Wohnzimmer, die Seite auf der Milos taub war. Das Gehör war ihm mit seiner Hand weggesprengt worden, als Amelie auf die Landmine trat. </p>



<p>Judith lächelte mitfühlend, als sie hinter dem Lehnstuhl um ihren Lebensgefährten herumging und ihm leise ins gute Ohr flüsterte: </p>



<p>„Gehst du wieder mit Amelie spazieren?“</p>



<p>Milos lächelte die Frau, die seine Werte-Skala wieder auf zehn für alles Leben justierte, liebevoll an. </p>



<p>Dann sah der alt gewordene Mann wieder auf den Armstumpf, an dem er die Hand seiner Tochter immer noch genau so fühlen konnte, wie in ihrem letzten Moment vor drei Jahrzehnten.</p>



<p>Lebendig &#8211; Warm &#8211; Vereint. </p>



<p>Das Gefühl, dass ihn seither Tag für Tag am leben hielt.</p>



<p>„Ja, so wie jeden Abend“, antwortete er.</p>



<p>Seine Stimme klang mild.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/in-meiner-hand/">In meiner Hand</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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		<title>Die verbotene Frau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 10:33:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Spannendes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Knapp zwei Jahrzehnte hatte er die Gier im Griff. Mittlerweile konnte er sich einen glücklich verheirateten Musik-Professor nennen mit makelloser</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/die-verbotene-frau/">Die verbotene Frau</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Knapp zwei Jahrzehnte hatte er die Gier im Griff. Mittlerweile konnte er sich einen glücklich verheirateten Musik-Professor nennen mit makelloser Karriere. Vom Straßenkünstler zum Orchesterleiter. Sein Studium hatte Simon sich zusammengetingelt und es in jungen Jahren dabei auch ordentlich krachen lassen. Die Jazz-Abende, die er damals in diversen Bars mühelos improvisiert hatte, waren ein Geheimtipp zu ihrer Zeit. Das Talent war Simon in die Wiege gelegt, die Brutalität wahrscheinlich auch. </p>



<p>Sein Vater war ein strenger Klavierlehrer und jähzorniger Ehemann. Man sagte ihm gewisse Dinge nach, die sich in den Privatstunden, vorzugsweise mit jungen Mädchen abgespielt haben sollen. Er war eines Nachts auf dem Heimweg aus der Weinschänke kopfüber in den Bach gefallen und elend ersoffen, obwohl bei Flachwasser nur wenige Zentimeter das Bachbett füllten. Eine Untersuchung des Vorfalls war vom Polizeichef und vom Staatsanwalt nicht angeordnet worden, da es sich um einen Unfall handelte, wie sie der Presse bekannt gaben. </p>



<p>Die Töchter der beiden Männer mussten jedoch nach seinem tragischen Tod nach einem neuen Klavierlehrer Ausschau halten.</p>



<p>Simon sah Charlotte zum ersten Mal, als er beim Vorspielen der Neu-Talente zufällig durch den Proberaum schlenderte. Sofort lief ihm ein Schauer über den Rücken. Normalerweise tauchten hier überwiegend Langweiler auf, doch diese junge Wilde erregte mehr als seine Aufmerksamkeit. Er blieb stehen und schob seine Lesebrille auf die Stirn. Die Bügel drückten dabei die wilden angegrauten Locken aus dem gebräunten Gesicht des Mittvierzigers. Simon hatte nichts von seinem attraktiven Charme eingebüßt, ganz im Gegenteil. </p>



<p>Charlotte hatte die Augen geschlossen und saß breitbeinig auf dem Hocker gegenüber dem Komitee. Den Rock des feingeblümten Sommerkleidchens hatte sie über ihre Knie hochgeschoben, damit sie das Cello ganz nah an sich heranziehen konnte. Sie hexte sinnlich Bachs Cello Suite No. 1 über den Bogen auf die Saiten und warf dabei wild ihre blonden Locken von rechts nach links. Simon merkte sofort, dass Charlotte, wie er selbst, über ein absolutes Gehör verfügte. Er stellte sich vor, wie Charlotte schwitzend unter ihm den Kopf hin und her warf, während er sie hart rannahm. Die Gier nach Macht war zurück. Sie mit einer Musik zu bespielen, die sie vielleicht nicht mochte. Strebend nach seiner persönlichen Perfektion ein sperriges Instrument zu bändigen, obwohl es nicht gestimmt war. </p>



<p>Er schüttelte sich kurz aus seinem Tagtraum und zwang sich, an neutrale Szenarien zu denken, so wie er es in der Therapie gelernt hatte. Vor zwanzig Jahren war er einmal zu weit gegangen und hatte ein Mädchen, das nur mit ihm reden wollte, mit K.O.-Tropfen gefügig gemacht. Das war der Wendepunkt in seinem Leben. Er war doch keine Bestie. Elke hatte er nie weh getan. Seine Frau hielt ihn für einen fürsorglichen Ehemann, der keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. So war er ja heute auch, Simon beherrschte seine Fantasien. </p>



<p>Charlotte war vielleicht gerade siebzehn und eine Naturgewalt, die Simon unbedingt kennenlernen musste. Der Orchesterchef wies den Komitee-Leiter an, sie nach der Probe in sein Büro zu schicken. Nach der Vorspielprobe wackelte Charlotte lasziv an Simons Bürofenster vorbei und er bemerkte, dass sie noch nicht einmal ihr eigenes Cello dabeihatte. Sie spielte die anspruchsvolle Nummer und gewann das Vorspielen haushoch und ganz beiläufig, als wäre es eine Runde Squash mit einem x-beliebigen Leihschläger. </p>



<p>Das Tier in ihm regte sich und wurde fast rasend, als sie seine Türklinke ausließ und gelangweilt aus der Akademie stolzierte, als hätte sie beim Shopping nichts Passendes gefunden. Nach einem kurzen Moment der totalen Verwirrung hechtete Simon Charlotte hinterher ins Altstadtgetümmel, getrieben von lang verdrängten Begehrlichkeiten.</p>



<p>Er sah sie ins Café Babette huschen, vor dessen Tür er noch einige Bahnen auf und ab zog. Wie ein Tiger, der auf der Fährte einer unwiderstehlichen Beute kurz haderte, weil er sich in Gefahr begeben musste, um sie zu reißen. </p>



<p>Dass er in dieses Café eintreten würde, war schon entschieden, als er zur Welt kam.</p>



<p>Charlotte hatte es sich an der Theke gemütlich gemacht und wertete ihre Dunhill mit einem doppelten Espresso auf. </p>



<p>„Junge Dame, entschuldigen Sie. Mein Name ist Simon Kalbusch. Ich leite die Musikakademie, in der Sie gerade so furios vorgespielt haben.“ </p>



<p>„Professor Kalbusch, Sie müssen sich doch nicht vorstellen, jeder ambitionierte Musiker der Stadt kennt Sie. Ich heiße Charlotte Berger.“ </p>



<p>Simon sah auf die Uhr. „Einen Gin Tonic, bitte“, rief er dem Barkeeper zu. „Mögen Sie auch einen, Charlotte?“</p>



<p>„Warum nicht?“, antwortete sie und hielt dem Barkeeper das Victory-Zeichen hin. Dieser nickte und zog ein zweites Glas aus dem Regal.</p>



<p>„Wieso habe ich noch nichts von Ihnen gehört, Charlotte?“, fragte Simon. „So ein Naturtalent wie Sie läuft nicht lange unentdeckt herum in einer Stadt, in der es eine Musikfakultät und ein bekanntes Orchester gibt.“ </p>



<p>„Ich habe viele Talente“, antwortete Charlotte süffisant und sah Simon tief in die Augen.</p>



<p>Spätestens jetzt war der Tiger vom Jäger zur Beute geworden. Er wusste es nur noch nicht.</p>



<p>Als Simon aufwachte, konnte er sich nicht bewegen und seine Augen waren verbunden. Sein Kopf dröhnte und schmerzte, wie nach einem Heavy Metal Konzert. Seine Erinnerung teilte ihm mit, dass es einige Drinks gab, bevor Charlotte ihn mit zu sich in ihr Apartment genommen hatte. Gleich hinter der Wohnungstür wich sie seiner stürmischen Zunge aus und er ohrfeigte sie so heftig, dass ihr Kopf zur Seite schnappte. Er warf sie aufs Bett und war so geil, wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Mit mahlenden Kieferknochen starrte er bebend auf das wehrlose Mädchen.</p>



<p>Dann fuhr ein Blitz in seinen Kopf und es wurde dunkel.</p>



<p>Jetzt wurde ihm die Augenbinde abgenommen, der Knebel im Mund verblieb an Ort und Stelle, was auch notwendig war, damit er bei dem Anblick nicht alles zusammenschrie. Simon sah auf seine Hände und riss schockiert die Augen auf. Panik hangelte mit eisernen Griffen seine Luftröhre hoch und Tränen erschwerten die Sicht, denn im Halbdunkel vor sich steckten seine Finger im Schnittschwert einer elektrischen Heckenschere. Jeder einzelne fein säuberlich sortiert in einem Zwischenraum der zwei gezahnte Schneidbalken, die mit hoher Geschwindigkeit übereinander gleiten. </p>



<p>Wenn man sie denn einschaltet.</p>



<p>Diese Heckenschere war vorbereitet, die Zweihandbedienung mit Kabelbindern überbrückt. Einzig und allein der Netzstecker fehlte noch und lag vor Simon auf dem Tisch. Ihm gegenüber saß Charlotte mit ihrer blauroten Wange, die sie ihm verdankte.</p>



<p>„Simon, du hast doch gewusst, dass dein kleines Geheimnis dich eines Tages einholt.“ Charlotte steckte sich den Mittelfinger bis zum Ring, den sie trug in den Mund. Sie verharrte einige Sekunden, ohne ihren zornigen Blick von ihm abzuwenden. Dann zog sie ihn langsam durch ihre vollen Lippen wieder heraus. Simon begriff, dass seine Vergangenheit zurück war. Aus dem Dunkeln des Raumes trat eine Frau hinter den Rücken von Charlotte. Simon erkannte sie sofort, es war die hübsche Frau, die er vor zwanzig Jahren unter Drogen gesetzt und vergewaltigt hatte. An dem Abend, als sie ihn um ein Gespräch bat. Die Frau, an die Charlotte ihn in seiner tiefsten abgründigen Seele unweigerlich erinnert hatte.</p>



<p>„Sag Hallo zu meiner Mama, sie hat dir vorhin den Elektroschocker in den Nacken gedrückt, als du mich gefügig schlagen wolltest. Das wirst du ihr doch nicht übelnehmen, du Schwein, oder?“ </p>



<p>Simon schüttelte hektisch den Kopf, er wusste, dass er hier gerade gar nichts zu melden hatte.</p>



<p>„Simon, weißt du, worüber ich damals mit dir sprechen wollte?“, fragte die Frau, die kaum vierzig war und Charlottes Mutter sein sollte. Simon schüttelte hektisch den Kopf, er wusste es nicht.</p>



<p>„Dann kläre ich dich mal auf, mein Freund“, Simon wusste nicht, ob er mehr Angst vor Charlotte oder ihrer Mutter haben sollte. Er schielte immer wieder auf seine Finger in der Heckenschere. Die zehn Finger, die als Pianist das Wertvollste waren, was er im Leben hatte.</p>



<p>„Ich bin das ungewollte Kind einer Staatsanwaltstochter und eines gewissen Klavierlehrers.</p>



<p>“Simon konnte die Schauer nicht zählen, die seinen Körper schüttelten, als sie diese Worte aussprach. Das unfassbare, markerschütternde Beil der Gerechtigkeit traf ihn mitten in seine geteilte Seele. Geteilt durch Vergangenheit und Gegenwart. Alles holte ihn wieder ein. Sein Vater, den er hasste, weil er ihm dieses Verlangen vererbte. Sein Kampf dagegen, der ihn zu einer Art trockenen Alkoholiker der Lust machte.</p>



<p>Er hatte vor zwanzig Jahren seine eigene Halbschwester vergewaltigt, die ihn aufsuchte, um mit ihm zu reden. Simon erstickte fast an der Erkenntnis und an dem Knebel in seinem Mund.</p>



<p>„Du glaubst also, dass du verstanden hast, worum es hier geht?“, Charlotte ergriff wieder das Wort. </p>



<p>Simon nickte. </p>



<p>„Du hältst mich für deine Tochter, das Kind, das du mit deiner Schwester gezeugt hast?“, Charlotte war so erregt, dass sie spucken musste. Simon nickte schluchzend.</p>



<p>„DU HAST JA KEINE AHNUNG!“, schrie Charlotte ihn in Tränen aufgelöst an.</p>



<p>„Ich bin sechzehn und habe einen echten Vater, aber ich stelle dir gern meine ältere Schwester vor.“ Charlottes Mutter fuhr ihre Schwester in den Raum. Im Rollstuhl, unfähig zu gehen und gezeichnet von schweren körperlichen Behinderungen.</p>



<p> „Babette, das da ist dein toller Vater“, sagte Charlotte in einem zutiefst verächtlichen Ton. Sie gab den Stecker und die Steckdose am Verlängerungskabel in Babettes Hände. </p>



<p>„Weißt du, Simon, was Babette kann? Sie kann die Hände zusammenführen, wie beim bekannten Klatschen vom Musikunterricht Dreijähriger und sie hat einen brillanten Geist. Simon war auf dem Weg den Verstand zu verlieren. Seine Augenbinde wurde wieder angelegt. </p>



<p>Babette sagte leise zwei Worte: „Danke Vater!“, dann schob sie die Stecker zusammen. Während sie Simon zurückließen, nässte dieser sich auf der Stelle ein und schrie hinter seinem Knebel gegen die rasselnde Heckenschere an. </p>



<p>Als Simon gefunden wurde, spielte eine Tonaufzeichnung aus einem Lautsprecher in Endlosschleife Geräusche von knirschendem Fleisch und Knochen in einer Heckenschere. Der Musik-Professor hatte sein absolutes Gehör und den Kontakt zur Realwelt verloren. Simon konnte seine Karriere nicht fortsetzen, obwohl er alle Finger behalten hatte. </p>



<p>Das Kabel, das Babette eingesteckt hatte, gehörte nicht zu der Heckenschere, sondern zum Tonwiedergabegerät. </p>



<p>Das Zittern seiner Hände hörte einfach nie wieder auf. Auch seine Frau Elke sah er nie wieder, nachdem sie das Video sah, indem ihr liebevoller Ehemann Simon Charlotte aufs Bett prügelte, bevor ihn der Elektroschocker stoppte.</p>



<p></p>
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		<title>Mondschatten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Oct 2025 18:10:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Emotionales]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Monika war müde vom Tag. Das Büro, die neue Selbstständigkeit zehrte sie aus. Einerseits lebte sie ihren Traum, andererseits fraß</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/mondschatten/">Mondschatten</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Monika war müde vom Tag. Das Büro, die neue Selbstständigkeit zehrte sie aus. Einerseits lebte sie ihren Traum, andererseits fraß das Geschäft sie mit Haut und Haaren. Obwohl sie von zu Hause arbeitete, rieb sie sich auf. </p>



<p>Der Tod ihrer Mutter Elisabeth kam so unerwartet. Sie sollte helfen und war die ersten Jahre fest eingeplant, so lange bis Monika sich eine Hilfe leisten könnte. Morgens im Büro und nachmittags sollte sie für die kleine Brie da sein. Das war ihr Plan. Der Tod hatte jedoch seinen eigenen Plan für Elisabeth.</p>



<p>Das Landhaus in der Toskana, das ihr Mann hinterlassen hatte, kostete zusätzliche Arbeit, die Monika im Moment noch nicht an einen Gärtner vergeben konnte. Ins Immobiliengeschäft einzusteigen, hier in der Region als Anfänger war nicht nur leichtsinnig, sondern nahezu irrsinnig. Viel zu viele einheimische Makler hatten etwas dagegen.</p>



<p>„Mami, ich habe heute Oma gesehen“, zwitscherte Brie aufgeregt, als Monika sie nach dem Abendessen zu Bett brachte.</p>



<p>„Ach Liebling, du weißt doch, dass Oma gestorben ist und wir sie nicht mehr sehen können.“ Monika war zu müde, um die Bedürfnisse eines trauernden Kindes zu bedienen. </p>



<p>„Sie geht durch den Rosengang&#8230; jeden Abend“, Bries Augen strahlten voller Glück. „Ja, Brie, das war früher. Oma liebte den abendlichen Spaziergang durch den Rosengarten. Aber nun ist sie im Himmel.“</p>



<p>Bries Miene wurde ernst. „Weißt du noch, wie Oma schritt? Sie ist es.“</p>



<p>„Okay, mein Schatz, du hast sicher recht.“ Monika hatte gerade nicht den Nerv mit Brie über die Endlichkeit des Lebens zu diskutieren. </p>



<p>Irgendwann in der Nacht schreckte Monika aus dem Schlaf. Ein Gedanke ließ ihr keine Ruhe. Was hatte Brie gesagt? „Weißt du noch, wie Oma schritt?“ Wie zum Teufel kam sie nur darauf, das Präteritum, also die einfache Vergangenheit, zu wählen? Das war sowohl für sie als auch für jedes andere Kind ungewöhnlich. Kinder sprachen im Perfekt&#8230; der Erzählform. Also hätte sie gesagt: „Weißt du noch, wie Oma durch den Rosengang geschritten ist?“, wäre es plausibel, wobei das Wort „schreiten“ auch keine Kindersprache ist. So sprach höchstens Elisabeth, ihre Mutter.</p>



<p>Monika sprang aus dem Bett und huschte zum Fenster. Im Vollmond lag der Rosengang, durch den drei Schatten auf und ab gingen. Der einer eleganten älteren Dame, der eines stattlichen Mannes und an dessen Hand ein kleines Mädchen. </p>



<p>Monika erkannte, dass Brie recht hatte. Sie stürmte zur Schlafzimmertür, um zu Brie zu gelangen, sei es auch nur um ihr schlafendes Kind liebevoll zu betrachten. Ihre Zimmertür war verschlossen, ohne dass ein Schlüssel steckte. Monika dachte nach, wieso sie sich eingeschlossen hatte, als das Türschloss aufschnappte. Eine Frau in weißer Schwesterntracht stand in der Tür und fuhr Monika schroff an: „Ich habe Ihnen gestern schon gesagt, dass Ihr Mann, Ihre Mutter und Ihre Tochter bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Monika, Sie sind auch nicht in der Toskana, sondern in der Klinik ‚Gute Hoffnung‘ im bayrischen Wald. Verdammt nochmal, wie oft soll das noch so gehen?“ </p>



<p>Monika erinnerte sich kurz, brach zusammen und weinte sich aus der Realität in einen fortwährenden Wachtraum. Ein schöner Traum, der ihre unerträglichen Schmerzen fraß.</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://stephan-heider.de/mondschatten/">Mondschatten</a> erschien zuerst auf <a href="https://stephan-heider.de">Stephan Heider</a>.</p>
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